Leserbriefe zu „Wer mehr verdient, soll länger arbeiten“ und Leitartikel: „Das gallische Pensionsdorf“, 12. 3.

Dass sich es mit den Pensionen nicht mehr ausgeht in Österreich, ist mir vollkommen bewusst. Einer der Hauptgründe ist ja, dass zu viele aus den Töpfen rausnehmen, aber nichts einbezahlt haben. Mich persönlich trifft die neue „Idee“ der Neos besonders. Mein Plan war, nächstes Jahr nach knapp 47 Jahren Arbeit (davon 15 Jahre Nachtschichtschwerarbeit) mit 62 Jahren in die Korridorpension zu gehen. Jetzt darf ich mit erst 63 Jahren und 48 Jahren mit Abschlägen zu Hause bleiben. Man sieht wieder, wie unüberlegt das System ist.

Und zur Anmerkung, dass die Pflege nun auch in die Hacklerregelung fällt: Hat noch keiner überlegt, wie alt die Frauen werden müssen, um 540 Versicherungsmonate zu erreichen (teilweise mit Umschulungen, Kinderbetreuung fehlen schon einige Jahre)? Ein Schichtmeister, der mehr als belastet ist, soll auch mindestens 47 Jahre arbeiten. Vielleicht wäre es einmal an der Zeit, dass Politiker sich einmal einen Monat auf gewisse Arbeitsplätze stellen. Bei den seltenen Betriebsbesuchen wird ja nur für die Presse alles ins rechte Licht gerückt ...

Wir, die „Babyboomer“, sollen nun weiter in den sauren Apfel beißen. Jene, die mit 15 eine Lehre begonnen haben (wo es ja kaum Arbeit gab) mussten sich alles gefallen lassen und wurden nur ausgenommen. Wir mussten für die „Alten“ mitarbeiten und durften nichts sagen. Heute dürfen wir für die „Jungen“ mitarbeiten, weil die nicht so belastbar sind und viele schon Erkrankungen haben (psychische Belastung, Übergewicht). Die Neos reden immer nur von den Kindern und Enkelkindern: Was ist mit unserer Generation? Hauptsache, die Regierungsbank platzt aus allen Nähten. Eigentlich wären 45 Jahre arbeiten genug: Wenn ALLE ihren Beitrag leisten würden. Peter Spannring, Bruck

Wer nie einzahlt

Bei dieser Berechnung wird übersehen, dass jene, welche besser verdient haben, meistens mehr gearbeitet haben und verantwortungsvollere Posten hatten. Man müsste nur Personen von jenen, die nie ins System eingezahlt haben, herausnehmen. Hans Alois Glanz, Knittelfeld

Ironische Betrachtung

Ich wünsche mir, dass alle Vollzeitbeschäftigten und Besserverdiener bis zum Lebensende arbeiten sollten. Die Regierung würde dann Milliarden an Pensionen sparen und es könnten alle Arbeitslosen, Politiker, Asylanten und Auslandsspenden finanziert werden. Ich bin 55 Jahre alt und arbeite seit 40 Jahren Vollzeit, mit viel Glück könnte ich noch 40 Jahre arbeiten und mindestens 55 Prozent Steuern zahlen, da Vollzeitbeschäftigte ja bestimmt viel weniger Stress haben und über weniger Freizeit verfügen als Arbeitslose und Teilzeitbeschäftigte und dadurch auch weniger Erholung brauchen. Also mit voller Kraft auf diese Wenigen! Wir in Österreich machen alles nach, was andere Länder zur Verschlechterung machen, aber wenn andere Länder etwas besser machen, wird es mit Sicherheit nicht übernommen. Andreas Till, Kammern

Aktives Arbeiten

Man sollte endlich schauen, dass Arbeitnehmer zunächst einmal das reguläre Pensionsalter aktiv erreichen! Leider gibt es viel zu viele, die sich Jahre zuvor von einem Krankenstand zum nächsten hanteln. Evelin Obal, Graz

Zurückhaltung

Die Diskussion um Pensionskürzungen oder einen späteren Pensionsantritt könnte schnell beendet sein, wenn der Pensionsantritt nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge ermöglicht würde. Damit könnte jeder selbst entscheiden, wann er in Pension geht. Für viele Entscheidungsträger, die über das Pensionssystem bestimmen und oft lange auf Staatskosten studiert haben, würde das jedoch bedeuten, bis 70 oder noch länger arbeiten zu müssen – abhängig davon, wann sie ins Berufsleben eingetreten sind. Dass dies offenbar nicht gewollt ist, zeigt die bisherige Zurückhaltung gegenüber dieser Lösung. Siegfried Lamprecht, Leitersdorf