Man darf den Krieg nie abgekoppelt von der Gesellschaft, die ihn hervorbringt, denken. Das ist eine der Lektionen aus Harun Farockis (1944 – 2014) jahrzehntelanger Beschäftigung mit den Zusammenhängen zwischen Krieg, Kapitalismus und zwischen Politik, Medien und Gewalt. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Jean-Luc Godard und Alexander Kluge zählt Farocki zu den großen Bild- und Filmessayisten, der „herbst“ zeigt einige zentrale und einige eher unbekannte Filmarbeiten des Künstlers.

„Harun Farocki gegen den Krieg“ heißt die von Antje Ehmann, Farockis Witwe, kuratierte Ausstellung im Grazer Forum Stadtpark, die zwei Schaffensphasen gegenüberstellt. Da ist die frühe, ganz vom gegenkulturellen Geist der Sechzigerjahre in der BRD geprägte Frühzeit, in der viele der Arbeiten um den Vietnamkrieg kreisen. Arbeiten, die man fast 60 Jahre später schulmeisternd als historische Irrtümer abtun könnte, wie „Die Worte des Vorsitzenden“ von 1967. Da träumte man noch davon, dass die Philosophie Maos zur Zerschlagung des industriellen-militärischen Komplexes im Westen dienen könnte, während in China selbst die Kulturrevolution das intellektuelle und soziale Leben verheerte und Tausende Opfer forderte. Auch „White Christmas“ von 1968 liest man heute gewinnbringender, wenn man den Zusammenschnitt von Bing Crosbys Schmalz-Song und dem Vietnamkrieg nicht als plumpe Satire deutet, sondern als schmerzvollen Kommentar dazu, dass die Vorstellung vom richtigen Leben im falschen absurd ist.