Den Traminer gibt es ja nicht wirklich“, erklärt Sommelier René Kollegger gleich zum Auftakt am Weingut Müller in Klöch. Und Winzer Stefan Müller nickt zustimmend: „Genau. Der Traminer ist quasi die Übergruppe. Und dann gibt es diese einzelnen Varianten. Eben den Roten Traminer, den Gelben Traminer und den Gewürztraminer.“ Die beiden stehen mitten im Weingarten in der Riede Hochwarth. Der Klöcher Steinbruch gefühlt nur einen kräftigen Steinwurf entfernt. Vor Millionen von Jahren hat hier ein Vulkan gebrodelt, dem es zu verdanken ist, dass die Erde hier so außerordentlich reich an wertvollen Mineralstoffen ist.

Video - Mit René Kollegger zu Gast bei Winzer Stefan Müller

Klöch und seine Winzer sind weltweit berühmt für den Traminer. Vor allem Stefan Müller exportiert mittlerweile weit über die heimischen Grenzen hinaus. „Aber warum kann sich diese Rebsorte genau hier so toll entfalten?“, fragt der Sommelier den Winzer. „Der Boden besteht aus Vulkangestein. Basalt und Tuff gemischt mit eisenhaltigem rötlichem Ton, der reich an Mineralien ist“, veranschaulicht Müller das Terroir der Riede Hochwarth. Im Vergleich zu den meisten Rebsorten der Traminer-Rebsortenfamilie, deren Beeren kräftig grün sind, bekommt Gewürztraminer erst ab Herbst rötlich gefärbte Beeren. Deshalb nennt man ihn auch Roter Traminer.

Was Sommelier Kollegger vor Ort aber unmittelbar feststellt: „Hier steht definitiv die Lage über der Sorte und gibt im Wein den Ton an.“ Dem kann Müller nur zustimmen: „Unsere Riede Seindl repräsentiert etwa den ursprünglichen Vulkankegel in Klöch. Die Böden aus Vulkangestein sind etwas sandiger und weniger tiefgründig als am Hochwarth. Die Weine präsentieren sich vielschichtig, besitzen Tiefgang und sind mit dunkler Würze unterlegt.“

In Klöch, dem Zentrum des Tramineranbaus, gibt’s ideale Bedingungen für die Rebsorte: fruchtbare, vulkanische Böden und milde Temperaturen.
In Klöch, dem Zentrum des Tramineranbaus, gibt’s ideale Bedingungen für die Rebsorte: fruchtbare, vulkanische Böden und milde Temperaturen. © Georg Hoffelner

Im Weinkeller der Müllers angekommen, wird sogleich verkostet. „Mich begeistert es immer, wenn ich Herkunftsweine wie diese ins Glas bekomme. Weine, die einen Trinkfluss haben, eine gewisse Spannung, aber eben noch nicht so kräftig sind“, freut sich der Sommelier. Und Müller macht klar: „Der Gelbe Traminer ist quasi unser Einstieg in die Traminer-Welt. Den Gelben Traminer bauen wir gern trocken aus. Eben aus dem Grund, weil er ein bisschen weniger Tannin hat als der Gewürztraminer.“ Da man ihn etwas früher ernten kann, ergibt sich ein sehr eleganter, feiner Traminer, aber mit einer schönen Trinkfreudigkeit.

Traminer bringt von Haus aus sehr viel Aroma mit. „Man muss ihn fast ein bisschen bändigen, oder Stefan?“, feixt Kollegger. „Es gibt nichts Leichteres, als einen großen duftigen Traminer zu machen. Aber die Kunst ist es, ihn elegant und balanciert zu machen“, erklärt Müller.

Der Klöcher Traminer wird in allen Qualitätsstufen vinifiziert, vom trockenen bzw. halbtrockenen Ortswein bis hin zum Prädikats- und Riedenwein.
Der Klöcher Traminer wird in allen Qualitätsstufen vinifiziert, vom trockenen bzw. halbtrockenen Ortswein bis hin zum Prädikats- und Riedenwein. © Georg Hoffelner

Zum Abschluss kommt ein Gewürztraminer der Riede Hochwarth ins Glas. Der Sommelier ist fasziniert: „Ein Wein, der zeigt, dass Traminer nicht immer ein mächtiger, brachialer Wein sein muss. Er beweist, dass diese Rebsorte auch Eleganz, Frische und Festigkeit kann.“