AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

KritikKušej und die Germanenschlacht an der Burg

Mit Kleists „Hermannsschlacht“ begann Martin Kusejs Ära an der Burg erst so richtig. Die Inszenierung wurde zu einer Lektion über Machtrausch und Massen-Manipulation.

Weiterlesen mit unserem Digitalabo

Gratis testen

    Sie erhalten Zugriff auf:

  • Alle Kleine Zeitung Plus Artikel
  • Tägliches E-Paper
  • Smartphone App
DIE HERMANNSSCHLACHT
Furioses Duo: Bibiana Beglau (Thusnelda) und Markus Scheumann (Hermann) © APA/BURGTHEATER
 

Es ist schon schauderhaft, welcher braune Urschlamm diesem 1809 auf zum Teil recht humpelnden Versfüßen in die Dramenwelt entlassenen germanische Mythenmonster innewohnt. Vorausgesetzt, man rührt an den richtigen Stellen um. Das taten die Nazis passend mit der rechten Hand – Heinrich von Kleists „Hermannsschlacht“ wurde zum Parade-Lobgesang auf treudeutsche Tugenden, auf Rachsucht, Herrenmenschentum und Verhetzung. Die Wörter salutierten und standen stramm. Kein Wunder, dass dieses Werk nach 1945 wegen all dieser Vorbelastungen in der Versenkung verschwand.

Dass es nun doch wieder hervorgeholt wurde, liegt wohl auch an einem persönlichen, aber aktuellen Prolog, wie ihn das Theaterleben eben so schreibt. Claus Peymann, damals noch in Bochum tätig, krempelte 1982 das vermeintliche Heldenepos völlig um. Mit Gert Voss in der Titelrolle, rebellisch, revolutionär, optisch nahe bei Che Guevara angesiedelt. Als Peymann das Burgtheater übernahm, zeigte er 1985 seine von vielen Kritikern bejubelte und als exemplarisch geltende Umdeutung auch in Wien.

Das ist lange her. Nicht so lange her ist es, da bot Peymann dem neuen Burgherrn Martin Kusej ein „große Inszenierung“ an; sein Angebot wurde dankend abgelehnt. Einer ging schmollend ab.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren