Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben, lautet ein Satz, der Humboldt zugeschrieben wird, obschon er ihn schlussendlich wohl doch nicht gesagt hat. Wer sich für die Welt interessiert, ist jedenfalls nicht nur auf derselben, aber auch im Globenmuseum gut aufgehoben, stellte ich kürzlich fest. Denn dort werden die unterschiedlichsten Arten der Welt in sicherem Abstand in Schaukästen hinter Glasscheiben ausgestellt: Kugeln in allen Größen, winzige, kaum eine Murmel, mittlere wie aus einem großväterlichen Studierzimmer, riesige, so gigantisch, dass ein ganzer, erwachsener Mensch darin schlafen könnte wie in einem überrunden, aus den Proportionen gerutschten Ei. Leere, zusammengelegte Modelle, die man aufspannt wie einen Regenschirm, gibt es hier, und aufblasbare Faltgloben aus Papier, bei denen der neugierige Betrachter sich die Erde erst selbst aufpusten muss, sozusagen einen persönlichen Urknall produziert, um mit ein paar Luftstößen die totale Expansion zu erreichen. Immer hat schon gegolten: Für die große, weite Welt braucht es einen langen Atem.