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So verhütet ÖsterreichUnwirksamere Methoden auf dem Vormarsch

Der Verhütungsreport 2019 zeigt einen weiteren Rückgang bei hochwirksamen Verhütungsmitteln und eine viel zu geringe Einschätzung der eigenen Fruchtbarkeit.

© Sven Hoppe/stock.adobe.com
 

Für den dritten Österreichische Verhütungsreport wurden 1782 Frauen und Männern im Alter von 16 bis 49 Jahren befragt - mit einem besorgniserregenden Ergebnis: Die Österreicher verhüten wenig und haben viele falsche Vorstellungen und Ängste.

Weit verbreitet ist der Glaube, dass die Fruchtbarkeit der Frau sich auf bis zu drei oder höchstens sieben mögliche Schwangerschaften im Leben beschränkt. "Eine fatale Fehleinschätzung, die mitverantwortlich ist, dass sich Österreich auch im negativen europäischen Spitzenfeld bei Schwangerschaftsabbrüchen befindet", erklärt Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums und Initiator des Reports. Dazu kommt die seit einigen Jahren zu beobachtende"Hormonangst", die dazu führt, dass die wirksamen Methoden immer weniger angewendet werden.

So verhütet Österreich

  • Hormonelle Verhütung. Seit 2012 sank die Verwendung aller hormoneller Verhütungsmittel zusammen - also beispielsweise Pille oder Hormonpflaster - von 60 auf 44 Prozent. Für sechs von zehn Frauen ist Hormonfreiheit "wichtig bis sehr wichtig", zeigte die repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Intergral unter 881 Frauen sowie 901 Männern im Alter von 16 bis 49 Jahren. Pille, Hormonpflaster, -spritze oder auch -ring zählen allerdings derzeit zu den effektivsten Möglichkeiten. Viele Frauen möchten verhüten, ohne in die "natürlichen" Abläufe im Körper einzugreifen, erläuterte Psychologin Elisabeth Parzer. Mit Ausnahme von hochwirksamen Methoden wie Kupferspirale und Sterilisation basieren aber die effektivsten Methoden auf dem Hormon-Prinzip. Allerdings herrsche auch hier viel Irrglaube: Mehr als die Hälfte von jenen, die Pille, Pflaster oder Ring anwenden, machen jeden Monat eine siebentägige Pause, wodurch eine Blutung ausgelöst wird - künstlich, nicht natürlich, was nur wenigen bewusst ist. 69 Prozent begründet dies mit der falschen Vorstellung, dass dies besser für den Körper sei. Laut den Experten ist diese Pause allerdings nicht notwendig.
  • Kondome. Mit 38 Prozent kommt das - mittelmäßig wirksame - Kondom am häufigsten zur Verhütung einer Schwangerschaft beim Sex zum Einsatz. Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) verhütet gar nicht.
  • Eine fatale Fehleinschätzung betrifft die (natürliche) Fruchtbarkeit der Frau: Der Großteil geht davon aus, dass null bis drei (23 Prozent) bzw. höchstens sieben (40 Prozent) Schwangerschaften im Leben möglich sind - die aktuelle Zahl beläuft sich tatsächlich auf 15, was nur 13 Prozent richtig einschätzen.

Die staatlichen Versäumnisse bei Aufklärung und Verfügbarmachen von günstigen wirksamen Verhütungsmitteln werden im Report 2019 wieder sichtbar: Während die meisten Männer resigniert zur Kenntnis nehmen, dass sie mit den aktuellen Methoden wenig bis keine Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit haben, sind Frauen überzeugt, dass dies den Männern egal ist, sie nicht darüber nachdenken oder es ihnen sogar recht ist. Hier gibt es also großen Kommunikationsbedarf zwischen den Geschlechtern. Denn 39 Prozent der Männer würden eine wirksame reversible Methode anwenden, wenn es eine solche gäbe. Es sind sogar 53 Prozent unter denen, die bereits eine schlechte Erfahrung mit der Verhütungs-Abhängigkeit von der Partnerin gemacht haben.

Langzyklus wird vermieden

Seit einigen Jahren ist eine zunehmende Hormon-Skepsis zu beobachten. "Frauen möchten verhüten, ohne in die ,natürlichen' Abläufe im Körper einzugreifen", so Psychologin Elisabeth Parzer. Entsprechend schwierig gestaltet sich deshalb die Entscheidung für eine Verhütung. Denn die wirksamen Methoden basieren auf Hormonen, mit Ausnahme der Kupferspirale und der Sterilisation.

Die widersprüchliche Überzeugung nicht in den Körper einzugreifen zeigt sich auch unter den Frauen, welche die Pille, das Pflaster oder den Ring anwenden. 52 Prozent von ihnen machen jeden Monat eine 7-tägige Pause, wodurch eine Blutung künstlich ausgelöst wird. 69 Prozent von ihnen begründet dies mit der (falschen) Vorstellung, dass dies besser für den Körper sei.

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