Zwölf Liter pro Kopf und Jahr: Mit dieser Menge Reinalkohol, die hierzulande konsumiert wird, zählt Österreich nach wie vor zu den Hochkonsumländern. Weltweit werden im Durchschnitt fünf Liter Alkohol pro Kopf und Jahr getrunken – da zählen allerdings auch Länder dazu, in denen zum Beispiel aus religiösen Gründen gar nicht konsumiert wird. Außerdem haben in Österreich nach wie vor eine Million Menschen (rund 15 Prozent der Bevölkerung) ein problematisches Trinkverhalten: Sie trinken Alkohol in einem Ausmaß, das ihr Risiko für eine Alkoholsucht stark erhöht und ihre Gesundheit beeinträchtigt. Rund fünf Prozent davon gelten als alkoholabhängig – das sind rund 370.000 Betroffene.

Aber: „Wir sehen, dass bei den Jugendlichen der Alkoholkonsum rückläufig ist“, sagt Claudia Kahr von Vivid, der steirischen Fachstelle für Suchtprävention: Vor allem in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen zeige sich der Trend weg vom Alkohol. So habe sich die Zahl jener Jugendlichen, die gar keinen Alkohol trinken, seit 2007 vervierfacht und ist von vier auf 18 Prozent angestiegen. Und auch die Zahl derer, die in Umfragen angaben, in den letzten 30 Tagen keinen Alkohol getrunken zu haben, hat sich seit 2007 verdoppelt. „Wir sehen, dass es bei Jugendlichen eine Normveränderung gibt, das ist eine positive Entwicklung“, sagt Kahr.

Claudia Kahr, Vivid, Fachstelle für Suchtprävention
Claudia Kahr, Vivid, Fachstelle für Suchtprävention © Vivid
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Erklären lasse sich das vor allem durch ein verändertes Wertebild bei Jugendlichen: „Junge Menschen haben heute ein großes Gesundheitsbewusstsein und auch einen Drang zur Selbstoptimierung“, sagt Kahr. Junge wollen einen gesunden, fitten Körper haben und diesen auch herzeigen, vor allem in den sozialen Netzwerken. Auch begegnen sich Jugendliche heute häufig in virtuellen Welten, sehr viel Austausch findet über digitale Wege statt – Alkohol als „soziales Schmiermittel“ spiele dabei keine Rolle mehr. Nun könnte man mutmaßen, dass stattdessen vermehrt andere Suchtmittel konsumiert werden – das zeige sich in den Daten allerdings nicht, sagt Kahr.

Eine Rolle beim Trend hin zum Alkoholverzicht spiele auch, dass es mittlerweile ein viel breiteres Angebot an alkoholfreien Getränken gebe: Es gibt nicht nur alkoholfreies Bier, sondern auch Wein, Sekt, Cocktails, etc. sind in alkoholfreien Varianten verfügbar und werden in Bars ausgeschenkt. „Da kommt eine Generation nach, die anders mit Alkohol umgeht“, sagt Claudia Kahr – das spiegle sich auch in Aktionen wie dem „Dry January“ wider, wobei gezielt einen Monat lang auf Alkohol verzichtet wird.

Während sich in der jungen Generation eine (kleine) Normveränderung anzeigt, sind es die 50- bis 59-Jährigen, die in Österreich am meisten trinken: Diese Altersgruppe konsumiert mit durchschnittlich 16 Litern pro Kopf und Jahr am meisten. Dabei sei es so wichtig zu betonen: Alkohol ist ein Zellgift, es gibt keine sichere Menge Alkohol! „Je mehr ich trinke, desto größer ist mein Risiko für Krankheit und Sucht“, fasst Kahr zusammen. Das gesundheitliche Risiko steigt bei gesunden Männern, wenn sie mehr als ein großes Bier oder ein Viertel Wein pro Tag trinken; gesunde Frauen sollten nicht mehr als ein kleines Bier oder ein Viertel Wein pro Tag trinken (siehe Infografik).

Auf einen Blick: So steigen die gesundheitlichen Risiken durch den Alkoholkonsum an
Auf einen Blick: So steigen die gesundheitlichen Risiken durch den Alkoholkonsum an © Quelle: Dialogwoche Alkohol

Von einem problematischen Alkoholkonsum spricht man, wenn Gesunde täglich mehr als drei große Bier (Männer) oder zwei große Bier (Frauen) trinken. Außerdem liegt ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen vor. Für diese Gruppe gilt besonders: Den eigenen Alkoholkonsum kritisch hinterfragen und reduzieren! Kahr rät dazu, für einige Wochen ein Trinktagebuch zu führen, um einmal zu sehen, wie viel und wie oft man tatsächlich trinkt. „Die meisten sind überrascht, wie viel es eigentlich ist“, sagt Kahr.

Zeichen für Sucht: Warum trinke ich?

Um das Suchtrisiko abzuschätzen, müsse man sich die Frage stellen: Warum trinke ich? Welche Funktion erfüllt der Alkohol für mich? Kann ich ohne ein Glas Bier am Abend nicht mehr einschlafen oder ohne das Glas Wein nicht mehr herunterkommen, sind das Warnsignale, sagen Suchtexperten. Auch wenn ein starker Zwang besteht, Alkohol zu trinken, und wenn abstinente Tage nicht mehr möglich sind, sind das starke Anzeichen für ein Alkoholproblem.

Jedes Glas weniger ist besser für die Gesundheit – und die positiven Effekte des Verzichts machen sich schnell bemerkbar: „Wenn ich weniger trinke, schlafe ich sofort besser“, unterstreicht Kahr. Auch der Blutdruck sinkt, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert. Ebenso sinkt das Risiko für verschiedene Krebsarten und psychische Erkrankungen wie Depression oder die Alkoholsucht.