EU unterschreibt VertragSotrovimab: Kommt jetzt ein Medikament gegen Covid?

Derzeit werden einige Medikamente, die bei einer Infektion mit dem Coronavirus zum Einsatz kommen könnten, erforscht. Die EU-Kommission schloss nun einen ersten Rahmenvertrag ab. Bis Oktober will man mehrere Medikamente zulassen.

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An Medikamenten gegen das Coronavirus wird derzeit intensiv geforscht
An Medikamenten gegen das Coronavirus wird derzeit intensiv geforscht © luckybusiness - stock.adobe.com (Igor Mojzes)
 

Die EU-Kommission hat einen Rahmenvertrag mit der Pharmafirma GlaxoSmithKline unterschrieben, um ein Medikament gegen Corona zu beschaffen. 16 EU-Länder beteiligen sich an der Ausschreibung für den Kauf des Mittels Sotrovimab für voraussichtlich 220.000 Behandlungen, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte. Das Medikament wird derzeit von der EU-Arzneimittelbehörde EMA geprüft. Es kann den Angaben zufolge zur Behandlung bei leichten Symptomen verwendet werden.

Schwere Verläufe verhindern 

Patienten die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigten, aber ein hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf hätten, könnten von der Behandlung profitieren. Laufende Studien deuteten darauf hin, dass eine frühzeitige Behandlung die Zahl der notwendigen Krankenhaus- oder gar Intensivstationsaufenthalte reduzieren könnte. Gemäß dem Vertrag können die EU-Staaten Sotrovimab erwerben, sobald es entweder in dem betreffenden Land eine Notfallgenehmigung oder eine bedingte Marktzulassung der EMA erhalten hat. 

Derzeit durchläuft das Medikament eine fortlaufende Prüfung bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Konkret steht eine Zulassung für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren im Raum. 

Die EU-Kommission hatte Ende Juni bereits bekannt gegeben, dass sie fünf vielversprechende Corona-Medikamente im Blick hat, darunter Sotrovimab. Vier der Mittel enthalten sogenannte monoklonale Antikörper. Diese werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen. Ein weiteres Medikament mit dem Namen Olumiant reduziert die Aktivität des Immunsystems und soll eigentlich gegen Rheuma helfen. Die Hoffnung ist, dass die entzündungshemmende Wirkung auch bei schweren Covid-19-Verläufen hilft.

Weitere Zulassungen bis Oktober angedacht 

Stella Kyriakides, Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagte: „In unserer EU-Strategie für Covid-19-Therapeutika haben wir uns verpflichtet, bis Oktober mindestens drei neue Therapeutika zuzulassen. Jetzt haben wir einen zweiten Rahmenvertrag abgeschlossen, der den Patienten die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern ermöglicht. Neben Impfstoffen werden sichere und wirksame Therapeutika eine zentrale Rolle bei der Rückkehr Europas zu einer neuen Normalität spielen.“

Präklinische Daten deuten darauf hin, dass der monoklonale Antikörper, der bei Sotrovimab zum Einsatz kommt, das Potenzial hat, sowohl den Eintritt des Virus in gesunde Zellen zu blockieren als auch infizierte Zellen zu beseitigen. Der Antikörper bindet an einen Molekülabschnitt auf SARS-CoV-2, das auch bei SARS-CoV-1 (dem Virus, das SARS verursacht) vorkommt. Sotrovimab, wurde außerdem so entwickelt, dass es eine hohe Konzentration in der Lunge erreicht, um eine optimale Penetration in das von SARS-CoV-2 betroffene Atemwegsgewebe zu gewährleisten.

Kommentare (9)
STEG
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Medikamente gegen Viren

Es wurde schon viel unwirksames Zeugs verabreicht! Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen! Impfgegner spielen gerne Versuchskaninchen für solche Medikamente, ohne die Effektivität, Nebenwirkungen und Inhaltsstoffe zu hinterfragen.

Politisch_Unkorrekter
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Jetzt sind wir doppelt geimpft

haben in der Therapie Medikamente und Erfahrung gesammelt - schön langsam könnten die Medien ihr "Cluster!" Gegacker einstellen.

KleineZeitung
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@Politisch_Unkorrekter,

wenn wir "alle" impliziert, ist dies nicht richtig. Bisher haben nur 56 % der in Österreich lebenden Personen eine vollständige Impfung. Liebe Grüße aus der Redaktion

selbstdenker70
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...

Das Virus wird für immer bleiben, und wahrscheinlich auch das testen damit man Covid von Grippe unterscheiden kann. Sofern das mit guten Medikamenten überhaupt noch nötig ist. Darum braucht es dringend Medikamente für die Masse. Man hat Anzeichen einer Verkühlung, Selbsttest, positiv, Arzt anrufen und Medikament bekommen. Wird es schlimmer, ab ins Krankenhaus. Ich weiß der Vergleich hinkt, aber bei der Grippe machen wir es, bis aufs testen, auch nicht anders, ob mit oder ohne Grippeimpfung.... Und das muss das Ziel sein.

ElCapitan_80
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Medikamente gegen Viren

Leider gibt es kaum wirkungsvolle Medikamente gegen Viren, auch nicht gegen die Grippe.
Antivirale Medikamente müssen meist sehr früh verabreicht werden, wenn erste Symptome auftreten ist es kann es schon zu spät sein.
Im Prinzip bleibt z.B. auch bei der Grippe nur die Behandlung der Symptome, nicht der Krankheit.
Wirksamste Waffe gegen die meisten Viren ist und bleibt eine Impfung.

david965bc
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Zitat: Vier der Mittel enthalten sogenannte monoklonale Antikörper. Diese werden im Labor hergestellt.

Da lasse ich mich lieber mit mRNA Impfstoffen impfen, das scheint mir sicherer zu sein.

dude
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Na Gott sei Dank,

... wird auch auf diese enorm wichtige Säule zur Corona-Bekämpfung gesetzt und dahingehend geforscht - "Die Behandlung".
In den letzten Monaten hat sich ALLES auf die - natürlich wichtige - Impfung konzentriert. Aber letztendlich sollte die Impfung definitiv nicht die EINZIGE Säule zur Corona-Bekämpfung sein.
Neben der medizinischen Behandlung und der Testung sollte nach wie vor auch eine halbwegs vernünftige Lebensweise ein wichtiger Faktor sein, um die Pandemie zu beenden!

checker43
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Es hat

sich aus Ihrer Sicht alles auf die Impfung konzentriert, die Pharmafirmen haben sich seit mehr als einem Jahr auf Impfung und Medikamente konzentriert. Ein Medikament beendet die Pandemie aber genauso wenig wie bessere Gipshaxn Beinbrüche beenden.

dude
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Natürlich ist dies meine, bescheidene Sicht, Checker.

Ich bin kein Pharma-Insider. Und als "Nicht-Insider" hat man von einer Forschung in Richtung eines Corona-Medikamentes so gut wie nichts gehört. Von Impfstoffen und deren Zulassungsprüfungen hören wir seit gut 9 Monaten tagtäglich!
Uns selbstverständlich beendet ein gutes Medikament alleine keine Pandemie!
Genau darauf wollte ich ja mit meinem Posting hinaus, dass die Konzentration auf nur eine Säule zu wenig ist!
Impfung, geeignete Behandlung, Testung und vernünftiger Lebensstil müssen gemeinsam ansetzen!