„Stride la vampa“ („Die Flamme lodert“): Nicht nur bei ihrer bekannten Auftrittsarie strahlt Daniela Barcellona als Azucena dämonische und glühende sängerische Kraft aus, sondern den ganzen Abend besticht sie am Teatro Verdi Triest mit großer gestalterischer Bühnenpräsenz. Ursprünglich wollte Giuseppe Verdi ja diese Figur in den Mittelpunkt stellen, was der Sängerin hier durchaus gelingt, und die Oper „Il trovatore“ nach ihr benennen. Bei der Neuproduktion dieses Meisterwerks spielen auch die meisten anderen Protagonisten durchaus in der sängerischen Oberliga mit. Ihr ebenbürtig ist Anna Pirozzi als glockenreine, ungemein innige, in den Koloraturen sehr flexibel singende Leonore zu erleben. Yusif Eyvazov punktet als Titelheld Manrico mit müheloser Höhe, riesigem Volumen und besonders langem Atem. Trefflich gelingt ihm die berühmten Stretta „Di quella pira“, worin er die Flammen des Scheiterhaufens besonders packend lodern lässt. Youngjun Park ist ein Graf Luna mit edler Stimmfärbung seines warmen Baritons. Carlo Lepore singt den Ferrando sehr versiert.

 Sängerisch glänzend: Daniela Barcellona (Azucena) und Yusif Eyvazov (Manrico)
 Sängerisch glänzend: Daniela Barcellona (Azucena) und Yusif Eyvazov (Manrico) © Teatro Verdi

Gut disponiertes Orchester

Sehr gut disponiert ist das Orchester des Teatro Verdi Triest unter Jordi Bernàcer, der alle Facetten der Partitur mit großer Energie und weiten Gesten auslotet. Feinsinnige Klänge, aber auch mitreißendes, glutvolles Feuer sind zu vernehmen. Auch die Tempowahl und die Balance ist vom Dirigenten klanglich delikat abgestimmt.

Düster, dunkel und leergeräumt ist in dieser Koproduktion mit der Oper von Marseille die Bühne mit stilisierten Kostümen (Ausstattung: Diego Méndez Casariego). Nur hin und wieder erkennt man im Hintergrund aufgeschichtete, rot beleuchtete Hölzer eines Scheiterhaufens.  Die krude, schauerliche Geschichte von Kindsraub und Brudermord, Liebe, Eifersucht und Rache lässt in der Inszenierung von Louis Désiré wenig Personenführung erkennen. Sie wirkt recht statisch und unbestimmt. Auch der prägnant, aber nicht immer eines Sinnes mit dem Graben singende Chor wird viel zu wenig als handlungsaktives Element eingesetzt. –Viel Applaus!