Graphic Novel Rumble in the Jungle: Ein Boxkampf wie eine Metapher

Fotoreportage und Graphic Novel zugleich: „Muhammad Ali, Kinshasa 1974“ ist die packende Geschichte eines der legendärsten Boxkämpfe aller Zeiten.

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Ali gegen Foreman: Comic und Fotoreport
Ali gegen Foreman: Comic und Fotoreport © Bahoe Books/ Magnum Photos
 

"Ali traf ihn mit einem Haken, mit einer kurzen Rechten. Und George ging zu Boden. Er war so groß, dass er in Scheiben, in Stücken, zu Boden ging“, erzählte mir einmal der große amerikanische Box-Reporter Jerry Izenberg. Der Kampf, an den sich der heute 90-Jährige erinnerte, blieb als „Rumble in the Jungle“ im kollektiven Gedächtnis haften.
Die bei Bahoe Books erschienene Graphic Novel „Muhammad Ali, Kinshasa 1974“ führt zurück an jenen 30. Oktober 1974, als sich Muhammad Ali im „Stadion des 20. Mai“ über George Foreman erhob: „Für diesen Kampf habe ich Neues probiert. Bäume gefällt. Mit einem Alligator gerungen (...) Einen Blitz verhaftet und den Donner eingesperrt.“

Nach der Idee von Jean-David Morvan schauen wir dem Fotografen Abbas über die Schulter, der für Magnum Photos in Zaire war: Die Zeichnungen von Rafael Ortiz und die Fotos von Abbas verdichten das Gefühl einer boxhistorisch besonderen Zeit. Es war eine Zeit, als George Foreman als scheinbar unbesiegbare Schwergewichtsweltmeister galt. Im Seilgeviert stand ihm die Legende Muhammad Ali gegenüber, der sich mit dem Sieg über Big George den Titel wieder zurückholen wollte.
In Montagetechnik stehen wir mit Abbas (1944 bis 2018) ringside, spüren die Kraft von Foremans Schlaghand, „schweben wie ein Schmetterling“ und „stechen zu wie eine Biene“, wenn Ali in der achten Runde Foreman auf die Bretter befördert. Abbas drückt ab: „Für den Bruchteil einer Sekunde blickt Ali zurück, um seinen am Boden liegenden Kontrahenten zu mustern.“ Dieser Graphic Novel gelingt es durch das Wechselspiel von Fotografie und Zeichnung zu zeigen, was „Rumble in the Jungle“ letztlich ist: eine Metapher – für das Drama, die Leidenschaft, das Herz, die Verlogenheit und die immer wieder popkulturelle Sensation des Sports. Finanziert vom damaligen Diktator Zaires, Mobutu Sese Seko, promotet von Don King, wurde „Rumble in the Jungle“ auch als Fest für Afrika, für Ali und den Boxsport gesehen. Alle metaphorischen Zuschreibungen passieren dabei vor und nach dem Kampf – die acht Runden selbst bleiben davon unberührt, sie bleiben echt.

Abbas/ Bahoe Books/ Magnum Photos Fotos und Zeichnungen wechseln sich ab, der aus dem Iran stammende Fotograf Abbas ganz unten
Fotos und Zeichnungen wechseln sich ab, der aus dem Iran stammende Fotograf Abbas ganz unten © Abbas/ Bahoe Books/ Magnum Photos

Bahoe Books/ Magnum Photos Don King im Gespräch mit Diktator Mobuto, der die 10 Millionen Dollar Preisgeld aufstellte
Don King im Gespräch mit Diktator Mobuto, der die 10 Millionen Dollar Preisgeld aufstellte © Bahoe Books/ Magnum Photos

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