Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt in Österreich steht alljährlich im Rampenlicht, wenn Naturschutzorganisationen und wissenschaftliche Gesellschaften ausgewählte Vertreter zur "Natur des Jahres" küren. Und das sind die Preisträgerinnen und Preisträger: 

Das Tier des Jahres

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) wurde vom Naturschutzbund zum "Tier des Jahres 2023" gewählt. Sie ist ein sandfarbener nachtaktiver Nager mit knapp 15 Zentimetern Körperlänge, die Hälfte davon entfällt auf ihren dicht behaarten Schwanz. "Mit abgerundeten Ohren und großen, schwarzen Knopfaugen ist die Haselmaus eine putzige Erscheinung", so der Naturschutzbund. Trotz ihres Namens ist sie für Zoologen keine Maus, sondern ein "Schläfer". Seit Oktober hält sie Winterschlaf in einem gut isolierten Kugelnest, wo sie zusammengerollt mit abgesenkter Körpertemperatur (vier statt 37 Grad Celsius) die kalte Jahreszeit verschlummert. Sie ist in der Dämmerung und Nacht aktiv und ernährt sich von Knospen, Blüten, Insekten, Beeren, Nüssen sowie Samen. Die Haselmaus ist streng geschützt und leidet am Schwund von wilden dichten Hecken, wo sie als "ortstreuer Einzelgänger und geschickter Kletterer" lebt.

Der Vogel des Jahres

Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) wurde von BirdLife Österreich zum "Vogel des Jahres" gekürt. Es besitzt eine namensgebende orange-braune Brust und Kehle, einen braun-schwarz gebänderten Rücken und einen weißen Überaugenstreif. Je nach Angebot frisst es Schmetterlinge, Schnecken, Heuschrecken, Raupen, Spinnen, kleine Schnecken und Beeren. Sein Lebensraum sind blütenreiche Wiesen und Brachen, es benötigt abwechslungsreiche Vegetation mit hohen Halmen und Büschen. Weil solche Naturräume genau wie die Insektennahrung schwinden, "ist dieser Wiesenvogel im Sinkflug", so BirdLife: Seit 1998 seien die Bestände um zwei Drittel geschrumpft.

Die Nutztiere des Jahres

Das Sulmtaler Huhn und das Tiroler Grauvieh hat wiederum die "Arche Austria" zu den Nutztierarten 2023 erklärt. Das Huhn habe "in der kaiserlich-königlichen Monarchie als krönender Festtagsbraten für Fürsten und am Kaiserhof" herhalten müssen, die silber- bis eisengrau gefärbten Rinder wären wiederum gut melkbar, und hätten neben einer ausgezeichneten Fruchtbarkeit auch eine hohe Lebenserwartung, so die landwirtschaftlichen Experten.

Das Sulmtaler Huhn
© Juergen Fuchs

Das Insekt des Jahres

Als "Insekt des Jahres 2023" wird das Landkärtchen ausgezeichnet. Dafür zeichnet ein wissenschaftliches Kuratorium von privaten Experten und Fachgesellschaften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz verantwortlich. Die Schmetterlinge entwickeln sich je nach Jahreszeit mit unterschiedlichen Flügelzeichnungen. "Während die Frühjahresgeneration schwarze Zeichnungselemente auf orangefarbenem Grund aufweist, ist die Sommergeneration überwiegend schwarz, mit einem gebogenen weißen Band auf Vorder- und Hinterflügel", so die Experten. Ausschlaggebend für das jeweilige Design ist die Tageslänge während der Raupenzeit. Den einprägsamen Namen bekam der Edelfalter aufgrund der "recht bunten und von Linien durchzogenen Flügelunterseite, die an eine Landkarte erinnert".

Das Wassertier des Jahres

Bei einer öffentlichen Abstimmung wurde der Huchen (Hucho hucho), auch Donaulachs genannt, zum "Wassertier des Jahres" gewählt. Die offizielle Ernennung erfolgte durch den Österreichischen Fischereiverband (ÖFV). Er kann bis zu eineinhalb Meter lang und über 50 Kilogramm schwer werden, ist der einzige Lachsfisch, der ständig im Süßwasser lebt, und ernährt sich von Fischen, Amphibien und Entenküken. Der Huchen ist vom Aussterben bedroht, weil sein Lebensraum durch Uferbefestigungen, Flussregulierungen und Stauketten der Wasserkraftwerke verändert und zerstückelt wurde. Schutzmaßnahmen wie Fischaufstiegshilfen und eine bessere Strukturierung der Gewässer sollen den Bestand retten.

Das Höhlentier des Jahres

"Höhlentier des Jahres 2023" ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Er ist schwarz-gelb gefleckt, wird 20 Zentimeter lang und hat Hautdrüsen, die Gift produzieren. Dieses schützt ihn vor Fressfeinden. "Das ganze Jahr über kann er in Höhlen und Bergwerkstollen aufgefunden werden", so der Verband Österreichischer Höhlenforscher (VÖH): "Hier kommt ihm die allgemein hohe Luftfeuchtigkeit zugute, die ihn vor dem Austrocknen schützt." Er frisst Insekten, Regenwürmer und Schnecken.

Der Fremdling des Jahres

Zum "Fremdling" (Alien) des kommenden Jahres wurde der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) ernannt. Der Fluss-, Teich-und Seenbewohner stammt aus Nordamerika und wurde in den 1960er-Jahren massenhaft nach Österreich importiert und ausgesetzt, weil sich bei den heimischen Flusskrebsen Bestandslücken aufgetan hatten und es an Speisekrebsen mangelte. Er verdrängt nicht nur die restlichen europäischen Krebse nach und nach, sondern brachte auch die Krebspest aus der Neuen Welt mit. Das ist eine Pilzinfektion, gegen die europäische Krebse kaum Abwehrmechanismen besitzen. So wie die Menschen sich manchmal von Signalkrebsen ernähren, labt er sich wiederum an Pflanzen, Kleintieren und toten Fischen.

Fledermaus & Weichtier des Jahres

Sowohl das Braune Langohr (Plecotus auritus) als "Fledermaus des Jahres" und die "Posthornschnecke" (Planorbarius corneus) als "Weichtier des Jahres" nehmen ihre Titel vom Vorjahr mit. Die Langohren mit ihren namensgebenden, fast körperlangen Hörorganen kürte die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) unter anderem, um für das Stehenlassen von alten, höhlenreichen Bäumen zu werben, wo die Tiere ihre Sommerquartiere besitzen und (nebst in Ruinen und Kellern) oft auch im Winter abhängen. Die "Posthornschnecke" besitzt als einzige europäische Wasserschnecke den Blutfarbstoff Hämoglobin, um in sauerstoffarmen Gewässern ohne Luftatmung zu überleben. Sie wurde von der Malakologischen Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur in Salzburg auserkoren.

Der Lurch des Jahres

In Moortümpeln lebt der "Lurch des Jahres", nämlich der Kleine Wasserfrosch (Pelophylax lessonae). Er wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) ernannt. Die Experten beschreiben die grasgrünen Frösche mit braunen Rückendrüsenleisten als wanderfreudig und gleichermaßen tag- wie nachtaktiv. Sie verzehren Insekten, sind auf "kleine, besonnte, vegetationsreiche und nährstoffarme Moorgewässer angewiesen", und in jedem österreichischen Bundesland sowie in ganz Europa zu entdecken. Allerdings selten.

Die Spinne des Jahres

Der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) wurde von 84 Arachnologen (Spinnenkundlern) aus 27 Ländern Europas zur "Spinne des Jahres" gewählt. Sie hat einen rötlich-braunen Vorder- und einen gelb-längsgestreiften Hinterleib, der Körper des Weibchens ist mit bis zu 15 Millimetern etwas größer als jener des Männchens (zwölf Millimeter). Selten können diese Tiere Menschen beißen, was etwa so schmerzhaft beschrieben wird wie ein Wespenstich. Im Gegensatz zu den quer gestreiften Insekten sind die Spinnen nachtaktiv. Sie bauen keine Fangnetze, sondern lauern ihrer Beute auf, etwa Heuschrecken und Gottesanbeterinnen. Den Tag verbringen sie meist in kugeligen Ruhegespinsten.