Es war 1997, als „Harry Potter und der Stein der Weisen“ herauskam. Gerade einmal 500 Exemplare wurden in der ersten Auflage gedruckt. Erfunden hat die Geschichte rund um den Zauberlehrling J.K. Rowling, die damit das Fundament für ihre geradezu märchenhafte Karriere legte, die zuletzt etwas an Glanz verloren hat. Am Donnerstag (31. Juli) feiert die britische Erfolgsautorin ihren 60. Geburtstag. Sie erinnert sich noch genau, wie sie zum ersten Mal eines ihrer Bücher in einer Buchhandlung entdeckte. „Es war einer der besten Momente meines Lebens“, sagte Rowling in einem Podcast vor einigen Jahren.

Als der erste Potter-Band herauskommt, ist sie „so arm wie man im modernen Großbritannien abgesehen von Obdachlosigkeit nur sein kann“, erzählt sie der „Times“ später. Inzwischen gehört die Schriftstellerin zu den reichsten Menschen des Landes. Das „Forbes“-Magazin schätzt ihr Vermögen auf 1,2 Milliarden US-Dollar (rund eine Milliarde Euro).

HARRY POTTER AND THE SORCERER S STONE, from top: Rupert Grint, Daniel Radcliffe, Emma Watson, 2001, Warner Brothers/courtesy Everett Collection Warner Bros/Courtesy Everett Collection ACHTUNG AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xWarnerxBros/CourtesyxEverettxCollectionx MCDHAPO EC151
Rupert Grint, Daniel Radcliffe und Emma Watson waren die Hauptdarsteller in den Potter-Verfilmungen © Warner Bros/Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de

Zu verdanken hat es Rowling dem Zauberlehrling Harry Potter, um den sie einen wahren Kosmos erschaffen hat. Sie füllt damit sieben Romane und weitere Bücher, acht Kinofilme, sowie drei weitere Filme, die an die Geschichten angelehnt sind und ein Theaterstück, das unter anderem in London, New York, Hamburg und Tokyo zu sehen ist.

Hinzu kommt eine Serie beim US-Sender HBO, die im Jahr 2027 anlaufen soll. Unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht sie zudem Krimis. Ihre Fans verehren sie zeitweise wie ein Idol .Die Geschichte der J.K. Rowling gleicht einem Märchen. Es ist beinahe wie in ihrer eigenen Erzählung, in der ein verwaister elfjähriger Bub plötzlich übermenschliche Kräfte in sich entdeckt, die ihm die Tür zu ungeahnten Möglichkeiten eröffnen.

Gewalttätiger Ehemann

Rowling, die eigentlich nur Joanne mit Vornamen heißt - die Initialen-Kombination J.K. verordnete ihr ein Verleger - lebt Anfang der 90er-Jahre mit einem gewalttätigen Ehemann in Portugal zusammen. Die Kontrolle geht so weit, dass ihr der eigene Hausschlüssel und der Zugang zum Manuskript ihres ersten Buchs teilweise vorenthalten werden. Sie schafft es, mit ihrer ältesten Tochter, damals noch ein Baby, diesen Verhältnissen zu entkommen. Doch muss sie noch mal von ganz vorn anfangen. Unterschlupf findet Rowling bei ihrer Schwester in Edinburgh, ihre Mutter ist bereits vor dem Umzug nach Portugal im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen einer Multiple-Sklerose-Erkrankung gestorben. Inzwischen lebt Rowling dort in einem stattlichen Anwesen - wenn sie nicht auf ihrer knapp 90 Meter langen Luxusjacht „Samsara“ in der Karibik unterwegs ist.

This image released by HBO shows actors, from left, Arabella Stanton, Dominic McLaughlin, and Alastair Stout, who will portray Hermione Granger, Harry Potter and Ron Weasley in the HBO series
Arabella Stanton, Dominic McLaughlin und Alastair Stout sind die Darsteller in einer neuen Potter-Serie, die gerade gedreht wird © AP/Aidan Monaghan

Das Märchen könnte hier also enden. Doch so einfach ist es nicht. Denn J.K. Rowling entscheidet sich im Jahr 2020 in eine öffentliche Auseinandersetzung mit Aktivisten für Transrechte zu treten, die bis heute anhält. Auf ihrem X-Account kann man regelmäßig ein Nachrichtengeplänkel verfolgen, das sie sich mit Nutzerinnen und Nutzern liefert .Rowling selbst betrachtet sich als Verfechterin feministischer Werte, die sie durch Transrechte gefährdet sieht. Vor allem die Nutzung von Damentoiletten und -umkleiden durch Transfrauen sieht sie kritisch. Dafür muss sie nicht nur viel sachliche Kritik, sondern in sozialen Medien auch schlimmste Beleidigungen und Gewaltdrohungen über sich ergehen lassen.

Doch Rowling teilt auch kräftig aus und ist dabei nicht wählerisch. Nicht nur Transfrauen geraten ins Visier, sondern auch Menschen wie die algerische Boxerin und Olympiasiegerin Imane Khelif, die bei ihrer Geburt als Mädchen identifiziert wurde und nie in einem anderen Geschlecht gelebt hat. Das hindert Rowling aber nicht daran, die Boxerin als Mann zu bezeichnen, „der sich am Leid einer Frau erfreut, der er gerade auf den Kopf geschlagen hat“ .Als das oberste britische Gericht im April in einem Grundsatzurteil feststellt, dass Transfrauen keinen Anspruch auf Gleichstellung geltend machen können, weil sie im biologischen Sinne keine Frauen seien, triumphiert Rowling. Zu einem Foto, das sie mit Drink und Zigarre auf ihrer Jacht zeigt, schreibt sie auf X: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“