ORF-Chefwahl15 Jahre auf dem ORF-Thron: Endet die Ära Wrabetz?

Alexander Wrabetz (61) dürfte heute trotz seines ausgesprochen taktischen Talents kein viertes Mal auf den ORF-Chefsessel kommen. Der ÖVP-Wunschkandidat Roland Weißmann kann bei der Abstimmung im ORF-Stiftungsrat auch mit Stimmen der Grünen rechnen.

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"Ich habe gezeigt, dass ich das Unternehmen in schwierigen Zeiten führen kann. Ich habe wichtige Zukunftsprojekte begonnen und habe große Lust und Freude, diese in die Tat umzusetzen", sagte Alexander Wrabetz anlässlich seiner Wiederkandidatur © Juergen Fuchs
 

Wendigkeit kann Alexander Wrabetz niemand absprechen, sonst säße er derzeit nicht als erster Mann in einer dritten aufeinanderfolgenden Amtszeit an der ORF-Spitze. Seine taktischen Manöver hoben im August 2006 Monika Lindner aus dem Sattel, denn Wrabetz – damals in der Funktion des kaufmännischen Direktors – wusste die Gunst der Stunde und seine diplomatischen Fähigkeiten zu nutzen.
Die schwere Demütigung durch den SP-nahen Wiener für Wolfgang Schüssel & Co. ist nicht vergessen. Schaffte es Wrabetz doch, gegen die schwarze Lindner von einer Regenbogenkoalition aus SPÖ, BZÖ, Grünen, FPÖ und Unabhängigen zum neuen ORF-Generaldirektor gewählt zu werden. Seine SPÖ-Mitgliedschaft stellte er mit Antritt der ORF-Chef-Funktion (1. Jänner 2007) ruhend. Bei seiner ersten Wiederwahl 2011 stimmten dann auch etliche ÖVP-Stiftungsräte mangels Alternativen für ihn.

Der dreifache Vater, Opern-Fan und clevere Stratege wusste sogar die Unzufriedenheit seiner (ehemaligen) Parteifreunde zu überstehen: Der damalige Bundeskanzler Werner Faymann (2008–2016) und dessen Staatssekretär Josef Ostermayer zeigten phasenweise und nicht leise Lust daran, Wrabetz abzusägen. Zuletzt, also 2016, vermochte er sich knapp gegen den von der ÖVP unterstützten Konkurrenten Richard Grasl durchzusetzen – mit den Stimmen der SPÖ, Grünen, Neos und Unabhängigen im Stiftungsrat.



Dabei stammt der promovierte Jurist aus einer FPÖ-nahen Familie, neigte politisch jedoch früh in eine andere Richtung: Er engagierte sich beim Verband Sozialistischer Studenten und war ein Jahr lang auch dessen Bundesvorsitzender. In den ORF wurde er allerdings 1998 vom VP-nahen ORF-General Gerhard Weis geholt. Damals war er noch Vorstandsmitglied des Medizinkonzerns Vamed.
Dr. Alexander Wrabetz zum Generaldirektor des ORF gewaehlt
Generaldirektor Alexander Wrabetz nach seiner ersten Kür im August 2006 Foto © ORF

Finanziell bilanziert der ORF "2020 zum vierten Mal in Folge positiv, wird es auch 2021 tun", wie er erklärt. Wirtschaftlich hat er die Ziele trotz Corona-Pandemie also erreicht, die gleichzeitig für Top-Quoten der Informationssendungen sorgte. ORF 2 ist auch mit seinen anderen Formaten gut auf Kurs.

Zu den Leuchttürmen in seiner bisherigen Amtszeit zählt der Sendestart von ORF III im Herbst 2011 und der Erfolg von heimischen TV-Serien. In der ersten Ära, als er die "größte Programmreform aller Zeiten" ausrief, kam es zu einigen Stolperern – Flops wie die Daily Soap "Mitten im Achten" oder Dominic Heinzls "Chili" sorgten für einen holprigen Start. Zu spät wurde der Reformstift bei ORF 1 angesetzt, dort will er bei einer Wiederwahl laut seines Konzepts eine Umgestaltung "ohne Alternative". Das muss nun wohl Roland Weißmann schaffen.
Unterliegt ihm Wrabetz heute, dann nicht aufgrund seiner Bilanz der letzten Jahre.

ORF-Stiftungsrat: Team von ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz mit klarer Mehrheit bestellt
Wrabetz mit seinen aktuellen Direktoren Andreas Nadler (Kaufmännischer Direktor), Kathrin Zechner (Programm), Monika Eigensperger (Radio), Michael Götzhaber (Technik) Foto © ORF

Kommentare (9)
argus13
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15 Jahre

Wrabetz sind genug, es gehört ein frischer Wind in den verkrusteten mit Seilschaften verhafteten roten ORF. Immer die gleichen Moderatoren ( ausg.ZIB), mit ewig gleichen Formaten, alles wird zerkaut. Die Kommentare sind rot gefärbt dagegen sind ARD, ZDF ein Genuss! Detto die Diskussionsrunden mit gefärbten Teilnehmern. Keine neutrale und objektive Berichterstattung. Genüsslich wird IBIZA UA zelebriert, aus dem nichts straffälliges herauskam. Lederjacken Zechner bestimmt das tolle Programm. Zu teuer beim Personal und Verwaltung - GIS gehört abgeschafft!

shaba88
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Kommentar

hoffentlich und die Karin Bernhard bitte mitnehmen. Allerdings sind die Bewerber auch eine Katastrophe

umo10
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Keiner der 3 Kandidaten kann Hr Wrabetz das Wasser reichen

Jetzt wo das mit Thomas Schmid, Sidli uvm. aufkam, wird die ÖVP sich hüten, nur irgendeinen Einfluss zu nehmen! Alle Gegenkandidaten haben keine Medienmanagerqualitäten in ihren Lebensläufen. Mit ihnen kann’s eigentlich nur schlechter werden. Wolf, Kratky, Pötzelsberger würden im nu verstummen

SoundofThunder
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🤔

Wenn man sich die politische Besetzung des Stiftungsrats anschaut kann man nur mehr sagen: Bastifunk.

SoundofThunder
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PS

Früher habe ich wegen der GIS Gebühren argumentiert , dass, wenn man dem ORF die Mittel streicht , der ORF von der Politik abhängig sein wird. Aber das ist er so oder so. Also,warum soll ich für einen Türkisfunk bezahlen? Und nach dieser Scheinwahl werden die GIS Gebühren kein Thema mehr sein.

Balrog206
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Ah

Jetzt wirst auch endlich langsam munter ! Vorher war’s egal jetzt störts ! ( na endlich )

jeamy
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Es ist vor allem eines nicht:

Eine Wahl. Es ist eine Bestellung.

sgy
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Warum zahlen wir GIS

Die Wahl eines Generaluntendanten liegt ausschließlich in den Händen eines politisch orientierten Stiftungsrates. Das zum unabhängigen ORF.
Warum dürfen die Hörer und Seher, welche eine doch recht bedeutende jährliche Summe für den ORF zahlen müssen, nicht ihre Stimme bei der Wahl einbringen?

walterkaernten
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@sgy

stimme ganz mit ihen überein

zusatz:
Wenn die kosten erhöht werden müssen:

1.
Warum bei der ZIB 2 sprechen. Ein sinnloses hin und her geschwaffel.....
2.
mehrere kameras, sodass die sprechen oft nich wissen wohin sie schauen sollten.....
Schsde ums geld

3.
Sommergespräch wie gestern:
Ein UNNÖTIGER aufwand.
Es gibt im funkhaus sicherlich genug schöne räume oder ecken so das gespräch ohne aufwand gemacht werden könnte.

An den ORF:
Enmal über kosteneinsparung nachdenken, und nicht nur die PRIVILEGIEN geniessen......