Wirft man einen Blick auf die Hospitalisierungsraten, fällt auf, dass von schweren Covid-19-Verläufen immer mehr junge Menschen betroffen sind. Aus den Inzidenzzahlen in Österreich lässt sich ein erster Grund dafür herauslesen: In der Gruppe, der über 65-Jährigen liegt die Siebentagesinzidenz derzeit im einstelligen Bereich. Bei den 19- bis 24-Jährigen hat es Österreich mit einer dreistelligen Sieben-Tages-Inzidenz pro 100.000 Personen zu tun. In absoluten Zahlen gab es in der Altersgruppe 65+ bisher 95.209 Coronafälle in Österreich. Die Gruppe der 15- bis 35-Jährigen hat diese nun überholt und steht nun bei gemeldeten 202.366 Fällen. Genaue Angaben finden sich auf der Website der AGES. 

Impfexperte Herwig Kollaritsch meint dazu: „Das heißt, es infizieren sich momentan eindeutig mehr junge Menschen. Auch wenn im Allgemeinen die Erkrankungen bei jungen Menschen milder verlaufen, so ist es die hohe Zahl, die letztlich dafür sorgt, dass trotzdem entsprechend schwere klinische Fälle und auch Intensivstationsfälle auffällig werden.“

Auslöser dafür, dass Infektionen vor allem unter jungen Menschen stattfinden, ist unter anderem die geringe Durchimpfungsrate sowie eine erhöhte Risikobereitschaft in dieser Gruppe: „Aufgrund der Priorisierung sind junge Leute lange nicht an der Reihe gewesen – weil wir einfach nicht genug Impfstoff hatten. Jetzt ist der Impfstoff zwar da, aber gleichzeitig waren aber die Inzidenzzahlen eine gewisse Zeit lang sehr niedrig und es wurde immer wieder gesagt, dass Jüngere kein hohes Risiko haben, schwer zu erkranken. Daher ist ihre die Risikobereitschaft wesentlich höher“, so Kollaritsch.

Egal ob jung oder alt – vergessen solle man laut dem Experten auf keinen Fall, dass eine Covid-Infektion lange Nachwehen haben kann: „Es ist aber im Allgemeinen so, dass junge Leute die Erkrankung überleben. Dennoch könnte hier Long Covid ein Thema werden. Auch wenn eine Infektion für die einzelne Person vielleicht nicht lebensgefährlich ist, kann sie einem für lange Zeit Lebensqualität nehmen.“

Impfexperte; Herwig Kollaritsch
Impfexperte Herwig Kollaritsch
© APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Dazu komme, dass mit der vorherrschenden Delta-Variante – in Österreich macht diese schon 95 Prozent der Neuinfektionen aus – nun auch eine ansteckendere Virusvariante im Umlauf ist.  Um die Durchimpfungsrate bei jungen Menschen zu erhöhen sei laut dem Experten vor allem wichtig, die Angebote niederschwellig zu gestalten: „Jüngere, die voll im Berufsleben stehen, können sich nicht den ganzen Tag um eine Impfung bemühen – dafür hätte kaum jemand Verständnis. Deswegen sind Initiativen wie die betrieblichen Impfungen oder Impfungen ohne Voranmeldung eine tolle Sache und das gehört noch wesentlich intensiviert.“ 

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