Es ist die zweite Spielzeit, in die die Neue Hofkapelle Graz nach personellen Umbrüchen an der Spitze startet. Wie es läuft? „Fantastisch!“, freut sich Lucia Froihofer. Die Vier im sehr diversen Leitungsteam ergänzen sich laut der Geigerin und Gründerin prächtig, das Orchester fühle sich mehr denn je zusammengeschweißt, und sie selbst müsse als nun Älteste in der Führungsriege ihre Sichtweisen frisch überdenken. Neue künstlerische Fragen und Antworten, Diskussionen, auch Reibungen... „Oft bleiben Fragezeichen, aber in denen steckt ja immer viel Wahrheit“.

Mit „Festtage“ ist die Saison der Hofkapelle überschrieben. Der Titel und die zugehörigen Projekte standen schon vor dem Ukraine-Krieg fest. Deshalb blieb man dabei, „zudem geht uns allen das Feiern allein schon wegen der Pandemie ab“, sagt Froihofer. Die vier Konzerte im Minoritensaal Graz in dieser Spielzeit und weiteren Vorhaben bieten aber ohnehin nicht nur Ausgelassenheit.

Schon der Auftakt fragt ernst: „Was ist Heimat?“. Aus hoch interessanten Gesprächen zu diesem Thema im Orchester habe man ein extrem buntes Potpourri von Bach bis zum italienischen Schlager erstellt, „dass aber eben kein Wald-und-Wiesen-Programm ist, weil es unmittelbar mit unseren Mitgliedern zu tun hat“. Wie in einer klassischen Akademie werde es zudem vier Reden über Heimat und eine Conclusio geben, verrät Froihofer. (9. Oktober, 17 Uhr).

„Ein Fest für Ferdinand“ begeht man im November. Froihofers 2010 gegründetes Originalklangensemble ist ja nach der Hofkapelle des Erzherzogs benannt, der 1619 von der Residenz in Graz nach Wien zog, um Kaiser zu werden. Gespielt hat man deren Musik allerdings noch nie, weil bisher nötiges Spezialinstrumentarium für die frühbarocken Spezialitäten fehlte. „Wir betreten also quasi fast Neuland“, freuen sich Froihofer und die Ihren selber auf Entdeckungen (6. November).

In „Zusammengebraut“ serviert man nicht nur den süffigen Mix aus französischem und italienischem Stil um 1685 am Münchener Hof, sondern erforscht auch, was den steirischen Barockmeister Johann Joseph Fux in seiner Studienzeit in Bayern beeinflusst haben könnte (20. Jänner).

Den Abschluss der Reihe prägt die „Violin, my Dancing Queen“. Dazu treffen sich zwei Kongeniale, die im Barock genauso daheim sind wie in der Volksmusik. Froihofer und Jim O’Toole werden zeigen, dass zwischen einer Gigue von Couperin und einer steirischen Polka und einer Fiddle Jig in Sachen Tanzbarkeit kaum etwas steht außer das „Und“ (5. Mai).

Apropos: Und außerhalb des eigenen Zyklus? Beginnt die Hofkapelle morgen mit einem Videoprojekt an ungewöhnlichen Plätzen in Graz. An den Drehorten wie Würstelstand, Bushaltestelle oder Lendmarkt soll man später via dort applizierter QR-Codes Musik für Auge und Ohr abrufen können.

Geübt in Koproduktionen mit dem Cirque Noël, werden Froihofer und ihre Hofkapelle zudem mit einer deutschen Theaterpädagogin und Schweizer Artisten auf einer eigens gefertigten mobilen Bühne einen Musiktheaterzirkus zum Thema „Gesellschaftliche Blasen“ bieten. Und mit diesem überall dorthin gehen, wo solche Aufführungen sonst nie stattfinden. Bei „La Strada“, ja. Aber auf der Alm? Oder im Kegelverein?