Das Ringen um die Fertigstellung des Kastner-Dachs in der Unesco-Welterbe-Zone in der Grazer Innenstadt geht weiter. „Ja, das baupolizeiliche Verfahren ist immer noch im Laufen“, bestätigt Doris Jurschitsch, die Leiterin der Grazer Baubehörde. Nachsatz: „Und laufende Verfahren werde ich ganz sicher nicht kommentieren.“ Auch Kastner&Öhler-Vorstand Martin Wäg hält sich zurück: „Ich will das nicht kommentieren.“ Nachsatz: „Nur soviel: Wir wollen uns nicht aus der Verantwortung stehlen, können es aber in so schwierigen Zeiten einfach nicht umsetzen.“

„Wie lange sind schon diese ‚so schwierigen Zeiten‘?“

Das Dach des Traditionskaufhauses erhitzt nicht nur die Gemüter der Baubehörde, Stadtregierung und des K&Ö-Vorstandes, sondern auch unserer Userinnen und User im Kleine-Zeitung-Forum. Das ständige Hin und Her zwischen Fertigstellung und Baubehörde verärgert einige von ihnen, wie beispielsweise flyingwolf : „Wie lang sind schon diese ‚so schwierigen Zeiten‘? Gleiches Recht für alle! Dass man überhaupt diese monströse Dachlandschaft bauen durfte, ist schon ein Skandal per se!“

„Wie die ‚Faust aufs Aug‘ im ansonsten harmonischen Gefüge“

Doch nicht nur die Diskussionen um baubehördliche Vorgaben erhitzen die Gemüter, auch das Aussehen der extravaganten Dachlandschaften kommt bei vielen Foristen nicht gut an. Lodengrün findet: „Ich habe erst kürzlich vom Schloßberg auf die Dachlandschaft geblickt. Dieses Blech ist wie die ‚Faust aufs Aug‘ im ansonsten harmonischen Gefüge (...).“

sort_1 kann dem Dach optisch auch nichts abgewinnen: „Das soll ein Scherz sein, oder? Das Dach war nie so geplant und genehmigt. Der K&Ö weigert sich einfach, es planmäßig fertigzustellen. In der jetzigen Form ist es ein Schandfleck für Graz und seine Dachlandschaft.“

„Danke, dass es noch ein Kaufhaus wie Kastner in Graz gibt“

Es gibt aber nicht nur negative Meinungen zum Thema, sondern auch anerkennende Worte. Man solle froh sein, dass es ein solches Traditionskaufhaus wie den Kastner&Öhler in der Grazer Innenstadt noch gibt, meint aba: „Sind wir doch lieber froh und dankbar, dass Graz ein so tolles Kaufhaus hat.“ peter499 stimmt zu: „Das Theater um das Dach ist so was von überflüssig. Danke, dass es noch ein Kaufhaus wie Kastner in Graz gibt (...).“

propro hat sogar einen Lösungsvorschlag parat: „Ich verstehe die Aufregung nicht, wenn ein Kunsthaus und eine Murinsel nicht stören, warum sollte es dann ein so extravagantes Dach tun? Einfach als Kunstwerk definieren!“ Und auch landabader bietet konstruktive Vorschläge für die Misere an: „Die sollten Photovoltaik drauflegen, dann wäre es sinnvoll genutzt (...) und würde Geld bringen statt Kosten ...“

JohannAmbros hält überzeugt fest: „(...) Ich kaufe weiterhin beim Kastner&Öhler ein und ob das Dach grau, bronzen, rot, blau, schwarz gefärbt sein muss, ist sowas von unerheblich - Hauptsache, es ist dicht! (...)“

„Rahmenbedingungen für den Handel sichern“

Einen anderen Zugang zur Dach-Diskussion hat wiederum steinmhe: „Die Aufgabe einer Stadt ist (...), die Randbedingungen für den Handel zu sichern. Wenn man die Leute aus den Grazer Randbezirken und aus Graz-Umgebung, die mit dem Auto kommen wollen, durch Probleme bei der Zufahrt und hohe Parkgebühren vergrault, dann hat die Stadtregierung die Verantwortung (dafür) (...). Wenn das Großkaufhaus sperrt, dann werden auch alle anderen Geschäfte (...) die Innenstadt verlassen (...).“

Während GustavoGans versucht, den Dach-Umbau als wirtschaftlich positiv zu betrachten: „Wenn das Dach endlich gemacht wird, dann ist das Geld ja nicht weg. Es hat nur jemand anderer (z. B. die Dachdecker-Firma). Und das ist gut so. Das Geld muss kreisen, sonst geht die Wirtschaft zugrunde (...).“