Digitale Schmiede des Hasses“, 18. 2., Interview „Man muss sie nicht mehr rekrutieren“, 17. 2.

Kann Terror infolge Radikalisierung über Social Media etc. verhindert werden? Ich meine: Ja – nicht total, aber maßgeblich. Man muss es nur wollen. China ist in dieser Hinsicht kein Vorbild, aber es zeigt, dass unerwünschte Inhalte im Netz blitzartig unterdrückt werden können. Es sollten nicht die einzelnen Nutzer überwacht werden, sondern die digitalen Plattformen. Diese wehren sich, weil der Aufwand, Unerwünschtes zu entfernen, angeblich zu groß wäre. Aber es ist doch sicher ein Leichtes (und Kostengünstiges), dergleichen zu automatisieren. Man mag´s KI nennen oder nicht: Geeignete Software erkennt den Aufruf zu Gewalt im Bruchteil einer Sekunde und lässt das Gepostete gar nicht erst zu den Adressaten gelangen. Plattformen, die derartige Software nicht integrieren, sind zu sperren.

Eines noch: Das Recht auf freie Meinungsäußerung soll keineswegs eingeschränkt werden. Während Hass schwer zu definieren ist, (ist beispielsweise die Verwendung eines politisch nicht korrekten Wortes für die Bezeichnung eines Schwarzafrikaners nun bereits Hass oder nicht?), ist die Verherrlichung von Gewalt oder die Aufforderung dazu strafrechtlich eindeutig. Und ist daher aus dem Netz zu eliminieren.
Dr. Heiner Zechmann, Villach

Klarnamen einführen

„Kurznachrichtendienst X bleibt in Brasilien gesperrt“ berichteten die Medien im September 2024. Nach dem Villacher Attentat und vielen anderen diskutiert die Politik eine Überwachung der sozialen Medien. Warum nicht sperren, bis dort Registrierung mit Klarnamen eingeführt wird? Dann können Polizei und Verfassungsschützer diese Medien endlich überwachen! Der Straßenverkehr, der Luftverkehr, die internationale Seefahrt ist geregelt und gerichtlich klagbar. Und alle haben eindeutige Kennzeichen. Meinungsfreiheit gegen Verkehrsfreiheit?
Dr. Dieter Michael Schmidt, St. Kanzian

TikTod

Es ist fatal, wie die sozialen Medien, um des raschen Gewinnes willen, ihre Inhalte nicht kontrollieren oder moderieren. Als Sprungbrett irriger Meinungen, deren Verfasser und Leser durch Algorithmen in ihrer Wissensblase gehalten werden, sind sie ein taugliches Terrormittel geworden.

Gleichzeitig spricht der Verfassungsschutz von rund 120 Gefährdern in der Szene des Terrors. Warum weist man diese Personen nicht aus? Selbst wenn manche bereits straffällig wurden, können sie im Lande bleiben! Erliegt hier die Politik noch einem weiteren verhängnisvollen „Doppel-T“? Der tödlichen Toleranz …
Peter Umlauft, Villach

Gegen Überwachung?

Ich bin entsetzt, dass manche Medien das Gesicht des Attentäters zeigen. Das gleicht in diesen Kreisen einer Heroisierung. Ich glaube, dass diese Menschen sich freuen, wenn sie in den Medien gezeigt werden. Außerdem hätten die Medien den Namen des syrischen Essenszustellers, welcher den Attentäter angefahren hat, nicht veröffentlichen und noch weniger sein Gesicht zeigen dürfen. In dieser extremen islamistischen Community ist er ein „Verräter“.

Auch möchte ich Herrn Kickl fragen, wie er seinen Anhängern plausibel erklären kann, dass die FPÖ gegen eine Messenger-Überwachung ist. Jetzt bin ich noch zufriedener, dass er nicht Bundeskanzler wurde. Die ÖVP fordert dies schon lange.
Margret Pusnik, Eibiswald

Büchse der Pandora

Von allen im Parlament vertretenen Parteien erzielt die FPÖ in den sozialen Medien die größte Breitenwirkung. Laut den derzeit vorliegenden Informationen hat sich der Villacher Attentäter auf der Plattform TikTok mit ihren Algorithmen radikalisiert. Abgesehen von der Betroffenheit und Anteilnahme infolge der Schrecklichkeit der Tat – ist es nicht paradox, dass dieselben Medien, welche insbesondere  von rechtspopulistischen Parteien zur Verbreitung ihrer auch des Öfteren radikalen Ansichten genutzt werden, auch für die Radikalisierung ihrer Feindbilder, Migranten muslimischer Herkunft, mitverantwortlich sind? Die Büchse der Pandora hat sich für alle gleichermaßen geöffnet.
Dr. Peter Lang, Graz  

Triumph-Geste

Als erfahrener „Tatort“-Schauer weiß man, bei Verhaftung eines Verbrechers heißt es: auf die Knie, Hände in den Nacken, und dann werden beide Hände am Rücken mit Handschellen gefesselt. In Villach jedoch saß der Attentäter, der gerade einen 14-Jährigen getötet und vier andere verletzt hatte, grinsend in einer Ecke und zeigte seinen „Tauhid“-Finger. Davor stand schussbereit eine junge Beamtin, sichtbar unter Stress und zielte mit der Dienstpistole auf den Syrer. Warum hat man dem Verbrecher nicht gleich die Hände auf den Rücken gefesselt und ihm so Gelegenheit gegeben, das IS-Triumphzeichen, den Zeigefinger der rechten Hand in die Kamera zu halten? Dieses Bild wird sicher in der in einschlägigen Communities kursieren (TikTok, etc.), für viele als Anregung dienen und damit Nachahmungstäter motivieren.
Horst-Sigbert Walter, Leoben 

Aufgestachelt

Es ist erschreckend, dass diese Art von Gewalt nun auch Kärnten erreicht hat, und ich frage mich, was wohl die Ursache für solche Taten sein mag. Vielleicht sollte man im Fernsehen noch mehr Filme und Krimis mit einem sogenannten islamistischen Hintergrund zeigen (Vorsicht, Sarkasmus!), damit Jugendliche und junge Erwachsene, egal aus welchem Teil der Welt, die ohnehin von Gewaltspielen und Fake News in diversen sozialen Medien immer mehr aufgestachelt und radikalisiert werden, sich auch noch bestätigt fühlen, anderen Menschen, in diesem Fall einem 14-Jährigen, das Leben zu nehmen.

Zumindest können dann wieder Heerscharen von Psychologen und sogenannten Experten uns doch so einfältigen Menschen erklären, meist mit einer unübersehbaren Zahl von Fachbegriffen und Fremdwörtern, woran die zunehmende Gewaltbereitschaft liegt. Dann können wir uns ja wieder gemütlich in den Fernsehsessel fallen lassen und uns „Tatort“ ansehen und in den Werbepausen darüber sinnieren, warum die USA Trump, die Deutschen AfD und viele Österreicher FPÖ wählen. 
Gerhard Thaler, Lieserbrücke

Damals und heute

Wenn ich die Nachrichten so verfolge oder die Zeitung lese, kommt mir in den Sinn: Als Nachkriegskinder und auch später waren wir eigentlich „arm“ – und doch so unwahrscheinlich reich! Wir hatten sehr viel weniger zu essen, zum Spielen usw., keinen Überfluss wie heute. Aber: Wir konnten uns so viel freier und unbeschwerter bewegen. Überall! Wir waren frei im Kopf und im Herzen von so vielem ...  
Christa Mikl, Klagenfurt