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BurgtheaterMartin Kušejs "erste echte Arbeit hier als Chef"

In Heinrich von Kleists "Hermannsschlacht", die am 28. November an der Burg Premiere hat, untersucht Martin Kušej den Nationalismus.

Probenfoto "Die Hermannsschlacht" von Heinrich von Kleist © Matthias Horn/BURGTHEATER
 

Anfang Okober gab es eine Kostprobe: Da hielt Martin Kušej mit dem Ensemble im "For Forest"-Stadionwald in Klagenfurt vor rund 2000 Besuchern eine öffentliche Leseprobe der "Hermannsschlacht" ab. Für seine "erste echte Arbeit hier als Chef" hat der Burgtheater-Direktor einen hochpolitischen Stoff gewählt: Mit Heinrich von Kleists "Die Hermannsschlacht" bringt er ein Werk auf die Bühne, das im Nationalsozialismus instrumentalisiert und 1982 von Claus Peymann "entnazifiziert" wurde. Kušej legt den Fokus nun auf Themen wie Populismus und Fake News. Premiere ist am 28. November. Es spielen u. a. Markus Scheumann, Bibiana Beglau, Paul Wolff-Plottegg, Max Gindorff und Sabine Haupt.

Kleists Cheruskerfürst Hermann sei "ein Bruder aller machiavellistischen Politiker, Lügner und Populisten, wie wir sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts allerorts vorfinden", erläuterte Kušej bei einem Pressegespräch. "Ich bin ein sehr genaues Trüffelschwein", so Kusej, "ich hole das raus, was für einen nachhaltigen Theaterabend wichtig ist". Und so werde er sich - anders als Peymann 1982 - sehr eng an das 1809 geschriebene Original halten und keine wesentlichen Szenen streichen, um dem Stück eine andere Richtung zu geben. "Der deutsche Nationalismus kommt mir gerade recht", so der Regisseur.
Am 1. Dezember hat man übrigens auf ORF III die Möglichkeit, die "Hermannsschlacht" live-zeitversetzt aus der Burg zu verfolgen.

Zum Stück

Kleists 1809 geschriebenes Drama handelt von der historischen Schlacht im Teutoburger Wald, wo die von Hermann angeführten Germanen die Römer besiegten.
Im zeitlichen Kontext war es eine Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon. Die Uraufführung, die sich Kleist ausgerechnet am Wiener Burgtheater gewünscht hatte, ließ auf sich warten und fand erst 1839 in Deutschland statt.


Besonders stark zeigt sich Kušej von der "erkenntnishaften Lektüre" von Barbara Vinkens Buch "Bestien: Kleist und die Deutschen" beeinflusst, die eine "völlig neue Deutung" geliefert habe. Klar könne man Hermann wie bei Peymann als Freiheitskämpfer sehen oder als nationalistischen Helden wie im Faschismus, aber tatsächlich seien die Mittel, die Hermann anwende, um sich gegen die römische Besatzung zu wenden, "genauso tyrannisch" wie jene seiner Feinde. "Der Befreier wirft für die neue Freiheit Werte und Erkenntnisse des Humanismus und der Aufklärung über Bord, macht sie kaputt", so Kušej. In diesem Sinne sei er "schlimmer als die Macht, von der er sich befreien will". Hier habe man es mit einer "als Unterdrückung empfundenen Macht und kleinen nationalistischen Kräften zu tun, die mit der fortschrittlichen Macht nichts zu tun haben wollen".
Premiere am 28. November, 19 Uhr, weiters am 30. 11., 1., 7. und 25. Dezember. Karten unter Tel. (01) 513 1 513 oder www.burgtheater.at

 

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