Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Im GesprächHerzpatient: ,,Theoretisch war ich tot''

Puls über 250,  künstliches Koma: Bernd Trabi hat das alles überlebt. Heute erzählt er, wie er wieder leben kann.

Er war Sportler, bis das Herz verrückt spielte: Bernd Trabi.
Er war Sportler, bis das Herz verrückt spielte: Bernd Trabi. © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
 

Angefangen hat alles Ende 2017. Ganz plötzlich hatte ich 200 Puls, das Herz hat sich selbstständig gemacht, ohne Anstrengung. Erst im Krankenhaus hat man mir helfen können. Danach habe ich Sportverbot bekommen, Radsport, Triathlon, Laufen, dabei war das mein Ventil für alles. Mein Zustand ist allmählich besser geworden, aber irgendwie verliert man schon das Vertrauen ins Herz, wenn so etwas passiert.

Im September 2018 war ich langsam laufen, plötzlich geht der Puls auf über 250, da ist mir schwindlig geworden, zum Glück war jemand hinter mir. Was ich noch weiß: Ich habe gesagt, bitte rufen Sie den Notarzt. Dann weiß ich nichts mehr. Eine Woche später bin aus dem künstlichen Koma aufgewacht.

Ich habe gesagt, bitte rufen Sie den Notarzt. Dann weiß ich nichts mehr. Eine Woche später bin aus dem künstlichen Koma aufgewacht.

Bernd Trabi
Die Ärzte haben zuerst gar nicht sagen können, ob ich das schaffe. Man hat mir einen Defibrillator eingesetzt, ich bin auch auf eine Herzmuskelentzündung behandelt worden. Nur wenn ich in den ersten Stock gegangen bin, habe ich schon einen hohen Puls gehabt. Ich dachte mir: Vor einem Jahr, da warst du noch jung. Jetzt kannst keine Stiegen mehr raufgehen. Im Dezember ist es dann passiert, in der Dusche. Der Puls schnellte auf über 300 hoch, der Defibrillator hat das mit dem Schrittmacher nicht mehr beheben können. Der hat mich 20 Mal geschockt, da glaubst du, es tritt dich ein Pferd in die Brust.
"Hand aufs Herz": Unter diesem Titel erscheint das Magazin der Kleinen Zeitung, das sich dem Thema Herzgesundheit aus vielen Blickwinkeln nähert.
"Hand aufs Herz": Unter diesem Titel erscheint das Magazin der Kleinen Zeitung, das sich dem Thema Herzgesundheit aus vielen Blickwinkeln nähert. Foto ©
Ich habe mich dann für einen speziellen Eingriff entschieden, bei dem fehlerhaftes Gewebe abgetötet wird, damit diese Herzrhythmusstörungen nicht mehr auftreten. Der Eingriff hat rund sieben Stunden gedauert. Seitdem geht es mir extrem gut, zwar war nach der OP das Herz ein bissl entzündet, aber ich kann wieder leben. Ich weiß natürlich, dass ich keinen Sport machen soll. Aber ich kann wandern, Rad fahren, ich kann ein Leben führen, ohne jede Beeinträchtigung.Die Hintergründe für die Herzprobleme? Genetisch und die Kombination mit dem Sport. Aber ich fühle mich jetzt sicher. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich einen Herzstillstand bekomme. Ich habe ja den Defibrillator, gut zu wissen, dass man etwas eingebaut hat, das einen schützt.

Seit Jänner 2019 habe ich keine Pro­bleme mehr gehabt. Jetzt bin ich 36, theoretisch war ich tot. Ich treffe jetzt Entscheidungen, die ich früher so nie getroffen hätte. Man handelt mehr. Ich habe meine Freundin kennengelernt, die weit weg wohnt, das hätte ich vorher nicht gemacht. Man weiß, das Leben ist vergänglich, es könnte jeden Tag enden.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren