Leserbriefe zu „Zum Teil schlimmer als Ortstafelsturm“, 4. 8., „Der Peršmanhof steht mitten in Kärnten“ und „Briefe zur Zeit“, 2. 8.
Das jüngste unerfreuliche Geschehen an der Gedenkstätte Peršmanhof lässt nicht nur alle Beteiligten, sondern auch viele Kärntner Landsleute erkennen, wie zart das Pflänzchen des friedlichen Zusammenlebens der Volksgruppen ist. Dieses mit Toleranz und beidseitiger Wertschätzung aufmerksam zu pflegen, damit, wie es der Autor Hubert Patterer betont, lauernden Zündlern die Lunte nimmt und den Spuk von gestern nicht wieder aufleben lässt, muss ein ernstes Anliegen sein. Gerald Meir, Krumpendorf
Polemisch
Eigentlich wollte ich mich zu dieser Angelegenheit öffentlich nicht äußern, weil ich davon überzeugt war, dass dieser Vorfall sowohl zum Nachteil für unsere Polizei, als auch zum Schüren einer negativen Stimmung in unserem Heimatland missbraucht werden kann. Meine diesbezüglichen Bedenken wurden leider nicht nur bestätigt, sondern sogar noch übertroffen! Anstatt abzuwarten, was faktenbasierte Untersuchungen zur Ursachenfindung beitragen würden, haben alle politischen Parteien durch ihre Sprecher unverzüglich ihre jeweils parteikonforme Meinung zum Vorfall kundgetan.
Damit aber noch nicht genug! Alle ortsüblichen Medien, wie Fernsehen, Radio und Zeitungen, aber leider auch alle digitalen Medien haben, anstatt zu kalmieren, durch oftmals überzogene, weil unbewiesene Kritik, die ungute Stimmung im Land sogar noch verstärkt. Besonders ausgezeichnet hat sich in diesem Zusammenhang auch Sloweniens Botschafter Aleksander Geržina mit seinen undiplomatisch empörenden Aussagen.
Unbestritten ist, der Peršmanhof ist ein ganz wichtiger Gedenkort im Zusammenhang mit Nazigräueltaten. Aber nicht nur für unsere Kärntner Slowenen, sondern ganz sicher für alle Kärntner, die Zeitgeschichte nicht nur gelernt, sondern auch verstanden haben. Daher ist es für mich untragbar, dass die Teilnehmer eines ernstgemeinten Geschichteseminars an diesem denkwürdigen Ort, mit einem großflächigen Plakat, welches Kärntner Heimatliebe auf das Gröbste verunglimpft, einverstanden sind.
Weder unsere Landes- noch die Bundesregierung haben sich dazu oder gar zu den provokant polemischen Worten des slowenischen Botschafters entsprechend geäußert, schade! Günter Polajnar, Villach
Vermisst
Gesucht wird der „Engel des Vergessens“. Er wurde 2011 in Klagenfurt bei der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises an Maja Haderlap das letzte Mal gesehen. Er trägt ein Zeitdokument mit sich, das die grausame Ermordung von 11 Angehörigen der Familien Sadovnik und Kogoj, darunter sieben Kinder, eines erst ein Jahr alt, am 25. April 1945, wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges, durch etwa 70 SS-Schergen, am Peršmanhof beschreibt.
Alle LeserInnen werden dringlich gebeten, sich an der Suche nach diesem Zeitdokument zu beteiligen. Als Finderlohn ist die Teilnahme an den Bildungsveranstaltungen und an einer Führung am Peršmanhof ausgesetzt. Für etwaige Ausweiskontrollen, Hubschrauber- und Hundestaffeleinsätze und sonstige Übergriffe kann keine Haftung übernommen werden. Es ist bereits ein erster sachdienlicher Hinweis eingegangen: In den blauen Niederungen muss nicht gesucht werden. Dort wurde der „Engel des Vergessens“ schon längst vergessen.
Mag. Elisabeth Schilcher, Graz
Inszenierung?
Maja Haderlap beklagt in ihrem Beitrag eine „strategische Eskalation“ und beschwört gar die Instrumentalisierung historischer Wunden herauf. Doch wer genau betreibt hier eigentlich politische Inszenierung? Wer gießt Öl ins Feuer, wenn nicht jene, die aus einem Polizeieinsatz sogleich einen Angriff auf die Demokratie, die Kärntner Slowenen und das antifaschistische Gedenken machen?
Dass der Peršmanhof ein symbolisch aufgeladener Ort ist, bestreitet niemand. Aber genau deshalb ist auch ein Mindestmaß an Transparenz, Legalität und politischer Hygiene erforderlich. Ein Antifa-Camp mit zweifelhafter rechtlicher Grundlage auf einem Gedenkort, das ist nicht mutiger Widerstand, sondern schlicht verantwortungslos.
Man kann nicht einerseits den Staat als Schutzmacht gegen Rechtsextreme einfordern und ihn andererseits verteufeln, sobald er gegen die eigenen Reihen auftritt. Und nein, das hat nichts mit „staatlicher Repression“ zu tun, sondern mit der schlichten Tatsache, dass der Rechtsstaat keine ideologischen Lieblinge kennt.
Haderlap fordert eine Bedenkpause. Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, innezuhalten, und sich zu fragen, warum man bei jeder Kritik an linken Aktionen sofort die große Geschichtskeule schwingt. Das Peršmanhof-Gedenken verdient Respekt. Aber es verdient auch Ehrlichkeit. Und die beginnt damit, dass man Geschichte nicht zur politischen Schutzzone für das eigene Lager erklärt. Marko Thaler, Sekirn
Demokratieverständnis
Eine Polizei, die Angst und Schrecken verbreitet, statt Sicherheit und Vertrauen? Ich frage mich ernsthaft: Was ist aus den antifaschistischen und demokratischen Werten geworden, die nach den Schrecken der NS-Zeit eigentlich zur DNA unserer Polizei gehören sollten? Das vorherrschende Demokratieverständnis in der Exekutive muss dringend hinterfragt werden. Hier besteht dringender Schulungs- und Handlungsbedarf – nicht nur in Sachen Sensibilität, sondern auch hinsichtlich des Selbstverständnisses der Polizei und der Werte, die sie eigentlich vertreten sollte. MMag. Gerhard Ainz, Salzburg
Komplexe Geschichte
Dass vor dem Massaker der Peršmanhof ein bedeutender Stützpunkt der Partisanen, bestehend aus Deserteuren, Kärntner Slowenen und Jugoslawen war, von dem aus nicht nur die Nazis, sondern ganz massiv auch die deutsch- und windischsprechende Bevölkerung Südkärntens terrorisiert und bekämpft wurde, wird gerne verschwiegen. Ebenso, dass Partisanen unzählige deutsche und windische Kärntner nach Jugoslawien verschleppt und dort grausamst ermordet und umgebracht haben. Die Angehörigen der Verschleppten wissen bis heute nicht, wohin die Eltern, Väter, Mütter und Kinder verschleppt wurden und welches grausame Schicksal sie ertragen mussten. Friedrich Hössl, Völkermarkt