Petar Pismestrović trifft man in Klagenfurt oft im Gehen. „Das braucht man“, sagt er. Und man trifft ihn immer mit seiner Frau Mirijana – mit der er seit 48 Jahren verheiratet ist.
Beim Gehen lüftet er seinen Kopf aus: „Ich bin noch frisch“, sagt er mit einem Lächeln. Der Karikaturist der Kleinen Zeitung hat jetzt auch wieder bewiesen, dass er ein Meister seines Faches ist: Mit einer Karikatur des montenegrinischen Malers Vojo Stanić konnte er den ersten Preis in der Kategorie „Porträt“ beim Karikaturenfestival in Kolašin in Montenegro gewinnen.
Karriere begann mit 17 Jahren
Der 74-jährige Karikaturist ist in Sremska Mitrovica im ehemaligen Jugoslawien geboren, studierte in Zagreb Politikwissenschaften und lebte dort auch als 1991 im Vielvölkerstaat der Krieg ausbrach. „Seit dem Jahr bin ich auch in Kärnten. Ich bin wegen des Krieges nach Österreich. Ein Pazifist wie ich passt nicht zum Krieg“, sagt er. Nach Kärnten ist er zufällig gekommen: „Aber absichtlich geblieben. In Zagreb litt ich an Asthma, das hörte in Kärnten auf.“ Fürs Zeichnen hatte er immer Talent: „Besonders für Gesichter. Im Alter von 17 Jahren habe ich meine erste Karikatur angefertigt. Mit 20 war ich mir sicher, was ich machen wollte.“ Mitte der 1980er-Jahre gründete er in Kroatien eine Vereinigung für Karikaturisten. Um politische Karikaturen zu zeichnen, müsse man die Politik durchschauen: „Man muss ganz genau betrachten, was passiert. Und du musst sehen, was nicht passiert.“ Dafür hat er ein kleines Beispiel parat. Der Rechtspopulist Jörg Haider sagte als Landeshauptmann von Kärnten einmal zu Pismestrović: „Sie sehen, was eigentlich passiert.“ Und das war genau das, was Politiker gerne verborgen hätten.
„Manchmal muss man eine Strategie entwickeln“
Manchmal zeichnet sich eine Karikatur von alleine: „Bei Donald Trump fange ich an, ohne viel nachzudenken. Dann kommen schon die Ideen.“ Andere Themen sind oft komplizierter: „Manchmal muss man auch eine Strategie entwickeln, wenn man fünf Ideen gleichzeitig hat. Dann muss man auswählen.“ Zwischen einer Stunde und drei Stunden benötigt er für eine Karikatur. Er hat weltweit in Zeitschriften veröffentlicht, viele Preise gewonnen und seine Werke in eigenen Ausstellungen präsentiert. Kaum ein Politiker oder eine Politikerin in Österreich wurde von ihm noch nicht gezeichnet.
Der Wahl-Kärntner hat bisher auch drei Romane veröffentlicht: „Schreiben und Zeichnen, damit ist mein Hirn beschäftigt.“ Mit seiner Frau Mirijana hat er die Söhne Siniša, der auch Karikaturist ist, und Goran. Wenn er nicht gerade in Klagenfurt umherwandert, hört er gerne Musik: „Ich bin kein Musiker, aber ich höre gerne Musik.“ In Montenegro war er übrigens noch nie: „Das ist sehr weit weg.“ Dafür fährt er jedes Jahr auf Urlaub in seine Heimat Kroatien: „Nach Pula.“ Und wenn man ihn treffen will, muss man in Klagenfurt einfach nur Spazierengehen.