Leserbriefe zu „Aufregung nach Israel-Sager von JJ“, 23. 5.
Das hat JJ notwendig gehabt. Er verwechselt Äpfel mit Birnen. Zu Recht verurteilt er Russland! Dieses hat die Ukraine grundlos überfallen und will sich Teile dieses Landes einverleiben! Tausende Tote klagen an. Und die Ukraine wehrt sich seit vielen Monaten heroisch. Zu Unrecht verurteilt er Israel! Mordkommandos der Hamas haben ein friedliches Musikfestival in Israel ohne Grund und Vorwarnung überfallen, über 1000 Teilnehmer massakriert und Hunderte Geiseln genommen. Israel muss sich wie die Ukraine wehren und versuchen, seine Bürger zu befreien! Die Hamas versteckt sich hinter Zivilisten und setzt bis heute ihre Angriffe fort. Das sind Tatsachen. Die israelische Sängerin und Songcontest-Teilnehmerin Yuval Raphael ist eine der Überlebenden der Terroranschläge vom 7. Oktober 2023 und hatte die Kraft, beim Song Contest aufzutreten. Bewundernswert!
JJ soll singen und sich nicht unwissend in die Weltpolitik einbringen. Harte Realität und Gefühle sind zu trennen, wenn man es schafft und das nötige Wissen hat! Dr. Erich Lindner, Pubersdorf
Mahnende Stimmen
Der Song-Contest Gewinner JJ hat angesichts der Vorgehensweise der Israelis in Gaza gemeint, man sollte sie (wie Russland) in naher Zukunft vom ESC ausschließen. Nun, ich würde diesbezüglich Israel nicht mit Russland vergleichen, da war die Ausgangslage eine andere! Israel hatte durchaus die Legitimation auf Vergeltung für diesen mörderischen Angriff der Hamas-Schergen, aber, was dann folgte, kann man kritisieren. Circa 60.000 Zivilisten (darunter viele Kinder und Frauen) wurden getötet, Gaza durch Dauerbombardements total zerstört und praktisch unbewohnbar gemacht, medizinische Versorgung wurde/wird nicht gewährt, und schon seit Monaten werden keine Lebensmittel-Hilfsleistungen mehr zugelassen, was zunehmend für viele dort den Hungertod bedeutet.
Dies alles und auch die offene Absicht, die Palästinenser dort auf immer zu vertreiben, widerspricht sämtlichen internationalen Abkommen und Chartas. Und nicht nur die UNO, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen und andere Hilfsorganisationen erheben mahnend die Stimme, auch zunehmend europäische Spitzenpolitiker! Manfred Waldner, Fulpmes
Geografie
Für mich geht es in der Frage der Teilnahme nicht um Krieg oder Antisemitismus, sondern um Geografie: Auch Israel liegt nicht in Europa. Es könnte ein Ansatz für Sparmaßnahmen sein, alle Länder, die geografisch nicht zu Europa gehören, nicht mehr zum „Europäischen“ Song Contest einzuladen. Helmut Hofbauer, Gratwein-Straßengel
In der Ecke
Vor Kurzem wurde JJ von der Politik gefeiert. Jetzt, da er seine persönliche Meinung zur Lage im Nahen Osten geäußert hat, wird er kritisiert und diffamiert. Dabei hat er lediglich das ausgesprochen, was viele Menschen empfinden. Die dramatischen Geschehnisse in Gaza, wo unschuldige Kinder, ältere Menschen, ganze Familien getötet werden, sind erschütternd. Jedes Leben ist gleich viel wert – auf beiden Seiten. Es darf kein Tabu sein, das Vorgehen Israels kritisch zu hinterfragen, wenn dabei massive zivile Opfer zu beklagen sind. Kritik an einem Staat ist nicht gleichzusetzen mit Hass gegen ein Volk.
Wer das nicht aussprechen darf, ohne in eine Ecke gestellt zu werden, muss sich fragen, wie es um die Meinungsfreiheit in unserem Land steht. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man immer Zustimmung erhält. Sie bedeutet, dass man seine Meinung äußern darf, ohne Angst vor öffentlicher Ächtung oder politischem Druck haben zu müssen. Ernst Pitlik, Wien
Stimmwunder
Unabhängig vom Wirbel um den ESC-Gewinner interessiert mich, wie es möglich ist, dass so ein Stimmwunder erst durch ein internationales Großereignis im eigenen Land Aufmerksamkeit erlangt. Experten sagen, diese Stimmlage ist ein Heiligtum des musikalischen Ausdrucks. Jetzt hat er damit Europa „verzaubert“. Durchaus an Kunst und Kultur interessiert, bin ich vielleicht nur ein mittelmäßiger Medienkonsument. Dennoch frage ich mich, wo war der Musik-/Kulturjournalismus vor dem ESC 2025? Jedenfalls ist es peinlich, wenn plötzlich unter Politikern die Selfiezeit ausbricht, und es ist ein Armutszeugnis der heimischen Medienwelt, die zum Ausdruck bringt, nur zur Förderung der Kleingeistigkeit bestimmt zu sein. Peter Baumgartner, St. Veit