International vermehrte Rassenkonflikte, erhöhte Bandenkriminalität, hohes Aggressionspotential bei Jugendlichen: Auch nach fast 65 Jahren ist Leonard Bernsteins „West Side Story“ erschreckend aktuell. Pandemiebedingt um ein Jahr verschoben wurde dieses Mittelding aus Musical und Oper bei den Seefestspielen in Mörbisch mit einer imposanten Szenerie und großen Schaueffekten auf die Bühne gehievt. Die riesige Freiheitsstatue, schäbige, typische New Yorker Ziegelbauten aus der Vorstadt, heruntergekommene Buden, Mauern, überdimensionale grelle Werbeaufschriften, ein US-Straßenkreuzer auf einer Hebebühne: Der in Mörbisch schon mehrfach aktive Bühnenbildner Walter Vogelweider hat wieder aus dem Vollen geschöpft. Darin zeigt Regisseur Werner Sobotka diese aktuelle Version des amerikanischen "Romeo und Julia"-Ablegers in modernen Kostümen (Karin Fritz), die jedoch für heutige Verhältnisse zu zahm wirkt und durchaus drastischer sein könnte. Zwar ist das Tempo hoch, die Personenführung auch bei den Kampfszenen der amerikanischen "Jets" und der puertoricanischen "Sharks", jener an sich sehr brutalen New Yorker Bandenkriegsgeschichte, die im Einwandermilieu spielt, präzise und ideenreich. Auch die Choreographie (Jonathan Huor) ist meist mitreißend und voller Details. Für die schnellen Szenenwechsel werden die schäbigen, von beiden Seiten bespielbaren, mehrstöckigen Fassaden hereingeschoben oder gedreht. Allerdings weist die eine und andere Szene Längen auf. Auch die deutsch gesprochenen, langen Dialoge hätten einer Straffung bedurft.
Kritik aus Mörbisch
"West Side Story": Manhattan am Ufer des Neusiedler Sees
Gestern Abend feierte Leonard Bernsteins Musicalklassiker "West Side Story" Premiere in Mörbisch.
© APA/Seefestspiele Mörbisch