Wenn man aus dem Hotelzimmer blickt, erkennt man im Hintergrund noch das grüne Herz, das die Grenze zur Steiermark symbolisiert. Nur wenige hundert Meter entfernt, auf der Kärntner Seite des Turracher Sees, liegt das Hotel Hochschober. Schon während der Fahrt über die Panoramastraßen lässt erahnen, dass man an diesem Ort den Alltag hinter sich lassen kann. Auch wenn das Hotel sich mitten in den österreichischen Bergen auf 1763 Metern befindet, fühlt sich ein Wochenende hier an wie eine kleine Weltreise – ganz ohne das Land zu verlassen.
Ein Hauch von Fernost
Dort, wo Steiermark und Kärnten aufeinandertreffen, sticht ein Gebäude besonders hervor: der Chinaturm. Über mehrere Etagen zieht sich fernöstliche Ästhetik, mit kunstvollen Holzarbeiten, einem traditionellen Teehaus, Behandlungsräumen sowie einem Yogaraum.
Ein Highlight am Hochschober ist die traditionelle Teezeremonie namens „Gong Fu Cha“, eine stille, fast meditative Erfahrung mit Blick auf den Turracher See. Die Bewegungen der Teemeisterin sind präzise und langsam, jedes Utensil hat seinen Platz. Der Tee wird mehrfach aufgegossen, in kleinen Schalen serviert, begleitet von Erklärungen über Herkunft, Wirkung, Bedeutung.
Vom Orient in die Nockberge
Der Weg zum Chinaturm führt, wie könnte es anders sein, über die „Seidenstraße“ – benannt nach dem historischen Handelsnetz, das einst China und Europa verband. Entlang der Wände sind Kunstwerke und Gegenstände ausgestellt, die von Reisen nach Fernost erzählen: Figuren, Bücher, Fotografien, Textilien. Barbara und Peter Leeb, die Eltern der heutigen Gastgeberin Karin Leeb, haben die Stücke während mehrerer Aufenthalte in Asien gesammelt.
Doch nicht nur die chinesische Tradition hinterließ ihre Spuren im Hochschober, auch die Architektur in Istanbul inspirierte die Familie zu neuen Ideen. So wurde 1998 der Wellnessbereich um ein türkisches Hamam erweitert und bietet seither orientalische Badezeremonien im österreichischen Hochgebirge. Rund 70 verschiedene Massagen und Behandlungen umfasst das Angebot im Kristall-Spa. Neben Besonderheiten wie den türkischen Hamam-Waschungen und chinesischen Massagen finden sich im Sortiment auch indische Ayurveda-Behandlungen.
Gesundheit ohne Etikett
Noch bevor Begriffe wie „Longevity“ und „Biohacking“ die Gesundheitsbranche prägten, war im Hochschober bereits vieles, was heute damit in Verbindung gebracht wird, gelebte Praxis: Achtsamkeit, gesunde und ausgewogene Ernährung, erholsamer Schlaf und Bewegung an der frischen Luft.
Ein Aufenthalt im Hochschober vermittelt auf unaufdringliche Weise Impulse für ein gesundes, bewusstes Leben. Wer möchte, nimmt an Yoga-Themenwochen teil, besucht Fachvorträge, lässt sich auf fernöstliche Behandlungen ein oder geht beim Waldbaden in den umliegenden Lärchen- und Zirbenwäldern auf Tuchfühlung mit der Natur. Manche Gäste starten frühmorgens mit einer stillen Meditation am See und anschließendem Kaltbaden. Begleitet wird das Ritual von geschultem Personal und ist eine prickelnde Herausforderung, die das Immunsystem stärkt und Körper sowie Geist in Balance bringt.
30 Jahre See-Bad
Wem das Wasser des Turracher Sees dann doch zu kalt ist, kann auch auf das See-Bad ausweichen, in dem das Wasser ganzjährig auf rund 28 Grad erwärmt wird. Das Wasser ist von Natur aus kalt, auch im Sommer. Die Idee, es dennoch angenehm warm zu machen, stammt von Peter Leeb, Vater der heutigen Gastgeberin. Als begeisterter Schwimmer ließ ihn der Gedanke nicht los, ein beheiztes See-Bad zu schaffen – mitten im Naturgewässer, ohne künstliches Becken.
Nach zehn Jahren Tüftelei mit Technikern gelang es 1995 schließlich, das erste beheizte See-Bad mit offenem Boden und schwimmenden Edelstahl-Pontons zu konstruieren. Der physikalische Effekt dahinter ist einfach: Warmes Wasser bleibt über dem kühlen, das sich darunter wie eine natürliche Sperrschicht legt. So kann das erwärmte Wasservolumen kontinuierlich zirkulieren, ohne an Temperatur zu verlieren. Ein stilles technisches Meisterwerk, das bis heute als das höchstgelegene seiner Art gilt.
Kulinarik mit Weitblick
Im Hochschober wird Gesundheit ganzheitlich betrachtet. So lassen sich auch persönliche Ernährungsgewohnheiten bewusst gestalten, etwa durch Intervall-Fasten im 16:8-Rhythmus oder dem Verzicht auf tierische Produkte. Neben Gerichten mit Fisch und Fleisch stehen täglich vegetarische und vegane Alternativen auf der Menükarte, welche mittlerweile rund 20 % der servierten Speisen ausmachen. Für Gäste mit Unverträglichkeiten oder speziellen Diäten wird individuell gekocht.
Kulinarisch lässt sich im Hochschober ein Blick über den Tellerrand werfen. Die Küche orientiert sich an regionalen Produkten, greift aber immer wieder internationale Einflüsse auf. So kann beim Abendmenü etwa eine Kärntner Lachsforelle auf asiatisch gewürztes Gemüse treffen, am Frühstücksbuffet stehen neben klassischen Müslivarianten auch Hummus mit orientalischer Note oder Miso-Suppe bereit. Das Buffet wirkt vielseitig und bewusst gewählt. Rund 60 Prozent der Lebensmittel bezieht das Hochschober von Lieferanten aus Kärnten und den benachbarten Bundesländern und verbindet somit lokale Verwurzelung mit weltweiter Offenheit.
Abschied mit Ausblick
Am Ende des Wochenendes bleibt der Eindruck, dass das Hotel mehr sein will als ein Ort zum Ausspannen. Es bietet Räume – buchstäblich und im übertragenen Sinn –, in denen man sich mit anderen, mit Neuem, mit sich selbst beschäftigen kann.
Was bleibt, ist nicht nur Erholung, sondern oft auch ein kleiner Impuls: für einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Körper, mit der Ernährung, mit der Zeit. Vielleicht ist es ein Ritual wie die Teezeremonie, ein Spaziergang ohne Handy, ein vegetarisches Gericht, das in Erinnerung bleibt. Vieles, was hier fast beiläufig geschieht, wirkt nach – auch dann, wenn man längst wieder im Tal angekommen ist.