In ihrem weißen, mit Blut getränkten Brautkleid, einem blutigen Messer in der Hand wankt sie herein, nachdem sie den ihr aufgezwungenen Ehemann ermordet hat, um dann glasklar und mit präzisen Koloraturen die mit extremen Schwierigkeiten und fast unsingbaren Höhen gespickte „Wahnsinnsarie“ zu meistern: Jessica Pratt ist eine phänomenale, heftig umjubelte Titelheldin in Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am Teatro Verdi Triest. Die Starsopranistin brilliert nicht nur in dieser Bravourarie, wo sie in einen intensiven Dialog mit der Glasharmonika tritt, auch sonst sitzt jede Höhe, jede Nuance und sie weiß auch zarte, innige Piani mit großer Leidenschaft und Schmerz dieser belcantesken Glanzrolle auszuformen.