Das Bild, das man von Jordanien hat, ziert fast jeden Reiseführer zum Land: Petra, die „rosarote Stadt, halb so alt wie die Zeit“, wie es ein Dichter einst formulierte. Und Petra allein wäre tatsächlich schon Grund genug, Jordanien zu bereisen - wäre da nicht noch ein anderes Bild vom Land: Jenes das sich bei einem Blick auf die Landkarte ergibt. Das haschemitische Königreich, das in etwa die Größe von Österreich hat, ist nämlich ein unmittelbarer Nachbar von Syrien und dem Irak. Diese Tatsache ließ den Fremdenverkehr, der für Jordanien eines der wichtigen wirtschaftlichen Standbeine ist, in den vergangenen Jahren dramatisch schrumpfen. Dabei hat sich für Touristen seit dem Syrien-Krieg nur eines maßgeblich verändert: Bei den Selfies vor einigen der größten Kulturdenkmäler der Menschheitsgeschichte stehen einem maximal ein paar echte Kamele im Weg, sonst hat man die ganze Pracht fast für sich allein. Und das islamische Land lehrt seine Besucher, wie das Miteinander der Kulturen tatsächlich funktionieren kann. Trotz einer gefühlten Überzahl von tief verschleierten Frauen in den Straßen zwischen Amman und Akaba am Roten Meer ist die Kleiderfrage für Ausländerinnen in Jordanien schnell geklärt: Erlaubt ist, was gefällt. Touristinnen mit ärmellosen Shirts und Minirock schlendern ganz selbstverständlich neben Einheimischen im Tschador, und kein Mannsbild regt das auf. „Jordanien ist das mit Abstand westlichste unter den arabischen Ländern“, sagt unser Guide Nasr, und wir geben ihm gerne recht.