Der Baumeister ist nicht mehr da, ruht in den Wiener Weinbergen am Grinzinger Friedhof. Und damit fehlt auch die gewohnt große mediale Inszenierung von Richard Lugner. Es ist die 67. Ausgabe des Staatsgewalzes, die am Donnerstagabend in der Wiener Staatsoper anhebt und so viel kann man im Voraus sagen: Es war in der Vergangenheit schon mehr Prominenz im Haus am Ring unterwegs.
Der Glanz und die Komik, das war Lugners Programm mit seinen insgesamt 38 Stargästen in mehr als drei Jahrzehnten Opernball (von 1992 bis 2024). So vermutete der Baumeister, der seine Gäste gern absichtlich falsch aussprach, dass Sängerin Grace Jones Sex in seiner Loge hatte und auch 2011 war die Schlagzeile „Bunga-Bunga“, denn Lugner tanzte mit Ruby Rubacuori, einer „Bekannten“ des damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, an. Zu den größten Coups des Baumeisters gehörten aber zweifelsohne Pamela Anderson (2003), Paris Hilton (2007) und Kim Kardashian (2014). Große Namen, mit denen der Opernball in diesem Jahr nicht aufwarten kann.
Laute mediale Begleitmusik gab es im Vorfeld des Spektakels heuer kaum. Das kann an der weltpolitischen Lage und der besonderen Situation rund um Österreichs Verhandlungsmarathon für eine Regierungsbildung liegen. Oder auch daran, dass niemand groß Werbung für einen Stargast oder den eigenen Besuch machte. Die Tage der Hollywood-Diven sind mit dem Tod von Lugner wohl endgültig vorbei. Für den berühmtesten Baumeister der Republik wird in der Loge symbolisch ein Sitzplatz leer gehalten.
Opernball: Diese Promis haben sich angekündigt
Es wird auf jeden Fall der Opernball des Johann Strauß: Zum 200. Geburtstag des „Walzerkönigs“ wird fast die gesamte Eröffnung im Zeichen des populären Komponisten stehen.
Ein paar größere Promis haben sich aber schon angesagt. Die Kristall-Dynastie Swarovski tanzt mit Heidi Klums Tochter Leni sowie Model Candice Swanepoel und „Gossip Girl“-Star Ed Westwick an. Deutsche Promis wie Model Franziska Knuppe oder Sänger Sasha kommen ebenso wie die österreichische Schauspielerin Nina Proll.
Österreichs Politik wird in überschaubarer Zahl vertreten sein. Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist gesetzt, der amtierende Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) hat genauso zugesagt wie Finanzminister Gunter Mayr. Eine Premiere feiert Kulturminister Werner Kogler (Grüne). Bisher hat sich der grüne Kulturminister am Opernball von Staatssekretärin Andrea Mayer vertreten lassen. Die ist nicht mehr im Amt. Somit feiert der Chef der ehemaligen Opernball-Protestpartei kurz vor Ende seiner Amtszeit doch noch Einstand im schönsten Ballsaal der Welt. Der Bundespräsident wird heuer von der Wissenschafterin des Jahres, der Klimaökonomin Sigrid Stagl, begleitet. Ihr Kommen zugesagt haben auch Ex-ÖVP-Chef Sebastian Kurz und Ex-ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger.
Opernball: Bester Logenplatz vor dem Fernseher
Es könnten heuer jedenfalls zum ersten Mal mehr prominente Reporter als Gäste auf dem Opernball unterwegs sein. Der beste Logenplatz findet sich am Donnerstag definitiv wieder vor dem Fernseher. Mit mehr als 20 Kameras, rückt der ORF mit Mirjam Weichselbraun, Teresa Vogl, Andi Knoll und erstmals Marion Benda an. Um 20.15 Uhr steigt ORF 2 live aus dem Haus am Ring ein. Von 19 bis 22 Uhr überträgt auch der Privatsender Puls 24 und seine Streaming-Plattform Joyn. Dort sollen abseits vom ORF auch kritische Töne angeschlagen und Gegendemonstrationen im Lichte von Inflation und Teuerung thematisiert werden. Dominic Heinzl wird für Puls 4 als Societyritter mit stets offenem Visier Daheimgebliebene wieder vor faden Fragen wie „Mit wem werden Sie heute Abend tanzen?“ bewahren.
Besonderes Augenmerk darf auf den Blumenschmuck gerichtet werden, der fällt nämlich heuer besonders üppig aus. Man hat sich von der Einfärbigkeit des Dekors der vergangenen Jahre entfernt, setzt vielmehr auf eine „vielfältige, bunte, üppige Farbwelt“.