Grazer StudieEin Biomarker, der einen schweren Covid-Verlauf vorhersagen könnte

Labordiagnostiker an der Med-Uni Graz erkannten einen Zusammenhang zwischen einem schweren Covid-Verlauf und dem Kynurenin-Wert im Blut. Dieser war schon relativ früh im Krankheitsverlauf erhöht.

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Ein verlässlicher Biomarker könnte bei der Wahl der Behandlung äußerst hilfreich sein. © (c) herraez - stock.adobe.com
 

Der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ist bisher unvorhersehbar, eine scheinbar harmlose Ausformung kann sich rasch zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung entwickeln. Forschende der Med-Uni Graz haben einen Zusammenhang zwischen einem tödlichen Krankheitsverlauf und einem Stoffwechselprodukt im Blut erkannt. Im Journal "Antioxidants" schlagen sie Kynurenin - ein Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan - als Biomarker zur Vorhersage eines erhöhten Mortalitätsrisikos vor.

Die anfänglich oft harmlose Symptomatik einer SARS-CoV-2-Infektion kann sich bei manchen Menschen nach fünf bis vierzehn Tagen zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung entwickeln. Der schwere Krankheitsverlauf kann Personen mit Vorerkrankungen ebenso treffen wie völlig gesunde junge Menschen. Ein Team an der Med-Uni Graz unter der Leitung von Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik sucht nach Biomarkern, die eine besonders schweren Krankheitsentwicklung vorhersagen könnten, wie die Universität am Donnerstag mitteilte.

Biomarker würde bei der Wahl der Behandlung helfen

"Stünde in den ersten Krankheitstagen, in denen es den Patientinnen und Patienten dem eigenen Empfinden nach noch gut geht, ein Blutwert zur Verfügung, welcher den weiteren Krankheitsverlauf prognostiziert, könnte die Behandlung gegebenenfalls angepasst und noch effektiver gestaltet werden", hielt Mangge fest. Der Labormediziner an der Med-Uni Graz forscht im Bereich Immunsystem, Entzündung und Fettstoffwechsel.

Laut Mangge geht die lebensbedrohliche Verlaufsform von Covid-19 mit einem "Entzündungssturm" (Zytokin-Sturm) einher. Dabei komme es zu einer Überreaktion der körpereigenen Immunabwehr, die sich selbst zu zerstören beginnt: "Die initial rettende Immunreaktion gegen das Virus endet in einer Art immunologisch-entzündlichem Selbstmord", formulierte es der Forscher. Durch das außer Kontrolle geratene Immunsystem würden die Organsysteme und allen voran die Lunge angegriffen und zerstört. Überschreitet der Zytokin-Sturm ein bestimmtes Ausmaß, versagen alle bisherigen medizinischen Hilfsmittel.

Indikatoren für den weiteren Krankheitsverlauf

Die Grazer Forschenden haben in den vergangenen Monaten im Blut von 148 Patienten der ersten und zweiten Covid-19-Welle nach Indikatoren gesucht, die in der Frühphase einen Hinweis geben können, welcher Verlauf zu erwarten ist. 31 Patienten waren innerhalb von 90 Tagen verstorben. Neben Laborparametern wie den Entzündungswerten legte man bei der Analyse der Blutwerte in der Studie besonderes Augenmerk auf den Tryptophan-Stoffwechsel und seine Abbauprodukte: "Tryptophan ist schon seit vielen Jahren Gegenstand intensiver Forschung, da diese Aminosäure nicht zuletzt bei der Immunabwehr eine Rolle spielt", erklärte Mangge. Es entsteht, wenn die Aminosäure Tryptophan - ein stetig im Körper vorhandener Bestandteil von Eiweißen - abgebaut wird. Dabei wird Tryptophan offenbar in schützende und giftige Metaboliten zerlegt.

"Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kynurenin-Blutwerte bei Covid-19-Patienten mit tödlichem Krankheitsverlauf bereits relativ früh zu Krankheitsbeginn sehr stark erhöht waren", so Mangge. Aus Sicht der Grazer Forscher könnte Kynurenin durchaus ein neuer Biomarker sein, der zu einer frühzeitigeren Intervention Anlass gibt. Ob seine Erhöhung Folge oder Ursache von außergewöhnlichen Immunreaktionen ist, die zu einem tödlichen Entzündungssturm führen können, bedürfe jedoch noch weiterer Forschung, betonte Mangge.

Kommentare (13)
david965bc
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Das Coronavirus wird große medizinische Erfahrungswerte bringen,

was einen Bereich betrifft, wo die Mediziner früher nicht hingeschaut haben.

Dann galt jemand als körperlich Gesund, der eigentlich schwer krank war.

Das wurde dann als psychosomatische Erkrankung gesehen, dabei gehören Mitochondrien auch zum Körper.

david965bc
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Dieses Wissen gilt aber für die Viren vor Omikron.

Bei Omikron hat sich das doch etwas geändert, denke ich.

Niemandes_Knecht
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Was hilft dieses Wissen, wenn die Frühbehandlung verweigert wird?

Weiterhin bekommen an Covid Erkrankte in Österreich in den seltensten Fällen eine vernünftige medikamentöse Frühbehandlung.

Ich werde den Eindruck nicht los, hier wird in böser Absicht die Krankenhausbelegung nach oben getrieben, die erstens den Krankenhausbetreibern die Kassen füllt und zweitens als Begründung für Maßnahmen und Impfzwang herhalten muss.

DavidgegenGoliath
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@Niemand

Sie werden in ganz Österreich, keinen Arzt finden, der während einer Coronainfektion einen Hausbesuch macht, um die Lunge abzuhören!

samro
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kapieren sie dass man die lunge nicht nur

abhoeren muss sondern weit mehr?

was ist mit euch los?

MonikaMandler
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Fiebersenkung

Die Behandlung, die wohl die meisten bekommen, basiert auf Fiebersenkung. Vor allem nehmen viele solche Medikamente, die sie gerade daheim haben ein.
Da das Fieber aber ein Ausdruck eines funktionierenden und auf Hochdruck arbeitenden Immunsystems ist und bisher keine Medikamente, die Covid-Erreger von außen bekämpfen könnten, bekannt sind, kann so eine bisher gewohnte Behandlung in vielenFällen nur im Desaster enden. Es wundert mich schon lange, dass dem Potential des Fiebers im Zusammenhang mit Covid nicht längst viel mehr Beachtung geschenkt wird. Aber am Weglassen von Medikamenten kann leider niemand verdienen.

owlet123
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Was ist denn medikamentöse Frühbehandlung?

Etwa eine Impfung, die schwere Verläufe verhindern kann oder ist Ivermectin gemeint?

MS1011
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@Niemandes_Knecht: dir ist also

medikamentöse Behandlung lieber als eine Impfung. Sorry aber dann hast du gar nichts verstanden.

archiv
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Und das weltweit - sehr gut kombiniert ,,,,,

... endlich hat das jemand verstanden - Danke "Nie-knecht"

checker43
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Na

klar ist das die Absicht der Krankenhäuser, dass sie viel Arbeit haben. Das freut die voll. Und die Regierung freut das auch voll. Deshalb setzt sie Maßnahmen, damit das nicht passiert. Sie sind schon a bissl paranoid.

DavidgegenGoliath
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@checker

Warum werden Coronapatienten zu Hause alleine gelassen, ohne Medikamente?Würde man schon frühzeitig mit einer Antbiotikabehandlung beginnen, gäbe es bestimmt nicht soviele Krankenhauseinweisungen!

samro
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alter

wenn man sowas liest wird einem echt....

ihre fundierten meinungsaeusserungen lassenb sie bitte!
ein virus und behandlung mit antibiotika.
was checken sie eigentlichbis jetzt?

wedef1
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Virus

David, nach zwei Jahren sollten selbst Sie schon mitbekommen haben, das für COVID ein Virus verantwortlich ist und nicht ein Bakterium. Antibiotika wirken nämlich gegen Bakterien und nicht gegen Viren.