Mitten in der St. Veiter Fußgängerzone, verborgen hinter historischen Mauern, werden Tag für Tag Nudeln gefertigt. Was von außen unscheinbar wirkt, ist im Inneren eine modernisierte Lebensmittelproduktionsstätte, die Nudelproduktion der Familie Ellersdorfer.

„Die Innenstadt ist nicht nur ein Ort zum Wohnen und Einkaufen“, sagt Geschäftsführer Andreas Ellersdorfer. „Wir sind mit unserem Wirtschaftsbetrieb bewusst am Standort geblieben, um keine Grünflächen zu versiegeln. Außerdem gelang es uns in den historischen Räumlichkeiten alle modernen Standards umzusetzen, obwohl die Umsetzung aufgrund der Gewölbestruktur in den alten Mauern nicht einfach war.“ 

Die Produkte reichen von Käsnudeln bis zu Fleischnudeln
Die Produkte reichen von Käsnudeln bis zu Fleischnudeln © Manuella Trampitsch

Ellersdorfer sieht sich geschichtlich und sozial in der Verantwortung: „Unsere Mitarbeiter arbeiten gerne in der Stadt. Die Bevölkerung begegnet uns mit Geduld und Rücksicht, etwa bei Anlieferungen von Zutaten. Das wissen wir sehr zu schätzen“, Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1931 zurück. Damals gründete Josef Ellersdorfer eine Fleischerei. 1968 übernahmen seine Söhne Heinz und Josef den Betrieb. Auf der Suche nach einem zweiten Standbein entstand schließlich die Nudelmanufaktur. Bis zur Schließung der Fleischerei im Jahre 2023 wurden beide Sparten parallel geführt.

Zur Schließung der ehemaligen Fleischerei erzählt der Unternehmer: „Wenn wir auch die Schließung unserer Fleischerei bedauern, bereuen wir den Entschluss aus wirtschaftlicher Sicht nicht“, so der Unternehmer. Schon in den 1970er-Jahren schaffte das Unternehmen mit Tiefkühlprodukten den Einzug in den Einzelhandel. In den 1980er-Jahren folgte die Umstellung von handwerklicher Fertigung auf moderne Lebensmittelproduktion.

Bereits in den 70er-Jahren waren sie mit Tiefkühlprodukten im Einzelhandel vertreten
Bereits in den 70er-Jahren waren sie mit Tiefkühlprodukten im Einzelhandel vertreten © Manuella Trampitsch

Heute beliefert der Betrieb sowohl den Einzel- als auch den Großhandel mit 18 verschiedenen tiefgekühlten Nudelvariationen. Diese umfassen die klassischen Käsnudeln sowie Fleischnudeln, aber auch süße Kletzennudeln und saisonale Variationen wie die Steinpilznudeln. Beliebt sind außerdem die Schlickkrapferln als Suppeneinlage. Für die weitere Vermarktung befindet sich ein Web-Shop im Aufbau, der bis zum Sommer online gehen wird. Der Absatzschwerpunkt des Familienunternehmens liegt im Osten Österreichs. 

Der verheiratete Vater von zwei Kindern, Andreas Ellersdorfer (49), hätte beruflich auch einen anderen Weg einschlagen können. Nach der Matura sammelte er Berufserfahrungen als Bankkaufmann in der Firmenkundenbetreuung. Doch kurz vor seinem 40. Geburtstag wuchs in ihm der Wunsch nach Veränderung. Nach Gesprächen innerhalb der Familie übernahm er 2016, gemeinsam mit seinem Bruder Heinz, die Geschäftsführung und führt das Unternehmen seither in dritter Generation weiter.

Der Betrieb beschäftigt aktuell acht Mitarbeiter. Bei Neueinstellungen wird gezielt auf Erfahrung im Lebensmittelbereich geachtet. „Unser Team ist seit mehreren Jahren stabil. Hygiene und Fachwissen sind für uns Grundvoraussetzungen“, betont Ellersdorfer. In Spitzenzeiten werden bis zu 100 Kärntner Nudeln pro Minute produziert. Gefertigt wird am eigens entwickelten Produktionsband. Die Rezepturen und der Produktionsablauf sind ein Familiengeheimnis. 

„Wir arbeiten auf höchstem Niveau. Es sind möglichst wenige Hände im Spiel, denn wir tragen Verantwortung gegenüber unseren Kunden“, so Ellersdorfer. Die Nudelrezepturen wurden in den Anfängen immer wieder angepasst. Die letzte Anpassung liegt mittlerweile bereits 40 Jahre zurück.

Bei der Auswahl der Zutaten setzt das Unternehmen vorrangig auf regionale Lieferanten. „Eine Ausnahme bildet der Hartweizen, der in unserer Region nicht angebaut wird. Wir suchen dann Lieferanten innerhalb Österreichs, so bleibt die Wertschöpfung im Land“, erklärt der Unternehmer.

Zu den Plänen für die kommenden Jahre äußert sich Ellersdorfer zurückhaltend. Konkrete Details nennt er nicht. Man befinde sich jedoch in Gesprächen über mögliche Expansionen, ein Partner sei bereits gefunden und das Netzwerk wird derzeit aufgebaut. Ellersdorfer zeigt sich trotz zunehmender Konkurrenz relativ entspannt: „Mitbewerber kommen und gehen. Jeder Nudelproduzent spricht seine eigenen Kunden an“. Er setze auf ein faires Miteinander im Markt sowie auf ständige Weiterentwicklung des Betriebs.