Mit einem Zitat aus ihren „Liedern von einer Insel“ wird Ingeborg Bachmann heuer in ihrer Heimatstadt gefeiert: Am 25. Juni, exakt zu ihrem 100. Geburtstag, steigt vor ihrem Geburtshaus in der Klagenfurter Henselstraße ein großes Fest. Dabei wird auch erstmals die Skulptur „Ptolemais“ präsentiert – ein Geschenk des deutschen Künstlers Anselm Kiefer, der sich seit Jahren auf Bachmann bezieht.
Nur drei Tage später folgt der zweite Höhepunkt: Zum 50. Mal wird der Bachmann-Preis vergeben. Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält künftig 30.000 Euro – eine Erhöhung um 5.000 Euro. Ebenfalls neu: Die Eröffnung der „Tage der deutschsprachigen Literatur“ wird erstmals live via 3sat übertragen, bisher war sie nur im Stream zu sehen. „Wir sind sehr froh, dass uns das gelungen ist“, freut sich ORF-Kärnten-Chefin Karin Bernhard. Und Klaus Wachschütz, technischer Leiter des ORF-Kärnten und Regisseur des Wettlesens, kündigt an: „Wir werden die Chance nutzen, dass wir Klagenfurt als Literaturstadt zeigen können“. Unter anderem sollen in der knapp 75-minütigen Sendung wichtige Bachmann-Orte wie das Bachmann-Haus, der Neue Platz, das Kreuzbergl oder der See ins Bild gerückt und Auslosung und (verkürzte) Klagenfurter Rede vorher aufgezeichnet werden.
Rund um die beiden Jubiläen spannt sich ein dichtes Programm: Das Bachmann-Haus lädt unter anderem zu Lesungen mit zwei Bachmann-Preisträgerinnen (Maja Haderlap am 9. Mai, Natascha Gangl am 26. Juni) sowie zu einer Garten-Lesung mit Heinz Bachmann, dem in England lebenden Bruder der Dichterin (2. Juli). Ein weiterer Höhepunkt ist eine große Sonderausstellung zu Ingeborg Bachmann, die am 17. Oktober im kärnten.museum eröffnet wird. Die beeindruckende Schau der Österreichischen Nationalbibliothek wird um Kärntner Exponate ergänzt, zudem soll ein Raum mit einer Intervention von Anselm Kiefer bespielt werden.
Noch offen ist hingegen der Bachmann-Schwerpunkt der Stadt Klagenfurt: Zwar hat man im Vorjahr 50.000 Euro Sonderbudget dafür eingeplant, doch ohne beschlossenes Budget bleiben die Mittel vorerst blockiert. Weiter ist man da in Oberkärnten: Die Bachmann-Kuppel von Armin Guerino und Gerhard Fresacher wird vor Schloss Möderndorf bei Hermagor aufgestellt, die offizielle Eröffnung findet am 21. Mai statt: „Ingeborg Bachmann hat viele Sommer bei ihren Großeltern in Obervellach verbracht“, sagt Leopold Astner, Bürgermeister von Hermagor. Die Kuppel soll bis in den Frühherbst hinein unter anderem mit Lesungen bespielt werden. Außerdem soll das im Schloss Möderndorf untergebrachte GailtalMuseum einen Raum bekommen, der sich mit „den Gailtaler Wurzeln von Ingeborg Bachmann als ein Ursprung ihres Schreibens“ beschäftigt, so Katharina Herzmansky von Bachmann-Haus, das Kooperationspartner des Projekts ist.
Der Zusammenarbeit von Ingeborg Bachmann mit Hans Werner Henze widmet sich auch das Stadttheater Klagenfurt: Am 15. November stehen die Henze-Vertonungen der „Lieder von einer Insel“ auf dem Programm, im März 2027 feiert Henzes Oper „Der Prinz von Homburg“ (Libretto: Ingeborg Bachmann) Premiere. Noch ein bisschen länger warten muss man auf die Bachmann-Oper, die Bernhard Lang (Musik) und Michael Sturminger (Text) gemeinsam schreiben: Die Oper rund um die Romanze der 18-jährigen Bachmann mit dem britischen Besatzungssoldaten Jack Hamesh soll in der Saison 2027/28 uraufgeführt werden.
Begleitet wird das Jubiläumsjahr von Tagungen, Ausstellungen und zahlreichen Literaturveranstaltungen im ganzen Land. In Klagenfurt werden die verschiedenen Veranstaltungen rund um den Bachmann-Preis im „Salon Inge“ gebündelt und quer durch die Stadt wird es die schon traditionellen Bachmann-Stühle geben. Heuer passend zur Weltlage mit dem Spruch „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“ sowie – und damit schließt sich der Kreis – „Einmal muss das Fest ja kommen“.