Jeder hat eine Geschichte mit ihm. Ob es das Bild des grantigen Barmanns im Western-Film ist, der mit dem karierten Geschirrtuch in der Hand das Stamperl über die Theke schiebt, oder ob es die Nebelschwaden über tiefgrünen, schottischen Hügeln sind, die einem beim Gedanken an Whisky in den Kopf steigen – mit Whisky hat jeder eine Geschichte.

Für andere findet das Abenteuer mit dem goldgelben Destillat innerhalb der Landesgrenzen statt. Seit mehr als 20 Jahren schreiben heimische Destillateure die hiesige Whisky-Geschichte mit ihren Rohstoffen neu. Das sagt auch Robert Groger, seit 25 Jahren Whiskyhändler im salzburgerischen Saalfelden: "Es gab einige Pioniere, die, etwa um das Jahr 2000 herum, begonnen haben, ihren eigenen Whisky herzustellen. Inzwischen gibt es eine Menge guter Produzenten." Wichtig sei vor allem, die heimischen Produkte nicht mit schottischen oder amerikanischen zu vergleichen. "Bei uns ist das Klima komplett anders, die Rohstoffe, das Wasser und auch das Handling der Brenner."

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Was guten Whisky ausmacht. Alle Destillate, die den Namen Whisky tragen, hätten dabei mindestens drei Jahre im Fass verbracht, so der Whiskyexperte. Auch in Österreich. Abgesehen davon gibt es einige Stellschrauben, an denen der affine Brenner drehen kann. Während nämlich schottischer Whisky aus Gerste gebrannt und amerikanischer, also Bourbon, immer zumindest zur Hälfte aus Mais produziert wird, stehen heimischen Produzenten alle Türen offen. Das führt zu Korndestillaten aus Gerste bis hin zum Dinkel und Nackthafer.

Die Farbe verdankt der Getreidebrand der Fasslagerung. Sehr en vogue ist zumindest in Schottland die Lagerung in andalusischen Sherry- oder Portwein-Fässern. Sie verleihen dem Whisky zusätzlich die Aromatik, die die davor darin lagernden Weine hinterlassen haben. Im Fall von Portwein sind das rosinig-röstige Anklänge, im Falle vom Sherry grüßen Brioche und elegante Oxidationsnoten.

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Auch heimische Produzenten experimentieren mit derartigen und anderen Fässern. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, wobei einer der besten Freunde des Whiskybrenners und -genießers die Zeit ist. Denn je länger er im Fass ist, umso mehr Zeit erhält der Whisky, um harmonisch zu werden. Dem gegenüber steht nur der sogenannte Angels Share, also der Anteil, der den qualitätsbewussten Brennern pro Jahr Fasslagerung in der Luft verdampft, den sie also an die Engel spenden.

Aus der Not ein Megatrend. Nach wenigen Tagen fertig und keine Zeit im Fass benötigt hingegen der Gin. Dafür stehen Destillateure hier vor der Qual der Wahl der sogenannten Botanicals, also welche Früchte, Beeren, Kräuter oder Gewürze sie abgesehen von Wacholder im Gin haben wollen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, auch heimische Brenner bringen so die Landschaft und persönliche Vorlieben mit in das Getränk mit ein. Nur der Wacholder, der muss stets deutlich bemerkbar sein.

Der Craft-Gin-Trend ist in den letzten Jahren ungebrochen
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Nach der Auswahl der Botanicals gilt die Aufmerksamkeit vieler Brenner und auch versierter Barleute dem Tonic. Anders als Whisky ist Gin meistens in Kombination mit Tonic anzutreffen. Und wenn dieses Match nicht passt, hilft der beste Gin nichts. Der Spruch "Gleich und gleich gesellt sich gern" trifft dabei auch auf G+T zu. Wer im Tonic, oder auch in der Deko, jene Botanicals sucht, die auch im Gin drin sind, liegt meistens richtig.

Bitter Sweet Symphony. Der Longdrink G+T ist dabei viel älter als der Trend. So waren es angeblich findige Soldaten, die im damals noch von der englischen Krone regierten Indien die bittere Medizin, das Tonikum zur Malariaprophylaxe, mit Alkohol mischten. Der Gin Tonic war geboren, wenn auch in einer sehr rudimentären Form. Nach Jahrzehnten als Ladenhüter und Partymischungen aus kaum mehr als einer Handvoll Gin-Varianten von Großbrennereien schwappte der Trend eines gefeierten und schon in der Zubereitung zelebrierten Gin Tonics schließlich von Spanien aus über die Welt.

Eine im Rhythmus von Elektrobeats ausgedrehte Zitruszeste, Eiswürfel von 100 Gramm Gewicht und großbauchige Gläser mit Stiel waren bald das Minimum, an dem ein properer Gin Tonic gemessen wurde. Auch der Inhalt des Glases rückte damit ins Augen- und Gaumenmerk. Hochwertige Kräuter und Zitrusfrüchte wollten von nun an mit dem Wacholder ins Alkoholbad. Heraus kam ein Drink, der für mediterranes Lebensgefühl und positive Vibes steht. Aber auch nur dann, wenn er authentisch und hochwertig produziert ist.