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Nachruf

Wichtige Architektin der Nachkriegsmoderne

Die gebürtige Grazerin Traude Windbrechtinger-Ketterer, mit ihrem Mann Wolfgang Windbrechtinger eine prägende Figur der Nachkriegsarchitektur, starb im Alter von 94 Jahren.

Ausflugsrestaurant Bellevue in Wien, eine markante Arbeit aus dem Büro Windbrechtinger © Stadt Wien
 

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb die Architektin Traude Windbrechtinger-Ketterer im Alter von 94 Jahren. Das gab das Architekturzentrum Wien bekannt. Die gebürtige Grazerin gehörte zu den wenigen weiblichen Protagonistinnen, die mit ihren Bauten die Nachkriegsmoderne nachhaltig mitprägten.

Nach dem Architekturstudium in München und Graz, wo sie 1950 ihre Ausbildung beendete, eröffnete sie 1956 gemeinsam mit ihrem späteren Mann Wolfgang Windbrechtinger ein eigenes Büro in Wien. Gleichzeitig war Traude Windbrechtinger-Ketterer für Roland Rainer tätig, der neben ihren architektonischen vor allem auch ihre zeichnerischen Fähigkeiten ganz außerordentlich schätzte. Ihr gemeinsam mit ihrem Mann im Auftrag der Gemeinde Wien errichtetes Ausflugsrestaurant "Bellevue" in Wien 19 (1960-1963) gehört neben der Stadthalle zu jenen Signature-Gebäuden, mit denen Wien in der zweiten Republik seinen Status einer "Weltstadt" zurückeroberte. Mit dem nachbarschaftlichen Subzentrum "Ekazent" in Hietzing sorgte sie für neue städtebauliche Impulse.

PRIVAT
Traude Windbrechtinger-Ketterer © PRIVAT

Biographie

Traude Windbrechtinger-Ketterer, geboren am 30. 11. 1922 Graz. Architektin; Ehefrau von Wolfgang Windbrechtinger. Studierte 1943-46 an der Akademie der bildenden Künste in München; 1946-50 Assistentin an der Technischen Hochschule in Graz. 1956-94 freischaffende Architektin in Wien in Zusammenarbeit mit ihrem Mann. 1965 Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. 1963 Österreichischer Staatspreis für Architektur.

Werke (in Zusammenarbeit mit Wolfgang Windbrechtinger): Volksheim Kapfenberg, 1958; Kindergarten und Siedlung Böhlerwerk, 1959; Kindergarten Korneuburg, 1962; Restaurant Bellevue, Wien, 1963 (abgerissen 1982); Einkaufszentrum Wien-Hietzing, 1964; Kindergärten in Amstetten und Ober-Grafendorf (Niederösterreich), 1968; Siedlung Wassermannweg, Wien, 1992. - Projekte für Kirchen und städtebauliche Arbeiten.

1954 gehörte sie zu den MitbegründerInnen der Österreichischen Gesellschaft für Architektur, in deren Rahmen sie 1967 federführend mit Viktor Hufnagl die Ausstellung "Neue Städtische Wohnformen" konzipierte. Ihre Vorstellung für innovative Wohnkonzepte konnte Windbrechtinger-Ketterer in ihrer siebenjährigen Tätigkeit an der Wohnanlage "Am Schöpfwerk" einbringen. Gleichzeigt brachte sie der anonymen und regionalen Architektur großes Interesse entgegen. Ihre architektonische Zurückhaltung setzte sie vorbildhaft in den unzähligen Sanierungen u.a. in der Schönlaterngasse 8 und Sonnenfelsgasse 17 ein. Die sanfte Stadterneuerung war ihr neben einer stringenten, klaren und zeitgemäßen architektonischen Haltung ein großes Anliegen.

Das Architekturzentrum Wien übernahm 2005 das Archiv des Ehepaares Windbrechtinger in seine Sammlung und verliert mit Traude Windbrechinger-Ketterer eine Pionierin der Nachkriegsarchitektur, deren eigenständige Leistungen es zu entdecken gilt.

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