Das Durchhalten wurde gefeiert – so könnte man die Ergebnisse der Golden Globes-Nacht zusammenfassen. Einerseits erhielt Demi Moore mit 62 Jahren nach 45 Jahren im Filmbusiness ihre erste Auszeichnung für ihre sensationelle Performance im Bodyhorror-Film „The Substance“ und zelebrierte das mit einer emotionalen Rede. Ikone Jodie Foster – ebenso 62 – wurde für ihr Spiel in der Krimi-Serie „True Detective“ ausgezeichnet. Legendinnen-Status einzementiert.
Das Nicht-Aufgeben stand aber auch im Fokus vieler prämierter Filme: Jacques Audiards wilder Musicalthriller Emilia Pérez über einen Kartell-Boss, der sich zur Frau umoperieren lässt, konnte vier der zehn Nominierungen ummünzen und erhielt die Statuetten in den Kategorien bester Film (Komödie/Musical), beste Nebendarstellerin (Zoe Saldaña), bester nicht-englischsprachiger Film und bester Song.
Golden Globes - Gewinnerinnen und Gewinner
Und Brady Corbets eindringliches Epos „The Brutalist“ erhielt drei goldene Weltkugeln für den besten Film (Drama), die beste Regie und den bester Hauptdarsteller (Adrien Brody). Der über drei Stunden dauernde Film erzählt die fiktive Biografie des jüdisch-ungarischen Architekten László Toth, der nach den Schrecken des Holocausts in den USA neu durchstarten will. Der Oscarpreisträger (“Der Pianist“) nahm die Trophäe unter Tränen entgegen und widmete ihn seiner Mutter und seinen Großeltern, die einst in die USA einwanderten. Er hoffe, dass dieser Film allen Menschen, denen die Einwanderung schwergefallen sei, „Sie ein wenig erhebt und Ihnen allen eine Stimme gibt“, sagt er.
Eine einzige Durchhalte-Parole ist der sehenswerte, politische Film „I‘m still here“ von Walter Salles. Er berichtet von Eunice Paivas, deren Politiker-Mann Rubens 1971, inmitten der 21-jährigen Militärdiktatur in Brasilien, von zu Hause abgeholt, gefoltert und getötet wurde. Im Fokus des Dramas steht der unerbittliche Kampf seiner Frau um Aufarbeitung und Aufklärung. Das Drama setzt den Vermissten und ihren Angehörigen ein Leinwand-Denkmal. Hauptdarstellerin Fernanda Torres erhielt den Preis als beste Darstellerin in einem Drama – und setzte sich gegen die hochkarätige Konkurrenz rund um Pamela Anderson, Tilda Swinton, Kate Winslet sowie Angelina Jolie durch. Auch der Gewinner der Kategorie Musical/Komödie kam wohl für viele überraschend: Den Golden Globe bekam Sebastian Stan für das feine Indie-Drama „A Different Man“, das sich mit der Krankheit Neurofibromatose beschäftigt.
Die Umstrukturierung und Erweiterung der Golden Globes Jury hat – das belegen nun die Ausgezeichneten – eine Internationalisierung gebracht: 334 Journalisten und Journalistinnen stimmen nun ab, der Anteil an Frauen wurde auf 47 Prozent gesteigert. Die Trennung in Drama sowie Komödie/Musical erschwert es seit jeher, die Globes als Barometer für die Oscar-Verleihung zu sehen. Dass Schauspielstars wie Daniel Craig, Hugh Grant, Nicole Kidman, Angelina Jolie oder Timothée Chalamet nun nicht ausgezeichnet wurden, ist ein kräftiges Symbol für Filme wie „Emilia Perez“, die das Weltkino repräsentieren. Auch als bester Animationsfilm setzte sich mit „Flow“ ein entzückender Film aus Frankreich gegen große Blockbuster-Streifen wie „Vaina 2“, „Inside Out 2“, „Wallace & Gromit: Vergeltung mit Flügeln“ und „The Wild Robot“ durch. Auch das könnte ein Richtwert für die Oscar-Verleihung in der Nacht auf 3. März sein.
Die schönsten Roben
Im TV-Sektor spielte die Internationalisierung keine große Rolle. Die Dramaserie „Shôgun“ von Disney+ mutierte zum großen Abräumer der Nacht, Globes erhielten u.a. alle nominierten Darstellerinnen und Darsteller, zudem gab es die Statuette als bestes TV-Drama. In der Komödien- oder Musical-Sparte dominierte die HBO-Produktion „Hacks“ über Stand-up-Comedians in Las Vegas. Das Missbrauchsdrama „Rentierbaby“ reüssierte im Bereich „Limited Series“ erwartungsgemäß.