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InterviewIris Laufenberg: "Ich freue mich, nach Berlin zurückzukehren"

Die Grazer Schauspielhaus-Chefin geht 2023 an das Deutsche Theater, das "immer ein Fixstern in der deutschsprachigen Theaterlandschaft war". Ein Gespräch.

++ ARCHIVBILD ++ SCHAUSPIELHAUS GRAZ: LAUFENBERG
Wird ab 2023 eines der renommiertesten deutschen Theater leiten: Iris Laufenberg © APA/ERWIN SCHERIAU
 

Die Intendantin des Grazer Schauspielhauses, Iris Laufenberg, wechselt mit Beginn der Saison 2023/24 an das Deutsche Theater Berlin. Mit "sehr großer Freude" hat sie von ihrer Bestellung an das Traditionstheater erfahren. Am Freitag sprach sie mit der APA über die Stellung des Deutschen Theaters und die Gründe, warum sie dieses Haus interessiert.

Zuerst herzlichen Glückwunsch! Was haben Sie empfunden, als Sie von Ihrer Bestellung erfahren haben?

Laufenberg: Respekt, auch sehr große Freude.

Was bedeutet das Deutsche Theater in Berlin für Sie?

Laufenberg: Wie andere Berliner Theater auch, ist das Deutsche Theater immer ein theaterhistorisch bedeutsames Haus gewesen, das weltanschauliche Fragestellungen in neue Ästhetiken und Theaterpraktiken zu übersetzen wusste. Alle Epochenbrüche und gesellschaftlichen Systemwechsel der letzten 100 Jahre haben ihm zu Innovations- und daraus resultierender Strahlkraft verholfen, so dass es immer ein Fixstern in der vielfältigen und unglaublich leistungsfähigen deutschsprachigen Theaterlandschaft war.

Was hat Sie an diesem Haus gereizt, außer dass es eines der renommiertesten Theater ist?

Laufenberg: Nach einer durch meine Aufgaben in der Schweiz und Österreich bedingten elfjährigen Abwesenheit von Berlin freue ich mich, 2023 in die deutsche Hauptstadt zurückzukehren und das ehrwürdige, geschichtsträchtige und zugleich ewig junge, wandelbare Deutsche Theater als Intendantin in den kommenden Jahren leiten zu dürfen. Einerseits mit Respekt vor der Vergangenheit, andererseits aber auch mit Visionen für eine Zukunft, in der das Theater mit all seinen unterhaltsamen, sinnlich-konkreten Fähigkeiten und Funktionen als öffentlicher Gefühls- und Denkraum wirken kann.

Werden Sie dort den Fokus - wie in Graz - auf Gegenwartsdramatik legen?

Laufenberg: Sicherlich auch, ja. Zuerst gilt es jedoch, unsere jeweiligen Theater - in meinem Fall das Schauspielhaus Graz - umsichtig durch diese schwierige Saison und die weiteren Jahre, die ich am Schauspielhaus wirken darf, zu bringen. Die Vorstellung der inhaltlichen Pläne für das Deutsche Theater Berlin soll daher zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Was möchten Sie am Grazer Schauspielhaus noch verwirklichen, was werden Sie vermissen?

Laufenberg: Nicht grundlos habe ich 2017 sehr gerne meine vorerst fünf Jahre in Graz um drei weitere Spielzeiten verlängert: Das technische Team des Hauses, die Kolleginnen und Kollegen aus den künstlerischen und kreativen Abteilungen, die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und nicht zuletzt das Ensemble schätze ich ungemein für ihren Enthusiasmus und ihr Engagement. Darüber hinaus durfte ich hier ein offenes Publikum kennenlernen, das sich neugierig auf Abenteuer und neue Projekte einlässt. So bereitet mir die Tätigkeit hier in Graz sehr viel Freude. Nach acht Saisonen in dieser Konstellation wünsche ich der Stadt jedoch neuen Input durch andere künstlerische Farben.

(Das Gespräch führte Karin Zehetleitner/APA)

Kommentare (1)
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Lodengrün
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Bravo Frau Laufenberg

ruhig, kompetent und mit viel Einsatz gehen sie in Graz zu Werke. Die Berufung kommt nicht von ungefähr. Nicht das große Tamtam, was viele politische upstarts im Kulturbereich nun im Schatten Ihres Erfolges hier mit Kommentar an den Tag legen.