Während rund um die Wiener Staatsoper für den Ball der Bälle am Donnerstag aufgebaut wird, probte man die letzten Wochen auch andernorts: im Wiener Rabenhoftheater. „Opernball – Walzer, Wein und Wohlstandsbauch“ taufte Schriftstellerin und Humoristin Stefanie Sargnagel ihre neue Bühnenshow, die zwei Tage vor dem Großereignis Premiere im Gemeindebau feiert. Und der Untertitel der Uraufführung deutet den humoristisch-bissigen Ton, den der Blick auf die Untiefen der Wiener Hochkultur bereithält, schon an. Die nicht weniger bissigen Live-Songs stammen von Salò.

Dem Stück der Wienerin ging ein Besuch am Ball im Auftrag des Johann-Strauss-Festjahres im Vorjahr voraus. Ihre Erlebnisse mit Reich und Schön und Mächtig hat die Anarcho-Autorin aus der Mittendrin-Perspektive gewohnt bissig aufgeschrieben. Wie sie das schon u.a. über den Besuch beim Bachmannpreis-Wettlesen in Klagenfurt getan hat oder als Angestellte eines Telefon-Auskunft-Callcenters. Erlebnisse wurden zu Facebook-Einträgen und später zu Büchern wie „Statusmeldungen“. Social Media befeuerte einst die Karriere von Stefanie Sargnagel. 2021 erschien eine ihr gewidmete Kino-Mockumentary von Gerhard Ertl und Sabine Hiebler namens „Sargnagel – Der Film“. Was ihr 2022 bei einem Creative-Writing-Seminar in Iowa in den USA passierte, schrieb sie in „Iowa“ auf und die lakonischen Beobachtungen bescherten ihr im Vorjahr eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis (Longlist) ein, die Auftritte mit Christiane Rösinger sind mittlerweile Kult und am Landestheater Niederösterreich wird auch die Bühnenadaption davon gefeiert.

Mit „Opernball“ kehrt sie nach den Stücken „Ja, eh!“ sowie „Heil – Eine energetische Reinigung“ ans Theater retour. Mit Federn, Pelzen, Botox-Stirnen und einem Publikum mit den Schmierigsten, Schleimigsten, Gierigen, Wichtigen, Erwählten, Hochwohlgeborenen – wie es an einer Stelle heißt. Und nebst Kulturschickeria – der Heino ist da, die Frau von Richard Lugner, der Erwin Wurm. Sie hätte, sagt Sargnagel, kaum etwas übertreiben müssen. „Als Künstlerin ist man zuerst verhasstes Gsindl, dann setzt der Erfolg ein, und alle wollen einen abbusseln. Man muss da wirklich aufpassen“, sagt die Wienerin im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

In der Probenfassung hält die 39-Jährige u.a. die Vorbereitungen in der Maske fest: „Ich muss eine andere werden. Ich muss so werden wie die Feinen!“ sagt die Protagonistin darin zur Stylistin. Und: „Ich zeige ihnen ein Foto von Ursula Stenzel.“ Seitenhiebe mit Seitenblicke-Wiedererkennungswert en masse erwartet das Publikum. Politische Ansagen ebenso, wenn es etwa heißt: „Früher wollten sie den Gästen am liebsten die Champagnerflöten durch die Gurgel stoßen, heute ist eine gewisse Trägheit zu spüren.“ Auf die Frage, ob es nicht genug Empörung gebe, antwortet Sargnagel so: „Ich glaube, wenn das Schnitzel im Wirtshaus bald die 20-Euro-Grenze übertritt, werden die Österreicher merken, dass man Fremdenfeindlichkeit nicht rausbacken kann.“