Es war der mit Abstand emotionale Höhepunkt dieser Golden Globe-Nacht: Demi Moores Dankesrede. Für ihre furchtlose Darstellung im Bodyhorror-Film „The Substance“ wurde sie als beste Darstellerin in der Sparte Komödie/Musical ausgezeichnet – zum ersten Mal erhielt sie einen Preis als Schauspielerin. „Vor dreißig Jahren sagte mir ein Produzent, dass ich eine ‚Popcorn-Actress‘ sei“, sagte Demi Moore. „Und damals habe ich es so verstanden: Dass ich zwar Filme machen konnte, die erfolgreich waren und viel Geld einbrachten, aber dass ich nicht anerkannt werden konnte. Und ich habe mich darauf eingelassen und habe das geglaubt.“ Das hätte sie sehr zermürbt, erzählt sie offen weiter. Genau dann sei das völlig verrückte Drehbuch zu „The Substance“ von Regisseurin Coralie Fargeat zu ihr gekommen. Sie sagte zu und zeigte, dass sie weit mehr drauf hat als das Sexsymbol-Beiwagerl, in das man sie früher oft gedrängt hat.
Demi Moore plädierte in der Globe-Nacht sichtlich gerührt dafür: “In den Momenten, in denen wir denken, dass wir nicht klug genug oder hübsch genug oder dünn genug oder erfolgreich genug oder einfach nicht genug sind”, so Moore, “sagte eine Frau zu mir: ‚Du musst wissen, dass du nie genug sein wirst. Aber du kannst deinen Wert erkennen, wenn du einfach die Messlatte weglegst.‘“
Im Cannes-Hit „The Substance“ spielt Moore eine ältere Schauspielerin, deren Ruhm etwas verblasst ist und die deswegen ihr jugendliches Aussehen optimieren will. Die titelgebende Substanz ist ein unter der Hand gehandeltes Mittel, mit dem man durch chemisches Klonen eine jüngere, schönere Version seiner selbst erstellen kann.
Die schönsten Roben
In „The Substance“ sagt ein Mann zu Moore als schwindender Hollywood-Diva und Aerobic-Trainerin diesen Satz: „Mit 50 endet es eben.“ So etwas habe sie sich persönlich nie anhören müssen, so Moore bei der Pressetour zum Film. „Aber ich bin mir der Tatsache bewusst, dass der Wert von Frauen lange Zeit an ihrer Fruchtbarkeit gemessen wurde.“
Für ihr Drehbuch wurde Coralie Fargeat heuer bei den Filmfestspielen in Cannes geehrt. Und darin darf man Demi Moore erleben, wie sie auf ihre eigene Geschichte in Hollywood zurückblickt, die oft wie eine Achterbahnfahrt anmutet. In den 1990ern mutierte sie zum Sexsymbol, als Robert Redford als Milliardär in „Ein unmoralisches Angebot“ ein Vermögen für eine Nacht mit ihr hinblätterte. Sie war zweimal für einen Golden Globe nominiert (u. a. „Ghost – Nachricht von Sam“), aber siebenmal als schlechteste Darstellerin für die Goldene Himbeere. Affären, Sucht-Skandale hielten sie ebenso in den Schlagzeilen wie ihre liebevolle Art, sich um ihren kranken Ex-Mann Bruce Willis zu kümmern. Hollywood liebt diese Comebacks, die mit dem echten Leben korrelieren. Und die Globes-Jury auch.