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Neuer Leitfaden Was hilft wirklich bei Rückenschmerzen?

Bewegen statt liegen: Experten der Med Uni Graz haben einen neuen Behandlungsplan für Rückenschmerzen entwickelt. Das Ziel: Der Schmerz soll nicht chronisch werden.

Unspezifischer Rückenschmerz: nicht ignorieren, sonder handeln © (c) Prostock-studio - stock.adobe.com (Konstantin Postumitenko)
 

"Verlegen" oder "verrissen" heißt es oft, wenn der Rücken schmerzt:  Muskeln und Sehnen werden als Verursacher ausgemacht, man reibt eine Salbe darauf und hofft auf Besserung. Wenn die Schmerzen im Rücken keine eindeutig erkennbare Ursache haben, sprechen Experten von unspezifischen Rückenschmerzen. Viele Betroffene erholen sich tatsächlich binnen weniger Wochen wieder. Das heißt aber nicht, dass man das Problem ignorieren sollte, warnten Mediziner in Graz.

Nicht in allen Fällen spielen bei spontan auftretenden ausgeprägten Rückenschmerzen ernsthafte körperliche Veränderungen eine Rolle. Ursache für die Mehrzahl der unspezifischen Rückenschmerzen können etwa sogenannte Funktionsstörungen im Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Gelenken und Sehnen durch Bewegungsmangel, Fehlhaltungen und einseitige Belastung sein. Vielfach tritt binnen weniger Wochen wieder ein Rückgang der Schmerzen ein.

Viele Menschen machen den Fehler und legen sich mit den Schmerzen ins Bett. Das verschlimmert aber in der Regel die Beschwerden.

Karl Horvath, ärztlicher Projektleiter

In Bewegung bleiben, nicht liegen

"Das heißt aber nicht, dass man sie ignorieren sollte", hob Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV) an der Med Uni Graz hervor. "Im Gegenteil: Man sollte jedenfalls alles tun, um zu verhindern, dass der Rückenschmerz chronisch wird". Was angeraten ist und was nicht, hat das Grazer Institut im Auftrag des Hauptverbands der Österreichischen Sozialversicherungsträger zusammengefasst und einen Behandlungspfad für Patientinnen und Patienten mit nicht-spezifischem Rückenschmerz erstellt.

Erste Anlaufstelle und Hauptkoordinator für den Versorgungsprozess sollte laut den Grazer Experten der Arzt sein. Finden sich keine Warnhinweise auf gefährliche Verläufe wie Fieber, Ermüdbarkeit oder Schüttelfrost oder auch besonders starke Schmerzen in der Nacht, sind demnach vorerst keine Röntgen- oder MRT-Untersuchungen erforderlich.

Tritt der Rückenschmerz plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auf, sei es das Wichtigste in Bewegung zu bleiben. "Viele Menschen machen den Fehler und legen sich mit den Schmerzen ins Bett. Das verschlimmert aber in der Regel die Beschwerden", hob der ärztliche Leiter des Projekts , Karl Horvath, hervor.

Zum IAMEV

Das IAMEV in Graz wurde im Jahr 2015 gegründet und an der Med-Uni Graz angesiedelt. Hauptaufgabe ist die evidenzbasierte und praxisorientierte Forschung sowie Analysen des Versorgungsgeschehens in Einzelordinationen und in den neuen Primärversorgungseinheiten.

Zu den Schwerpunkten zählen neben der Erstellung von Behandlungspfaden u.a. die Entwicklung evidenzbasierter Gesundheitsinformationen, die systematische Zusammenfassung von bestehenden Studien zu unterschiedlichen medizinischen Themen bis hin zur Erstellung von Versorgungskonzepten für neue Primärversorgungseinheiten sowie die universitäre Lehre.

Ausdauer- und Krafttraining

Wenn der Rückenschmerz keine ernst zu nehmenden Ursachen oder krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule hat, sei es wichtig, die normalen Alltagsaktivitäten nicht einzuschränken. Empfohlen werden auch Ausdauer- und Krafttraining unter Anleitung, Dehnungsübungen und Wärmetherapien. Zeigen die nicht-medikamentösen Therapien keinen ausreichenden Erfolg, können Medikamente aus der Gruppe der Nicht-Steroidalen Antirheumatika helfen, die Beschwerden zu lindern.

Erst wenn sich nach vier bis sechs Wochen keine Besserung zeigt, sollten weitere Abklärungen durch bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, CT) Labor, bzw. eine Überweisung an einen Facharzt oder Spezialambulanz erfolgen. Hält der Schmerz länger als zwölf Wochen an, spricht man von chronischem Rückenschmerz, für den es umfassende Therapie- und Rehabilitationsprogramme gibt.

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