Auffällig still war es in den vergangenen Monaten um Roland Weißmann. Während die Parlamentsparteien in unterschiedlichen Koalitionen über Regierungsabkommen auch über die Zukunft des ORF verhandelten, entschied sich dessen Generaldirektor für strategisches Schweigen – jedenfalls vor den Kulissen.
Am Mittwoch stellte er sich den Fragen von Journalisten und gab Einblicke in den ORF, mit dessen Zustand der seit 2022 an der Spitze stehende Oberösterreicher zufrieden ist: „Das Segelschiff segelt ganz gut dahin“, verweist er auf erreichte Sparziele, „die besten TV-Quoten seit Jahren“ und die Streaming-Entwicklungen. Worüber Weißmann lieber nicht redet? Politik. Den Verhandlern möchte der 56-Jährige nichts in der Öffentlichkeit ausrichten. Er mache das, was er immer gemacht habe: „Ich versuche zu überzeugen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk wichtig ist, beim Publikum gut ankommt, wie die Reichweiten zeigen.“ Auf der anderen Seite sei aber wichtig: „Die Gesetze macht der Gesetzgeber.“ Roland Weißmann über . . .
.. die Finanzen: „Wir stehen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, betont Weißmann und verweist auf das aktuelle Einsparpaket, das über vier Jahre insgesamt 325 Millionen Euro vorsieht: „Der ORF spart 2025 rund 80 Millionen und im Jahr 2026 sind es 104 Millionen. Das sind ziemlich genau die 15 Prozent, die immer kolportiert wurden. Das werden wir auch zusammenbringen.“ Müsse man noch mehr einsparen, „wird man das irgendwann auch im Programm merken.“
.. kurzfristiges Sparen: Das gehe kurzfristig nur über Programme, die dann nicht produziert werden können. Erst wenn konkrete politische Entscheidungen getroffen wurden, werde man auf den Tisch legen können, welche konkreten Konsequenzen daraus zu ziehen sind.“ Weißmann sagt aber auch: „Der ORF hat immer bewiesen, dass er mit Sparvorgaben umgehen kann, und ich bekenne mich auch zu einem sparsamen ORF.“ Seit 2007 wurden rund 1000 Dienstposten abgebaut.
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.. das ORF-Gesetz: „Ich halte den aktuellen öffentlichen Auftrag und das ORF-Gesetz für sehr gut“, sieht Weißmann keinen Änderungsbedarf. Die Gesetzesänderung 2024 sei umfassend gewesen und habe den dualen Medienstandort im Auge gehabt. Der Verlegerverband VÖZ sah das anders: Insbesondere die Beschneidung von news.orf.at ging den Privatmedien nicht weit genug.
.. die ORF-Gehälterliste: In einem Monat wird wieder die Liste der ORF-Topverdiener veröffentlicht, aktuell werden Daten eingehoben. Für Weißmann ein „sensibles Thema“ und „schwer erklärbar“, warum ausgerechnet der ORF diese Liste veröffentlichen muss. Den Kollektivvertrag von 2014 beschreibt Weißmann als „absolut marktkonform“, es sei also nur eine Frage der Zeit, bis alle Mitarbeiter im ORF in diesem beschäftigt sind.
.. einen möglichen Medienminister Wrabetz: In einer potenziellen schwarzroten Regierung wäre der ehemalige ORF-General und Weißmann-Vorgänger Alexander Wrabetz ein Kandidat für den Posten als Medien- und Kulturminister. Für Weißmann eine gute Idee, Wrabetz sei ein echter Medienprofi.
.. alte Bekannte? Dass mit Thomas Prantner ein langjähriger ORF-Direktor – und damit Spitzenverdiener – nun als Stiftungsrat einen schlankeren ORF fordert, sieht Weißmann entspannt: „Man werde einen ordentlichen, korrekten Umgang miteinander haben.“
.. den Zeitpunkt des Interviews: Es ist eine sehr zugespitzte Situation, gerade was die Auseinandersetzung mit dem ORF betrifft. Deswegen melde er sich nur Wort, wenn es etwas zu sagen gibt.
.. die Corona-Berichterstattung: Zum fünften Jahrestag des Ausbruchs der Corona-Pandemie plant der ORF einen umfangreichen Schwerpunkt, inklusive Aufarbeitung der eigenen Berichterstattung. Als Beispiel nennt er die vom ORF initiierte Impf-Lotterie: „Wir haben damals alle jene ausgeschlossen, die nicht geimpft waren. Das kann es nicht sein. Im Nachhinein war die Impf-Lotterie keine gute Idee, ein Fehler.“ Die Corona-Berichterstattung sei Teil einer neuen Kommunikationsoffensive: „Es ist alles so zugespitzt und polarisiert, das wollen wir durchbrechen“.
.. TikTok: Die tödliche Messerattacke in Villach hat den Fokus auf TikTok als Radikalisierungsplattform gelenkt. Anlass, die Plattform zu verlassen, sei das aber nicht, so Weißmann. Man erreiche dort täglich eine Million Menschen. Was es brauche, seien neue Spielregeln und eine Sichtbarkeitsverpflichtung, um qualitätsvolle journalistische Inhalte sichtbarer zu machen.