Themenschwerpunkt: „80 Jahre Kriegsende“
Die Zweite Republik begann mit äußerst anstrengenden Wiederaufbauarbeiten, in Armut, ohne Vergangenheitsbewältigung. Das Wirtschaftswunder nahm Fahrt auf und ließ Parteibuchwirtschaft, Privilegien und ein ineffizientes Österreich groß werden und blühen. Transparenz ist bis heute in Österreich ein Fremdwort geblieben. Im Land der Seligen konnte mit Steuergeldern Schindluder getrieben werden.
Jetzt ist Zahltag für die vielen Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte. Gegenwärtig lehnen circa 30 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher den Staat in seiner jetzigen Form ab, weil er nicht alle Wünsche nach Wohlstand und „Gerechtigkeit“ sofort erfüllen kann. Politikerinnen und Politiker stehen mit dem Rücken zur FPÖ. Viele Wählerinnen und Wähler ähneln InfluencerInnen, die sozialen Medien machen aus jedem einen Möchtegern-Bundeskanzler, wenn wir es zulassen.
Der Größenwahn der populistischen Führer zieht weltweit eine Wählermehrheit an, da will Österreich nicht nachstehen. Verhandeln wird immer mehr einem schnellen, diktatorischen Denken geopfert. Simple Versprechen eines leichteren, „gerechteren“ Lebens, auf Kosten anderer, lassen scheinbar alles in Kauf nehmen. Das könnte nicht nur Österreich teuer zu stehen kommen. Österreich ist schön, und es muss lebenswert bleiben!
Egon Hofer, Maria Saal
Gestern lässt grüßen
1955. Die letzten Überlebenden des Krieges kehren zurück, kaum wiederzuerkennen, so sehr hat das Leid sie entstellt. Man hört die Worte: „Nie wieder Krieg!“. Und so ist es für viele Jahre geblieben. Die Kriege aber hörten nicht auf, sie wurden nur in weiter Entfernung weitergeführt. Über die Jahre sind die Schlachtfelder nähergerückt, bis sie wieder in Europa angekommen waren (Balkan). Und nun sagt man, der Krieg findet vor unserer Haustür statt und wir müssen mitmachen! Noch schlimmer ist, dass der Wunsch nach Frieden als Schwäche und Dummheit bezeichnet wird, von Menschen, die ihre eigenen Kinder niemals in einem Krieg opfern würden, aber den Nachbarn überzeugen wollen, dass es für die Verteidigung „ihrer“ Demokratie Pflicht sei.
Die Feiglinge und Profiteure des Krieges, die immer mehr Waffen und den erneuten Angriff fordern und offenbar vergessen haben, was ihre Väter am Bahnhof bei ihrer Ankunft ausgesprochen haben, sind auf dem Vormarsch. Zu ihrer Verteidigung: Die meisten haben das nun „verwerfliche Privileg“ genossen, dass es uns zu gut gegangen ist in der Zeit des Friedens und wir nur vergessen hatten, dass Kriege eine wiederkehrende Notwendigkeit unserer Zivilisation sind. Danke. Gestern lässt grüßen! Es gibt jedoch kein: „Wir haben es nicht besser gewusst.“ Dieses Mal ist es anders und wir werden nicht vergessen.
Robert Jesse, Villach
Emotionale Intelligenz
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lagen große Teile Europas in Schutt und Asche. Deutschland war daher in den Siebzigerjahren noch begeistert von der Idee des Friedens, Bruno Kreisky und der damalige deutsche Kanzler beschlossen, Fabriken, die Kriegsmaterial erzeugten, zu schließen.
Deutschland ist heute der viertgrößte Waffenproduzent weltweit. Im Fernsehen konnte man kürzlich die neueste Errungenschaft deutscher Waffenproduktion bestaunen: bewaffnete Drohnenschwärme, die von Computerspezialisten in geschlossenen Räumen oder von KI gelenkt werden. Sich so einen Krieg vorzustellen, fällt ganz leicht – schauen wir nur in die Ukraine. Aber die ist ja ganz weit weg, meinen wir ... Wo ist jemand, der den Menschen klarmacht, dass nur emotionale Intelligenz dieses Europa vielleicht wird retten können?
Friedrich Weixler, Voitsberg
ORF-Schwerpunkt
Es ist gut, dass an dieses Thema gedacht wird. Nur ist die späte Sendezeit schlecht gewählt. Es würden sich sicher gerne auch viele ältere Menschen die Dokumentation „80 Jahre Kriegsende“ zur Erinnerung anschauen. Auch für die jüngere Generation wäre es wichtig, zu sehen, was da alles passiert ist. Solche Sendungen müssten früher ausgestrahlt werden.
Inge Eiselt, Klagenfurt
An die Jugend
„Einen Hitlergruß zu zeigen ist keine Bagatelle“, 4. 5.
Die Diskussion geht mir nicht weit genug. Der Hitlergruß wird für sich allein nach § 3g VerbotsG 1947 unter Strafe gestellt! Schlimm genug, dass bis heute so manche alte „Ewiggestrige“ der „guten alten Zeit“ nachhängen; doch junge Erwachsene? Wo bitte seid ihr auf dem Weg zum Erwachsenwerden falsch abgebogen, frage ich euch? Frust auf alles und jeden, Orientierungslosigkeit, Alkohol, Drogen, schwierige politische und wirtschaftliche Zeiten, der Arbeitsmarkt ist heute gewiss herausfordernder als vor Jahrzehnten, alles nicht einfach, aber ihr habt doch keinerlei Verbindung zur NS-Zeit.
Ich selbst bin 30 Jahre nach Kriegsende geboren und hätte damals aufgrund meiner Körperbehinderung als „unwertes Leben“ gegolten – mit entsprechenden Konsequenzen! Mit meinem Großvater konnte ich über alles reden – nur nicht, und niemals, über den Krieg: Über vieles, was dieser Mann miterleben musste, konnte er niemals wieder sprechen – zu schlimm waren seine Erinnerungen. Wir, die wir nach dieser Zeit geboren sind, haben keine Ahnung, was es bedeutet, wirklichen Hunger zu leiden, und da meine ich nicht die kurze Zeit, bis wir den Burger- oder Döner-Laden erreicht haben, in der uns doch so der Magen knurrt. Gewiss ist ein Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen kein Fehler, um zu verstehen, wie wichtig es ist, „Niemals wieder!“ solch dunkle Zeiten zu bekommen. Liebe junge Leute: Nach einem Besuch dort werdet ihr euch mehrmals überlegen, den Hitlergruß zu zeigen.
Ivo-Ferdinand Kaier, Klagenfurt