Eigentlich hätte die BBC ja Anlass zum Feiern. Ihre neue Reality-Show „Celebrity Traitor“ vermochte vorige Woche zwölf Millionen Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Millionen Fans versammeln sich jetzt auch wieder jedes Wochenende vorm Bildschirm, damit ihnen keine Folge der britischen Tanzstreit-Erfindung „Strictly Come Dancing“ (bei uns „Dancing Stars“) mit all ihren kuriosen Details entgeht.

Andere Programme verzeichnen ebenfalls Rekord-Zuspruch. Und mit ihrer Nachrichtengebung genießt die „Beeb“ – die inzwischen 103 Jahre alte British Broadcasting Corporation – letzten Umfragen zufolge noch immer mehr Vertrauen als sonst irgend ein Medium im Vereinigten Königreich.

Aber all ihre Popularität hilft der berühmten Anstalt dieser Tage herzlich wenig. Mit einem Mal findet sich die BBC in einer Krise, die potenziell die Existenz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf der Insel bedroht.

Buchstäblich kopflos steht sie da, nachdem ihr Intendant Tim Davie und Deborah Turness, die Direktorin der Nachrichten-Abteilung der BBC, sich zu Wochenbeginn zum Abgang gezwungen sahen. Schockiert haben die Mitarbeiter auf die unerwarteten Rücktritte reagiert. Von einer „äußerst finsteren Stimmung“ unter den 20.000 Angestellten des Senders haben viele der Betroffenen seither berichtet: „Das könnte der Anfang vom Ende sein für die BBC!“

Gegner der Anstalt wiederum, die schon lang gegen sie zu Felde gezogen sind, glauben nun ihrerseits Grund zum Feiern zu haben. Sie haben die Führung der BBC zur Strecke gebracht und den Sinn des Erhalts der Institution in Frage gestellt. Die traditionell einflussreiche Rechtspresse des Landes, samt dem neuen rechtspopulistischen Nachrichtensender GB News, sieht sich ihrem Ziel, die Glaubwürdigkeit der großen Rivalin zu erschüttern und sie so entscheidend zu schwächen, in diesem November näher denn je.

Die BBC soll vor Trump auf die Knie sinken

Tory-Politiker beschuldigen die BBC jetzt durch die Bank weg „institutioneller Voreingenommenheit“ und wollen sie „von Grund auf umgemodelt“ sehen. Reform-Chef Nigel Farage plant schon die Streichung der Rundfunkgebühren, auf deren Basis die BBC seit jeher operiert. Und nun kommt auch noch Donald Trump mit dem großen Hammer daher. Denn der US-Präsident will die britische Anstalt, wenn sie nicht bis heute Abend vor ihm auf die Knie sinkt, um „mindestens eine Milliarde Dollar“ erleichtern.

So viel Schadenersatz fordert Trump der britischen Öffentlichkeit ab. Wenn die BBC nicht eine vollständige Richtigstellung der Doku veröffentlicht. Schließlich habe die BBC den guten Donald „zutiefst gekränkt“, hat Farage erklärt nach einem Telefongespräch mit Trump am vorigen Freitag. Nun will der Präsident dem Land, „das vorgibt, unser engster Verbündeter zu sein“, zeigen, dass er sich das nicht länger bieten lässt. Für Trump ist die „Tante BBC“ schlicht eine „linke Propaganda-Maschine“, die „korrupte Journalisten“ mittels „hundertprozentig gefälschter Nachrichten“ in Gang halten Tag für Tag.

Rückblick: In einem Programm der BBC-Panorama-Redaktion hatten die Verantwortlichen zwei separate Teile einer von Trump gehaltenen Rede vom 6. Jänner 2021 (Tag des Sturms aufs Kapitol) zusammengekoppelt, um den Eindruck zu erwecken, dass der damalige Wahlverlierer Trump seine Anhänger direkt zu gewalttätigen Handlungen angestachelt hatte. Letzteres hatte Trump ja stets dementiert. Seine Aussagen wurden ohne klare Kennzeichnung zusammengeschnitten.

Und so hätte diese Filmfassung „nie ausgestrahlt werden dürfen“, kommentiert jetzt im Rückblick auch Londons seriöse „Financial Times“ nachdenklich – „selbst wenn Trump den Angriff auf den Kongress wirklich angestiftet haben sollte damals“.

Probleme mit junger Zuseherschaft

Tiefer greifende Probleme, die mit der wachsenden Bedeutung der sozialen Medien und neuen Gewohnheiten des Nachrichten-Konsums zu tun haben, machen der BBC dabei freilich auch zu schaffen. Bei aller Popularität landesweit gefeierter Programme gehen der BBC immer mehr junge Zuschauer und Zuhörer verloren. Hunderttausende von Briten kündigen außerdem jedes Jahr ihre Rundfunkgebühren auf.

„Wenn aber die Rundfunkgebühr erst einmal weg ist, hört Auntie BBC auf, ein öffentliches Gut zu sein und wird zu einer Schachfigur auf dem Markt“, formuliert es besorgt der im progressiven Lager stehende Londoner „Guardian“: „Das wäre das Ende der BBC, wie wir sie kennen!“

BBC entschuldigt sich bei Trump

Am Donnerstagabend wurde schließlich bekannt, dass sich die BBC bei US-Präsident Donald Trump entschuldigt hat. Im Wortlaut heißt es unter der Rubrik „Korrekturen und Klarstellungen“ veröffentlichte Text: „Die BBC möchte sich bei Präsident Trump für dieses Fehlurteil entschuldigen.“ Auf ihrer Website heißt es außerdem, der BBC-Vorsitzende Samir Shah habe „separat einen persönlichen Brief an das Weiße Haus geschickt, in dem er Präsident Trump klarstellt, dass er und die BBC die Bearbeitung der Rede des Präsidenten vom 6. Jänner 2021, die in der Sendung ausgestrahlt wurde, bedauern“. Zudem plane die BBC „keine Wiederholung der Dokumentation Trump: Eine zweite Chance?“ auf irgendeiner anderen BBC-Plattform.