Gerade über soziale Medien verbreiten sich fragwürdige Ernährungstrends wie ein Lauffeuer. So etwa im Vorjahr, als vor allem via Tiktok mitgeteilt wurde, dass Rohmilch, besonders für Schwangere, vorteilhaft sei. Aber: Rohmilch ist unbehandelt – weder wird sie mikrobiologisch kontrolliert noch wird sie erhitzt, um Erreger abzutöten. Aus diesem Grund kann Rohmilch neben zahlreichen Nährstoffen auch Krankheitserreger enthalten. Superfood ist sie also keines – wir haben hier darüber berichtet.
Rohmilch und Rohmilchprodukte können Infektionen mit Listerien, Campylobacter oder Escherichia coli auslösen. Übertragen werden letztere von Wiederkäuern wie Kühen, Ziegen oder Schafen. Einmal durch verunreinigte Milch im Verdauungssystem des Menschen angelangt, können die Giftstoffe, die diese Bakterien produzieren, neben Durchfällen auch schwere Komplikationen wie HUS (hämolytisch urämisches Syndrom) verursachen. Betroffen von HUS sind vor allem Kleinkinder, bei ihnen kann es auch zu Nierenversagen führen.
E.Coli-Bakterien sind äußerst widerstandsfähig
Die Fälle von E.Coli-Infektionen sind zuletzt in Österreich angestiegen: 2024 wurden insgesamt 853 Erkrankungs- und zwei Todesfälle gemeldet sowie elf HUS-Fälle. 2023 waren es noch 586 (ebenso zwei Todesfälle, 23 HUS-Fälle). Besonders betroffen waren 2024 wie auch in den Jahren zuvor Kinder bis vier Jahren. Für 2025 sind noch keine Zahlen verfügbar.
Aus diesem Grund warnt die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) davor, insbesondere Kleinkinder Rohmilch trinken zu lassen. „Trotz gründlicher Reinigung der Melkgeräte und Sauberkeit im Stall können diese Keime in die Milch gelangen. Für eine Infektion reichen nur geringfügige Mengen. Deshalb sollten vorwiegend Kleinkinder, Immungeschwächte sowie schwangere Frauen nur pasteurisierte Milch trinken“, erklärt Nadja Haiden, Leiterin des Referates Kommission für Stillen, Ernährung und Prävention in der ÖGKJ. Toxin-produzierende E.Coli-Bakterien gedeihen zwischen sieben und 50 Grad, erst ab 70 Grad sterben sie ab. Durch eine Pasteurisierung zwischen 72 und 75 Grad Celsius werden diese Bakterien und andere Erreger abgetötet.
Zusätzlich sollte man darauf achten, Fleisch ausreichend durchzugaren. „Bei Gemüse und Obst gilt es, dieses gründlich zu waschen bzw. zu schälen“, sagt Haiden. Denn pflanzliche Lebensmittel können durch Düngen, verunreinigte Erde oder über belastetes Wasser mit den Erregern in Kontakt kommen. Und E.Coli-Bakterien sind sehr widerstandsfähig. In der Erde können sie monatelang überleben.