Alle 51 Angeklagten sind schuldig gesprochen und verurteilt. Nach einem öffentlichen Prozess, der weltweit für Aufsehen sorgte, ist Gisèle Pelicot am Donnerstag Gerechtigkeit widerfahren. Auch wenn wütende Frauen vor dem Gericht in Avignon gegen das Urteil protestierten, weil nicht über alle Täter die Höchststrafe verhängt wurde. Der Zorn ist verständlich. Über Jahre hinweg wurde Gisèle Pelicot von ihrem Ehemann unter Drogen gesetzt; ihren betäubten Leib bot er Dutzenden Männern zur Vergewaltigung an. Mehr als 20 von ihnen sind noch gar nicht identifiziert, sie müssen erst gefunden und vor Gericht gestellt werden. Manche der Täter haben das schändliche Angebot sechs Mal angenommen. Einige wenige haben es sich anders überlegt. Aber auch von ihnen hat keiner Gisèle Pelicots Ehemann angezeigt. Das ist eine der bedrückenden Erkenntnisse aus dem Prozess: Dass im Weltbild all dieser Männer die Integrität, Sicherheit und Würde dieser Frau nicht die geringste Rolle spielte.