Lange Zeit war Maria Lazar vergessen. Die Wiener Schriftstellerin, die zu den hellsichtigsten literarischen Stimmen ihrer Zeit gehörte, wurde 1895 als achtes Kind einer zum Katholizismus konvertierten, großbürgerlichen jüdischen Familie geboren. Zwei ihrer Schwestern wurden später von den Nazis im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet. 1920 veröffentlichte Maria Lazar ihren ersten Roman („Die Vergiftung“), ein Jahr später wurde ihr Einakter „Der Henker“ an der Neuen Bühne Wien uraufgeführt. Zu ihrem Bekanntenkreis zählten Adolf Loos, Elias Canetti und Egon Friedell, Oskar Kokoschka porträtierte sie 1916 in seinem Bild „Dame mit Papagei“. Ab den frühen 1920ern schrieb sie für Wiener und Schweizer Zeitungen und war als Übersetzerin tätig, ab 1930 veröffentlichte sie unter dem nordischen Pseudonym Esther Grenen. Eine Ehe mit dem Journalisten Friedrich Strindberg, dem Sohn von Frank Wedekind, war da bereits gescheitert. 1933 emigrierte sie mit ihrer Tochter Judith sowie Bertolt Brecht und Helene Weigel nach Dänemark. 1939 zog Maria Lazar nach Schweden, wo sie sich nach der Diagnose einer schweren Erkrankung 1948 das Leben nahm. An ihrer Wiederentdeckung war maßgeblich der Wiener Verlag „Das vergessene Buch“ beteiligt, in dem 2014 „Die Vergiftung“ neu aufgelegt wurde, 2015 folgte „Die Eingeborenen von Maria Blut“. 2023 kam die Dramatisierung des Romans auf die Bühne des Akademietheaters, dort hatte bereits 2019 Mateja Koležnik Lazars Einakter „Der Henker“ inszeniert.