Zur Vorgeschichte: Im Oktober 2021 hatte Gil Ofarim nach dem Aufenthalt in einem Leipziger Hotel in einem Video Antisemitismus-Vorwürfe gegen das Hotel erhoben. Der Musiker behauptete, ein Hotelmitarbeiter habe ihn aufgefordert, seine Kette mit Davidstern abzunehmen, damit er einchecken könne. Das Video ging viral. Ofarim erstattete Anzeige, aber auch der Hotelmanager zeigte Ofarim wegen Verleumdung an. Vor Gericht legte Ofarim, schließlich ein Geständnis ab und entschuldigte sich. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Musiker musste einen Geldbetrag von 10.000 Euro zahlen.

Ofarim im Interview mit „Stern“ und „RTL“

Nun meldet sich Ofarim zurück. Gegenüber RTL und „Stern“ reflektiert der Sohn des 2018 verstorbenen 60er-Jahre-Stars Abi Ofarim über sein Geständnis und die Zeit nach dem Prozess. Unter den Folgen seiner Lüge habe er sehr gelitten – Aussagen zum Hotelmitarbeiter, den er mit seiner Lüge öffentlich diskreditiert hatte, sucht man in dem dreiminütigen Insta-Video vergeblich.

Nach dem Prozess habe er acht Monate in einer Tagesklinik verbracht, an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten und Alkoholprobleme gehabt. Das Video, in dem er Hotel und Manager verunglimpft hatte und das er anschließend auf Instagram hochlud, bezeichnet er als „größten Fehler seines Lebens“. Und er überrascht mit einer Äußerung gegenüber RTL: Im Prozess hätten ihm seine Anwälte geraten, sich „nicht zu äußern, um sich nicht angreifbar zu machen“. Doch er habe nicht anders können: „Ich habe die Schuld auf mich genommen, um dem ein Ende zu setzen, ich war nicht mehr fähig, weiterzumachen. Weder mental noch… Es ging nicht mehr, ich konnte nicht mehr.“ Ob er die Schuld zu Recht oder zu Unrecht auf sich nahm, bleibt unklar.

Professionelle Hilfe gesucht

„In den letzten Monaten habe ich mir professionelle Hilfe gesucht und angefangen, an mir zu arbeiten. 25 Kilo leichter und ohne einen Tropfen Alkohol sieht man die Dinge viel klarer und schaut sich selber genauer an, auch wenn einem nicht immer gefällt, was man sieht. Aber so ist nun mal die Realität“, hatte er schon im November 2024 in einem Insta-Video seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Er wisse, dass es ein langer Weg werde, Vertrauen und Respekt wieder aufzubauen. „Ob mir das gelingt, weiß ich nicht. Aber ich möchte den Versuch unternehmen, euch und mein Leben wieder zurückzugewinnen“, sagte Ofarim. Jeder Mensch habe eine zweite Chance verdient. Ohne den Antisemitismus-Eklat konkret zu benennen, sprach er von einer ausufernden Debatte, die er durch sein Verhalten verursacht habe. „Dadurch habe ich viele Menschen enttäuscht und verletzt. Ich denke, alle wissen, wovon ich spreche.“

Ofarim wechselte Wohnort nach dem Skandal

Seinen Wohnort hatte der 41-Jährige nach dem Skandal von München in eine schwäbische Kleinstadt verlegt, weil er sich die Miete nicht mehr habe leisten können. Sein Name steht weder auf dem Klingelschild noch auf dem Briefkasten, schreibt das Magazin „Stern“. Und noch immer bekomme er Nachrichten von Menschen, die ihm den Tod wünschen, behauptet Ofarim.