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Album-NeuerscheinungPandoras kleine Schwester: Aus dieser Musik-Büchse kommt die Hoffnung

"Die Lieder" heißt das erste Album der Grazer Formation Pandoras kleine Schwester. Es sind wunderbar schwerelose Pop-Lieder, die in dunklen Zeiten Mut zum emotionalen Überschwang beweisen.

Pandoras Kleine Schwester: "Die Lieder" heißt das Debütalbum der Formation
Pandoras Kleine Schwester: "Die Lieder" heißt das Debütalbum der Formation © (c) Elmar Gubisch (Elmar Gubisch)
 

Dystopien, Weltuntergangsszenarien, gibt es wahrlich genug: In der Literatur, im Theater, in der Musik. Schön, dass es noch Lieder gibt, die nicht die letzten Tage der Menschheit verkünden.

Die Grazer Band Pandoras kleine Schwester hat als umtriebige Live-Formation schon große Runden gedreht und ein treues Stammpublikum um sich versammelt. Jetzt liegt das erste Album der Truppe rund um Bernd Hecke (Gesang, Gitarre), Inge Zelinka-Roitner (Gesang, Violine), Erich Repe (Keyboard, Akkordeon), Anton Hüttmayr (Bass) und David Knes (Schlagzeug) vor. Aufgenommen wurden "Die Lieder" in der "Mischerei" von Fabio Schurischuster, der u. a. schon die Indie-Haudegen "The Base" musikalisch aufgemischt hat.

Die Grundphilosophie der Band findet sich vielleicht in einer Textzeile im letzten Lied des Albums. Im Dialekt-Song "Im Wolf" setzen Hecke & Co. dem gleichnamigen Kult-Lokal in Graz ein schönes Denkmal. Dort heißt es: "Der Welt ein kleines Lächeln zurückgeben." In einer Welt, die zunehmend dunkelgrau eingefärbt ist, erlauben sich Pandoras Kleine Schwester emotionalen Überschwang und Grundoptimismus, ohne die (unschönen) Zeichen der Zeit auszublenden. In einem anderen Song des Albums, "Die Welt", wird klargestellt, dass die Antworten auf die großen Fragen der Zeit nicht von außen kommen - sondern eher beim Blick in den Spiegel zu finden sind.

Die neun Lieder auf "Die Lieder" sind ein luftig ausbalancierter Pop-Reigen mit einem Schuss Balkan-Folk. Bernd Hecke, der Songschreiber, hat ein feines Händchen für unangestrengte Texte und   catchy Pop-Melodien. Kann durchaus sein, dass er im Plattenschrank die eine oder andere Beatles-Scheibe stehen hat. Das mag man jetzt "Old School" nennen - aber es ist eine gute Schule.

Auch im Studio ging das nicht verloren, was die Live-Qualität der Band ausmacht: Spielfreude, Lebensfreude, das Bemühen, auf Augenhöhe mit dem Publikum zu sein. Das ergibt eine höchst sympathische Mischung, die keinem Trend hinterherläuft.

Der einzige englischsprachige Titel auf dem Album heißt "Last Waltz", aber das darf man nicht so wörtlich nehmen. Der Tanz geht weiter, die Welt dreht sich weiter, die grünen Wiesen reichen bis ans Wasser, und mit lässigen Liedern wie diesen lässt sich gut durch eine Krise tauchen - und darüber hinaus.

Bleibt noch, die Sache mit Pandoras kleiner Schwester zu klären. Ein Zauberkind, das die ganze Welt herzte. Und vor allem: Sie hat nicht, wie ihre große Schwester, das Übel aus der Büchse gelassen, sondern die Hoffnung. Gute Wahl, dieser Bandname!

Das Album ist erhältlich auf allen gängigen Plattformen.

Foto © KK

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