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Frau fürs GrobeSo sieht der Alltag einer Tatortreinigerin aus

Sie kommt, wenn das Leben geht. Tatortreinigerin Claudia Kettner geht dorthin, wo andere wegsehen.

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Tatortreinigerin
© © Helmut Lunghammer
 

Man muss abgehärtet sein“, erklärt Claudia Kettner. Seit 2018 bietet die 33-Jährige neben herkömmlicher Gebäudereinigung einen weiteren Service an: Tatortreinigung. Warum sie manchmal als „nicht normal“ bezeichnet wird und was sie bei ihrem ersten Tatort erwartete.

Ich wurde angerufen, als ich mit meiner Mutter und Tochter einkaufen war. Es hieß, dass es dringend sei, weil es um einen Vorfall mit einer Schusswaffe in einer öffentlichen Toilette geht. Auf der Fahrt dorthin war ich nervös, aber als ich dort war, hat sich das gelegt. Es hat wirklich schlimm ausgesehen. Das Gute war aber, dass Blut, wenn es frisch ist, nicht so schwer zu beseitigen ist.

Empfinden Sie in diesen Situationen keinen Ekel?

Nein, ich bin eine Metzgerstochter, ich habe schon vieles gesehen. Wenn ich Besichtigungen bei Messiewohnungen habe und alle schon meinen, dass sie den Geruch nicht aushalten, merke ich zwar, dass es stinkt, aber man gewöhnt sich daran.

Wenn Sie nach einem Gewaltdelikt gerufen werden, haben Sie da gar keine Angst?

Eigentlich nicht. Nur einmal war ich in der Wohnung eines Mannes, der erschossen wurde. Anhand der Einrichtung und anderer Gegenstände konnte ich sehen, dass er in rechtsextremen Kreisen verkehrte. Da habe ich mir schon gedacht, hoffentlich kommt jetzt keiner von denen.

Ich bin eine Metzgerstochter, ich habe schon vieles gesehen.

Tatortreinigerin Claudia Kettner

Sie haben es aber auch oft mit Messiewohnungen zu tun.

Wir haben leider oft die Kombination aus Messiewohnungen und Todesfall. Eine Dame lag einmal drei Monate tot in ihrer Wohnung, bevor es jemand bemerkt hat. Das passiert, weil heute alles so anonym ist und sich niemand mehr wundert, wenn sich beim Nachbarn die Zeitungen vor der Haustüre türmen.

Sie werden sicher oft auf Ihren Job angesprochen.

Die Leute fragen mich, wie man das machen kann und ob es mich in meinen Träumen verfolgt. Für mich ist es eine Baustelle, die abgearbeitet werden muss. Es darf mir nicht nahe gehen.

Lesen oder schauen Sie Krimis?
Ich mag Horrorfilme.

Machen Sie Ihren Job gerne?
Ich traue mich das fast nicht zu sagen, aber ja. Ich höre oft von anderen, dass ich deshalb nicht ganz normal bin. Wenn aber etwas Grausiges bei uns in der Gegend passiert, dann rufen sie eigentlich immer mich an. Unter dem Motto: Die Kettner ist fürs Grobe.

Zur Person

Claudia Kettner (33) aus Rottenmann ist Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigermeisterin. Sie betreibt in Bad Ischl ihre eigene Firma mit 14 Mitarbeitern.
Ausbildung: In Österreich dürfen Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigermeister auch Tatorte reinigen. Kettner hat aber eine Zusatzausbildung gemacht.