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GedenktagErbverpflichtung – warum wir an den Holocaust erinnern

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

© Kleine Zeitung
 

Guten Morgen!

Wir haben uns daran gewöhnt, dass fast alles mit Corona zusammenhängt. Selbst italienische Regierungen, die auch in normalen Zeiten in sehr kurzen Abständen zu stürzen pflegen, gehen heutzutage an Corona-Folgen zugrunde. Ja selbst die düsterste Konstante im Erinnerungskalender, der heutige Holocaust-Gedenktag, steht mit der Pandemie in Zusammenhang. Das hat mit dem Holocaust wenig, viel aber mit unserer Vergesslichkeit zu tun.
 
Es gehört schon eine sehr absonderliche, ja abgeschmackte Fantasie dazu, die industrielle Vernichtung von Menschen mit der Corona-Impfung in Zusammenhang zu bringen. Im Netz kreisen Zeichnungen, die den Eingang zum Lager Auschwitz zeigen, Wachen mit Spritzen in der Hand deuten an, was der Spruch über dem Eingangstor bedeutet. „Impfen macht frei“ steht dort, statt dem Spruch, den sich zynische Lagerleiter einst ausgedacht hatten: „Arbeit macht frei“. Auch abseits dieses Tiefpunkts an dreister Geschichtsvergessenheit spielt man gern mit dem Davidsstern, den Juden in Nazi-Deutschland tragen mussten, um ihre Aussonderung zu markieren. Der haarsträubende Vergleich: Wer sich nicht impfen lassen will, wird behandelt wie damals die Juden.
 
Angesichts dieser Geschichtsvergessenheit haben wir uns entschieden, heuer wieder mehr zu den Ereignissen zu bringen: Erinnerungen von Menschen, die es erlebt haben, ein Gespräch mit der Historikerin Barbara Stelzl-Marx und eine große Grafik, die versucht, das Unvorstellbare verständlich darzustellen. Christian Weniger schreibt im Leitartikel, warum wir das tun: „Nicht, weil uns der Holocaust eine Erbschuld auferlegt, sondern weil er eine Erbverpflichtung bedeutet. Auch jetzt. Gerade jetzt.“
 
Dem ist nichts hinzuzufügen, findet

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