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Neues BuchEin Blick auf den privaten Karl Lagerfeld

Er war die "Muse" von Karl Lagerfeld: Baptiste Giabiconi hat ein Buch über den verstorbenen Modezaren geschrieben. Es zeichnet ein neues Bild.

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© APA/AFP/DPA/CAROLINE SEIDEL
 

Als Karl Lagerfeld im November 2018 per Knopfdruck die Festtagsbeleuchtung auf dem Prachtboulevard Champs-Elysees einschaltet, ist dieser Auftritt einer der letzten des "Kaisers". Im Februar 2019 starb der gebürtige Hamburger im Vorort Neuilly. Gut ein Jahr nach dem Tod gibt Model und Sänger Baptiste Giabiconi mit dem Buch "Karl et moi" ("Karl und ich") Einblicke in das Leben der Mode-Ikone.

Der aus der Umgebung von Marseille stammende Giabiconi sei 2008 als junger Mann von dem Dandy mit dem weißen Haarzopf entdeckt worden, daraus habe sich eine jahrelange Freundschaft entwickelt, erzählt der Autor. "Ich wurde seine Muse." Giabiconi sagte der belgischen Zeitung "Le Soir", Lagerfeld sei damals sein Beschützer geworden, habe ihn unter seine Fittiche genommen und seine Karriere in der glitzernden Modewelt vorangetrieben.

Der einzige Du-Freund Karl Lagerfelds

Über die Beziehung zwischen Lagerfeld und dem "schönen Burschen" war spekuliert worden, man darf annehmen, dass sie platonisch war - wie zwischen einem Vater und einem Sohn, wie es in dem Interview heißt. Das männliche Model posierte aber auch für Nacktfotos. Giabiconi war nach eigener Auskunft der einzige, der den stets auf Distanz und Stil bedachten Botschafter des Pariser Chics duzen durfte.

In "Karl et moi" wird ein neues Bild Lagerfelds gezeichnet, der in Talkshows kein Blatt vor dem Mund nahm, mitunter arrogant wirkte und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik scharf kritisierte. Denn laut Baptiste, wie der Autor häufig in dem Buch genannt wird, war der Herr der Pariser Haute-Couture im Grunde ein Netter. "Aber er wollte das immer verbergen, weil er dachte, dass dies eine Schwäche sei", sagte er dem "Soir". "Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Das war seine größte Stärke, er war die Güte und Großzügigkeit selbst."
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Lagerfeld mit Giabiconi und Patensohn Foto © APA/AFP/GABRIEL BOUYS
Wie auch immer, Auseinandersetzungen zwischen den beiden gab es auch. Streit entzündete sich an einer Birma-Katze, die später zu Weltruhm gelangen sollte. Giabiconi erzählt, er sei erster Besitzer von Choupette gewesen, habe sie über Weihnachten wegen einer Reise bei Lagerfeld gelassen, der sich zunächst erkundigte, ob sie Bakterien habe. Später wollte der Modepapst das Haustier nicht wieder hergeben und erzürnte damit seinen Freund. Lagerfeld bekam Choupette dann geschenkt, und es herrschte wieder Frieden. Giabiconi berichtet, dass sich jetzt die Gouvernante Francoise aus dem Haushalt von "KL" um die Edelkatze kümmere.

Sein Leben in Bildern: Mode-Ikone Karl Lagerfeld gestorben

Schon im Jänner war die Modebranche in Aufruhr: Modezar Karl Lagerfeld hat bei zwei Chanel-Modenschauen gefehlt. Begründet wurde sein Fehlen: Der Meister sei erschöpft.

(c) APA/EPA/CAROLINE SEIDEL (CAROLINE SEIDEL)

Lagerfeld ging es in den letzten Wochen offenbar schlechter, am Montagabend wurde er nach einem medizinischen Notfall ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb am Dienstagfrüh.

(c) EPA (CHRISTOPHE KARABA)

Seit 1983 hat er die Geschicke des Modehauses Chanel geleitet und damit das Erbe von Coco Chanel weitergeführt.

(c) APA/dpa/Bertram (Bertram)

König Karl, wie er gerne ehrfürchtig genannt wurde, war Modedesigner, Fotograf, Designer, Filmemacher, Verleger und Stilikone.

(c) APA/EPA/JASON SZENES (JASON SZENES)

"Man muss sich für alles interessieren - aber man darf nie nur in eine Richtung gehen, man muss sich alle Türen offen halten. Man darf seine Neugierde nicht verlieren, sonst geht die Energie weg", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit".

(c) APA/AFP/PIERRE GUILLAUD (PIERRE GUILLAUD)

In der Welt der Mode galt der am 10. September in Hamburg geborene Karl Lagerfeld seit dem Tod von Yves Saint Laurent als Alleinherrscher.

(c) APA/AFP/PATRICK KOVARIK (PATRICK KOVARIK)

Als im Jahr 2001/2002 der Designer Hedi Slimane seine erste Kollektion für Dior präsentierte, war Lagerfeld vor allem von den Slim-Fit-Anzügen begeistert. Rund 40 Kilogramm ...

(c) AP (MICHEL EULER)

... hat er damals abgenommen, um in diese Anzüge zu passen.

(c) AP (MICHEL EULER)

Und auch sonst hat er seinen Stil nochmals verändert: Ringe am Finger und hochgeschlossene Krägen waren fortan sein Signature-Look.

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Im Jahr 2008 entwarf er für den Spielzeughersteller Steiff einen Lagerfeld-Teddybär. Das Schmusetier mit Sonnenbrille, schwarzer Seidenkrawatte und weißem Hemd mit Stehkragen war auf 2.500 Stück limitiert - der Preis für das Alpaca-Plüschtier: 1.000 Euro.

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Schon zuvor hatte Lagerfeld nicht den Schritt in den Mainstream gescheut: Um elf Prozent steigerte H&M im Geschäftsjahr 2003/2004 seinen Umsatz, nachdem Lagerfeld eine Kollektion für das Modehaus kreiert hatte.

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Seine Modeschauen waren Anziehungspunkt für Promis aus der ganzen Welt. Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf.

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Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm.

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Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix." Und doch war er alles: die Modebranche trauert um einen ganz Großen.

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Der langjährige Kreativdirektor des Modehauses Chanel war bis zuletzt ein Arbeitstier, unterstützt von einem treu ergebenen Hofstaat, den er um sich scharte. "Karl machte mindestens zehn Sachen gleichzeitig." Eine Schwäche? Die Pünktlichkeit. Mittagessen hätten stets nach hinten verschoben werden müssen. Im Sommer ging es in die Ferien an der Cote d'Azur. Das Wetter ist schön. "Karl, willst Du nicht baden?", lautet einmal die Frage. "Bist Du verrückt? Man sieht zu viele Gräuel an Swimmingpools!" Der vielsprachige Lagerfeld sei Weltbürger gewesen, habe sich gleichzeitig als Hanseat gesehen und eine besondere Hamburg-Nostalgie gepflegt. "Er war von Geburt bis zum Tod deutscher Bürger", resümiert Giabiconi in dem Buch.

Manche Rätsel bleiben

Das Rätsel über Lagerfelds Alter wird in "Karl et moi" nicht gelöst. Er habe das Thema nie angesprochen, so Giabiconi, der nach eigenem Bekunden viele Sonntage in der pharaonischen Wohnung seines Mentors mit Seine-Blick verbrachte. Lagerfeld war als Sohn eines Dosenmilch-Fabrikanten zur Welt gekommen - nach eigenen Angaben im September 1935, womit er 83 Jahre alt geworden wäre. Als Geburtsjahre kursierten aber immer auch 1933 und 1938.

Der 30 Jahre alte Giabiconi ist laut einer Agentin zwischen Paris, London und Marseille unterwegs und gründete eine Agentur für junge Talente. Die Entourage Lagerfelds stehe ihm skeptisch gegenüber, ist in der Mode-Szene zu hören. Was hätte der "Kaiser" zu den coronabedingten Ausgangsbeschränkungen in Frankreich gesagt? Lagerfeld wäre erschüttert, antwortete Giabiconi dem "Soir": "'Baptiste, das habe ich nie erlebt'", so hätte seine Antwort gelautet. Lagerfeld wäre allein in seiner Pariser Wohnung - allein mit Choupette.

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