Einblick in die Welt der PilzeWas Schwammerlsucher beachten sollten

Einblicke in die faszinierende Welt der Pilze: Warum sie genauso wichtig wie Tiere und Pflanzen sind, welche Aufgaben sie in Ökosystemen erfüllen und nützliches Basiswissen für Schwammerlsucher.

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Startschuss in die Pilzsaison
Startschuss in die Pilzsaison © ohenze - stock.adobe.com
 

Es ist eine andere Welt, in die man eintritt, wenn man den Wald betritt: der Geruch von Baum, Laub und Moos, gedämpftes Licht, das durch die Baumkronen bricht. Das alles könnte man wahrnehmen, wenn man den Blick nicht fieberhaft suchend auf den Boden richten würde. Schwammerlsucher sind eine spezielle Spezies in einem Habitat, das ohnehin nicht arm an Vielfalt ist. Die Suche nach Speisepilzen macht uns zum Jäger, aber auch zum Gejagten, denn die Konkurrenz, die schläft nicht – im doppelten Sinn, denn der frühe Vogel fängt auch hier bekanntlich den Wurm. Wäre man nur auf Pilzschau, dann könnte man es gelassener angehen, denn Pilze sind uns eigentlich immer einen Schritt voraus.

Auch wenn wir sie nicht sehen, denn ihre nahezu unsichtbaren Sporen sind eigentlich überall: „Die Welt der Pilze ist ausgesprochen umfangreich. Es ist eine enorme Vielfalt, die sich meist den Waldbesuchern nicht zeigt“, so Gernot Friebes, Pilzexperte im Universalmuseum Joanneum. Der Pilz ist der Inbegriff eines Early Adopters, anpassungsfähig bis in die unwirtlichsten Gegenden dieser Welt: von der Wüste bis zum Meer, im Salzwasser, im Süßwasser und auch in den alpinen Regionen. Kein Wunder, dass sie neben den Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich bilden, erklärt der Experte: „Sie unterscheiden sich von den Pflanzen dadurch, dass sie heterotrophe Organismen sind. Das heißt, dass sie auf organische Verbindungen angewiesen sind, die bereits in der Natur vorhanden sind.“



Auch wenn sie sich sozusagen im Stillen beschäftigen, ist ihre Funktion in Ökosystemen gewaltig. Drei große Gruppen stechen dabei heraus, gibt Gernot Friebes einen Einblick: „Es gibt die symbiontisch lebenden Arten wie die Mykorrhiza-Pilze. Gerade diese Pilze haben in den heimischen Wäldern eine unglaublich große Bedeutung, weil sie mit den Pflanzen in Symbiose leben, von der beide profitieren.“ Zu diesen Pilzen gehören unter anderem die Steinpilze, Trüffel, aber auch die Fliegenpilze. Noch zwei weitere Eigenschaften sind unverzichtbar: Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Zersetzung von totem organischen Material, das sich sonst schnell in den Wäldern stapeln würde. Nicht zu vergessen die parasitären Pilze, auch sie sind unverzichtbar, mahnt der Experte ein: „Sie befallen geschwächte Bäume oder dergleichen und sorgen dafür, dass Platz für Jungwuchs entsteht.“

Pilze sammeln: Essbar oder nicht?

Essbar oder nicht?

In der Wiese können Herrenpilze auch einmal so aussehen. Der Morgentau lässt die Hüte glänzen, das ist bei einigen Vertretern der Röhrlinge - wie beim Butterpilz - immer so. Herrenpilzhüte glänzen normalerweise nicht.

(c) Ramona Heim - stock.adobe.com (Ramona Heim)

Fabelhaft

So kennt man ihn: Der Gemeine Steinpilz oder Herrenpilz geht gern Symbiosen mit Fichten ein, deshalb wird er auch Fichten-Steinpilz genannt. Um das Myzel zu erhalten, vorsichtig herausdrehen oder abschneiden.

(c) Eileen Kumpf - stock.adobe.com

Häufig verwechselt

Schaut aus wie ein Steinpilz, ist aber ein Maronenröhrling (oder: Braunkappe) - ein beliebter Speisepilz. Das sicherste Erkennungsmerkmal: Drückt man gegen die Röhren auf der Hutunterseite verfärben sie sich blau.

(c) Eileen Kumpf - stock.adobe.com

Schuppig

Am Stiel erkennt man den schmackhaften Birkenpilz - er gleicht seiner Namensgeberin, der Birke und ist geschuppt. Verwechseln kann man ihn mitunter mit den ebenfalls essbaren Rotkappen.

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Bitter

Der Hut des Gallenröhrlings sieht manchmal dem von Steinpilzen zum Verwechseln ähnlich. Allerdings merkt man beim ersten Bissen, ob man einen erwischt hat - er schmeckt, wie der Name schon sagt, extrem bitter.

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Ist der "echt"?

Schaut von oben aus wie ein Steinpilz oder ein Birkenpilz, ist aber eine Rotkappe. In dem Fall wäre die Verwechslung nicht schlimm, Rotkappen sind beliebte und mittlerweile rare Speisepilze.

(c) lebrac - stock.adobe.com

Rotfuß

Nur wenn der giftige Satanspilz seinen oft haarigen Kopf aus der Erde steckt, kann man ihn noch mit dem Herrenpilz verwechseln, denn der Stiel ist rot. Das Fleisch wird an der Luft blau.

(c) Lena Balk - stock.adobe.com

Glänzend

Der Hut des Butterpilzes glänzt, deshalb ist eine Verwechslung mit Steinpilzen kaum möglich. Er wächst oft in der Nähe von Kiefern und ist essbar, allerdings sollte man die Huthaut abziehen und entsorgen (Vorsicht: sie färbt!).

(c) traveldia - stock.adobe.com (H.Arndt)

Wunderbar

Jetzt zu den Lamellenpilzen: Der Parasol ist wohl einer der besten Speisepilze, die die Natur je hervorgebracht hat. Schade nur, dass man vor allem die jungen Pilze mit ein paar der giftigsten Vertreter verwechseln kann.

(c) physyk - stock.adobe.com (Ljubomir Trigubishyn)

Ähnlichkeit

Wird oft irrtümlich für genießbar gehalten: der giftige Knollenblätterpilz unterscheidet sich vom köstlichen Parasol durch ein paar überprüfbare Merkmale. Wer sich allerdings nicht sicher ist: Finger weg!

(c) Siegfried Schnepf - stock.adobe.com

Vorsicht!

Schön, aber giftig: Der Pantherpilz sieht aus wie ein Fliegenpilz, nur mit braunem Hut. Junge Pilze tragen den Hut geschlossen und schauen dem Parasol ähnlich. Deshalb lieber Pilze mit geschlossenen Kappen stehen lassen!

(c) Dr. N. Lange - stock.adobe.com

Essbar

Wird das Fleisch des essbaren Perlpilzes angeschnitten, verfärbt es sich rötlich. Er sieht leider oft dem äußerst gilftigen Pantherpilz zum Verwechseln ähnlich.

(c) Torsten Märtke - stock.adobe.com
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Apropos Jungwuchs, wie sich das heurige Pilzjahr noch entwickeln wird, ist vor allem eine Frage des Wetters. Die bisherige Ernte war durchwachsen. Ein kühles Frühjahr, danach lange Trocken- und Hitzeperioden und windige Phasen, die die Wälder austrocknen. Keine allzu guten Voraussetzungen: „Pilze brauchen Feuchtigkeit.“ Deshalb rät Gernot Friebes Schwammerlsuchern auch dazu, sich Niederschlagskarten anzuschauen: „Denn wenn man in den Wald geht und alles ist staubtrocken, dann ist die Chance, dass man Speisepilze oder andere Pilze findet, sehr gering.“ Genauso kann man aber mit Niederschlagskarten gute Hotspots ausmachen. Hat es einmal geregnet, ist aber Geduld gefragt, denn von heute auf morgen wächst kein Pilz, ein bis zwei Wochen sollte man dann einplanen.

Stellt sich die Frage: Nadelwald, Laubwald oder Mischwald? „In den meisten Waldtypen sind bei uns Speisepilze zu finden. Wichtig ist es, auf die Bodenbeschaffenheit zu achten“, erläutert Friebes. Böden, die stark mit Gräsern und krautigen Pflanzen verwachsen seien, würden auf forstliche Eingriffe hindeuten. Hier sinken die Chancen, Pilze zu finden, wohingegen die Chancen in jenen geschlossenen Wäldern steigen würden, die über schöne Moosschichten verfügen. Und zu finden gibt es in Österreich genug: Rund 5000 höhere Pilze gibt es, wovon 200 bis 300 als essbar gelten. Doch aufgepasst, 20 Arten – darunter der Knollenblätterpilz und der Orangefuchsige Schleierling – werden als wirklich giftig eingestuft. Schwammerlsucher sollten hier Vorsicht walten lassen, warnt der Pilzexperte eindringlich: „Wenn man Speisepilze sammeln möchte, dann sollte man auch wirklich nur jene sammeln, die man auch ganz sicher kennt. Und im Idealfall kennt man auch die Doppelgänger sehr gut, damit es da nicht zu Verwechslungen kommt.“

Dann noch zur ewigen Streitfrage: Dreht man Pilze heraus oder schneidet man sie ab? „Dem Pilz ist das egal. Kennt man ihn nicht, sollte man ihn nie abschneiden, weil unten am Stiel wichtige Merkmale zur Pilzbestimmung zu finden sind.“ Grundsätzlich gilt aber: Dreht man etwa einen großen Steinpilz heraus, sollte man das Loch zudecken. Noch etwas sollten Waldbesucher beherzigen: Pilze, die man nicht braucht, sollte man nicht ausreißen. „Auch wenn sie für den Menschen nicht genießbar sind, erfüllen sie wichtige Funktionen für den Wald, Insekten und Tiere.“

Kommentare (3)
Politisch_Unkorrekter
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3
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Ach, es gibt in Kärnten noch Grundbesitzer

die noch nicht auf jeden 2. Baum ein Drohschild ("Pilze und Beerensammeln verboten! Bei Missachtung Besitzstörungsklage!") genagelt haben?

SoundofThunder
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🤔

Wenn die Leute ihren gesamten Kofferraum mit Pilzen füllen ist das mehr als nur für den Eigenbedarf (Die verkaufen die Pilze weiter). Und ihren Müll hinterlassen. Die beim Pilzesuchen rauchen und den 🚬 einfach liegen lassen,ihre Plastikflaschen achtlos wegwerfen,ihre Jausensackerl liegen lassen. Die Pilzesammler haben schon eine Mitschuld daran dass die Grundbesitzer auf die Barrikaden steigen.

griesbocha
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Der Artikel ist toll, die wichtigste Information aber konnte ich nicht finden.

Vermutlich wurde sie auch einfach vorausgesetzt, bin aber sicher, es wissen nicht alle

Der sichtbare "Pilz" ist nur der Fruchtkörper und dient der Verbreitung der Sporen zum Zwecke der Vermehrung.
Der eigentliche Pilz sitzt weitverzweigt im Boden und bildet ein Pilzmycel, das man sich wie ein Netz aus vielen dünnen Fäden vorstellen kann...