Noch eine Talkshow - braucht es das wirklich? Kaum ein Fernsehsender kommt ohne Polittalk aus: Seit heute ist auch der ORF um ein neues wöchentliches Talkformat reicher. Künftig wird jeden Dienstag der „ZIB Talk“ um 22.35 Uhr an die „ZIB 2“ (ORF 2 und ORF ON) anschließen. Man durfte also gespannt sein, was die Premieren-Ausgabe den Zuschauern an neuen Erkenntnissen liefert. Angekündigt wurde die Talk-Runde als wöchentliches Format mit wechselnden Moderatoren, immer direkt nach der ZIB 2.
Der Fokus des 30-minütigen Live-Formats soll auf bundespolitischen Themen liegen, geführt werden die Gespräche abwechselnd von Simone Stribl, Alexandra Maritza Wachter, Tarek Leitner und Stefan Lenglinger. Darin sollen - so die Ankündigung der ORF-Programmverantwortlichen - Themen zu aktuellen Meldungen aufgegriffen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.
Zum Auftakt diskutierten Hermann Glettler, Diözesanbischof von Innsbruck, Katharina Renner (Vizepräsidentin Katholische Aktion), Hans Winkler (Journalist, ehemaliger Vorsitzender katholischer Publizisten), der Theologen Paul Zulehner sowie Christina Helmberger-Fleckl (Chefredakteurin „Die Furche“) mit Simone Stribl die Frage: „Der Papst ist tot: Wohin steuert die Kirche?“.
Beim Thema Frauen und Kirche taute die Runde auf
Ohne große Vorrede oder Einführung eröffnete Stribl die Sendung und klopfte die fünfköpfige Runde zum Thema ab. Vermutlich lag es am Thema oder auch an der Nähe zum Tod von Papst Franziskus, dass sich die Runde anfangs schwertat, in Fahrt zu kommen. Die Moderatorin erteilte im Wechsel mit je einer eigenen Frage den Teilnehmern das Wort. Doch die monologartigen Antworten wirkten in der ersten Frage-Runde einstudiert. Erst als es nach rund der Hälfte der Sendezeit auf das Thema Frauen und Kirche kam, taute die Runde sichtbar auf. Renner und Helmberger-Fleckl leisteten der Sendung hier einen guten Dienst mit ihren Positionen.
Apropos Positionen, auf den ersten Blick wirkte das Studio-Setting etwas irritierend. Zwei langgezogene Rednerpulte mit drei bzw. zwei Gästen standen sich gegenüber, Stribl als Moderatorin in der Mitte. Die Frage, ob sich hier konträre Positionen gegenüberstehen, drängte sich aber nur kurz auf. Ob es an der stark moderierenden Rolle von Stribl lag, oder an den Gästen, ein ins Wort fallen oder sich nicht ausreden lassen, wie man es von anderen politischen Talkshows kennt, suchte man vergeblich. Eine wirkliche Diskussion dadurch aber auch. Themen hätte es im Kontext der Fragestellung der Sendung genügend gegeben.
30 Minuten sind ein gutes Format, um sich aktuellen Themen zu widmen, es zwingt die Teilnehmer, auf den Punkt zu kommen. Wie viele Blickwinkel pro Sendung - gemessen an der Zahl der Gäste - einem Thema guttun, wird sich zeigen. Dass die Premiere eher zahm war, lag vermutlich am Thema. Interessant wird es, wenn die erste wirkliche politische Runde zu Gast ist, die das Wort Diskussion etwas angeregter auslegt.